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Schlaganfälle bei Kindern: Wie erkenne ich Symptome? | BR24

© pa/dpa

MRT-Bild, das eine abgeknickte Ader zeigt

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    Schlaganfälle bei Kindern: Wie erkenne ich Symptome?

    Mit zunehmendem Alter steigt das Schlaganfall-Risiko. Was viele nicht wissen: Auch Kinder und Babys können einen Schlaganfall erleiden. Wichtig ist, dass sie schnell eine Diagnose bekommen und Hilfe erhalten. Dann können sie noch viel ausgleichen.

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    Marie, fünf Jahre alt, dreht an den Knöpfen ihres Spielzeugherds. Die Herdplatten leuchten rot auf, Marie jauchzt begeistert auf: "Ich habe heute früh extra Pizza gebacken" Auf den ersten Blick sieht kaum jemand, dass die Fünfjährige sich etwas anders bewegt als ihre Altersgenossen.

    Marie nimmt ein Tablett, auf dem Pizzastücke aus Holz liegen. Die Pizza gleitet auf den Boden – denn Marie hat nur mit der linken Hand gegriffen. Schon seit ihrer Geburt ist sie auf der rechten Seite leicht gelähmt. Erste Anzeichen erkannte ihrer Mutter Christine Obermaier nach einem dreiviertel Jahr. "Wenn sie irgendeine Spielsache haben wollte, ist sie lieber fünfmal drum-herum gerobbt, anstatt mit der rechten Hand danach zu greifen", erzählt sie. Danach sprach sie das Thema beim Kinderarzt an. Er schickte sie in die Schön Klinik in Vogtareuth, eine der wenigen Spezialkliniken für solche Fälle in Deutschland.

    Risikofaktor Geburt

    Die Ärzte dort haben mittlerweile festgestellt, dass Marie einen Schlaganfall hatte. Wann genau, ist selbst heute noch unklar: Es könnte vor, während oder nach der Geburt gewesen sein. "Die Geburt ist ein blutiges Ereignis – auch deswegen haben Mutter und Kind eine stärkere Blutgerinnung", sagt Chefarzt des Fachzentrums für Kinder-Neurologie in Vogtareuth. Damit steige das Schlaganfall-Risiko. Diese Fälle werden meist – so wie bei Marie – erst später erkannt. Nämlich dann, wenn das Kind beispielsweise motorisch hinter seinen Altersgenossen zurückbleibt.

    Kindliche Schlaganfälle – so sind sie zu erkennen

    Neben den Schlaganfällen rund um die Geburt kann es auch später zu einem Schlaganfall bei Kindern kommen. "Den Eltern fällt meistens sofort auf, dass ihr Kind plötzlich sehr krank ist", sagt Chefarzt Martin Staudt. Symptome können sein: Sprachstörungen, Bewusstseinsstörungen, Lähmungserscheinungen, Krampfanfälle.

    Doch manchmal würden die Symptome nicht mit einem Schlaganfall in Verbindung gebracht, sagt Martin Staudt: "Wenn Opa plötzlich eine Halbseitenstörung hat, dann kommt jeder drauf, dass es ein Schlaganfall gewesen sein könnte. Beim Kind ist das nicht so."

    Insgesamt schätzt er die Zahl der Schlaganfälle bei Kindern auf 600 bis 800 diagnostizierte Fälle im Jahr. Eine Schätzung – denn nicht alle Fälle würden gemeldet, eine Datenbank gebe es nicht.

    Therapie, um Alltagssituation zu meistern

    Seit der Diagnose bringt die Mutter Marie regelmäßig zu Physio- und Ergotherapie. Außerdem wird die Fünfjährige in der Schön Klinik in Vogtareuth behandelt. Dort arbeiten nicht nur entsprechende Fachärzte, sondern auch eine sogenannte Schlaganfall-Lotsin. Bei ihr können Eltern auch telefonisch Beratung erhalten. Außerdem bietet die Klinik ein "Hemicamp" an: Für vier Wochen sollen Kinder mit halbseitigen Lähmungen ihre motorischen Fähigkeiten üben. Wichtig dabei sei es, Alltagssituationen zu meistern, für die es in der Regel beide Hände braucht: Etwa eigenständig eine Jacke an- und ausziehen zu können. "Es geht darum, dass sie erfolgreich sind und dass es ohne große Anstrengung funktioniert. Nur dann machen die Kinder das auch im Alltag", sagt Melanie Hessenauer, Ergotherapeutin an der Schön Klinik.

    Marie kann mittlerweile sogar Fahrradfahren. Denn durch eine Therapie kann das kindliche Gehirn oft noch viel ausgleichen. Auch deshalb ist es wichtig, dass Schlaganfälle bei Kindern möglichst schnell erkannt werden.  

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