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Schlafen in Corona-Zeiten | BR24

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Schlafen in Corona-Zeiten

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Schlafen in Corona-Zeiten

Die Corona-Maßnahmen bieten eigentlich die besten Voraussetzungen, um ganz viel zu schlafen. Tatsächlich schlafen viele Menschen schlecht. Das belegen Studien und das beobachten auch Ärzte in den Schlaflaboren.

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Von
  • Ute Rauscher

Corona hält viele Menschen wach. Zu diesem Schluss kommt eine bundesweite Studie zu Covid-19 an der Universität Duisburg-Essen. Seit dem ersten Lockdown im Frühjahr wurden bis zum Herbst mehr als 16.000 Menschen online befragt, auch zu ihrer Schlafqualität. Dabei zeigte sich, dass die Teilnehmer bereits kurz nach Beginn der Corona-Maßnahmen bis zu drei Mal schlechter schliefen. Und: Die Kurve schnellte immer dann nach oben, wenn weitere Verschärfungen angekündigt wurden, so Studienleiterin Madeleine Fink. "Zum Beispiel als der Lockdown kurz vor Ostern angekündigt wurde, konnten wir Anstieg der Angst sowie schlechtere Schlafqualität verzeichnen."

Ein- oder Durchschlafprobleme sind eine Volkskrankheit

Auch im Sommer verbesserte sich der Schlaf der Studienteilnehmer nur leicht. Die Studienergebnisse vom Herbst sind zwar noch nicht veröffentlicht, aber es zeichnen sich ähnliche Tendenzen ab wie im Frühjahr, sagt Psychologin Fink. Heißt: Die Deutschen schlafen schlecht. Und das hat Folgen. Kurzfristig sinkt die Konzentrationsfähigkeit, wir fühlen uns abgeschlagen, sind reizbarer. Die langfristigen Folgen sind noch nicht absehbar. "Wir gehen davon aus, dass das bei Menschen mit psychischen Vorbelastungen oder einer dramatischen Situation psychische Belastungen aufrecht erhält oder entstehen lässt", sagt Fink.

Ein- oder Durchschlafprobleme waren schon vor Corona eine Volkskrankheit, heißt von der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin. Ein bis zwei Millionen Deutsche könnten ohne Tabletten nicht mehr schlafen.

Falsch eingenommene Schlafmittel können schädlich sein

Die Pharmaindustrie profitiert: 2019 nahmen die Konzerne mit Schlafmitteln rund 100 Millionen Euro ein. Besonders populär: Melatonin. "Melantonin war schon immer die Wunderdroge, ist aber ein körpereigner Botenstoff, wichtig für den Schlaf. Das ist das Dunkelheits- oder Nachthormon", weiß die Münchner Chronobiologin Eva Winnebeck. Sie warnt jedoch davor, Melatonin quasi wie ein Lifestyleprodukt einzunehmen. "Da ist nicht 'viel hilft viel', man muss es zur richtigen Zeit in der richtigen Dosis nehmen, sonst kann es mehr kaputtmachen als dass es richtet. Deshalb auch in Deutschland rezeptpflichtig, weil es ein Hormon ist.

Ein fester Tagesablauf, frische Luft, Bewegung

Für Psychologin Madeleine Fink von der der Universität Duisburg-Essen ist es ohnehin am besten, ohne Schlafmittel auszukommen, denn die Ursachen beseitigen die Tabletten nicht. Fink rät Schlaflosen, es zunächst mit einem geregelten Tagesablauf zu versuchen: "Ich stelle mir den Wecker, versuche auch aufzustehen, obwohl ich müde bin. Abends zu den gleichen Uhrzeiten ins Bett zu gehen, frische Luft tanken, spazieren gehen, all das aufrecht zu halten, auch wenn es schwerfällt."

Hilfe für Menschen mit Schlafstörungen in Coronazeiten gibt es auch online, beispielsweise bei der Universitätsklinik Duisburg-Essen.

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