BR24 Logo
BR24 Logo
Wissen

Sauerstoffmangel in Meeren bedroht Fischbestände | BR24

© dpa/pa/Wolfram Steinberg

Archivbild: Blaualgen in der Ostsee

Per Mail sharen

    Sauerstoffmangel in Meeren bedroht Fischbestände

    Der Sauerstoffverlust der Meere wird nach einem Bericht der Weltnaturschutzunion zu einer wachsenden Bedrohung für Fischbestände. Weltweit sind vom Sauerstoffrückgang 700 Meerregionen betroffen, in unsere Breiten vor allem die Ostsee.

    Per Mail sharen

    Der Sauerstoffverlust der Meere bedroht zunehmend Fischbestände. Das geht aus einem neuen Bericht hervor, den die Weltnaturschutzunion (IUCN) in Madrid bei der Weltklimakonferenz vorstellte. Betroffen seien weltweit etwa 700 Meeresregionen.

    "Das ist möglicherweise das letzte Alarmsignal, dass wir von dem unkontrollierten Experiment bekommen, dass die Menschheit in den Ozeanen der Welt ausgelöst hat." Dan Laffoley, Mit-Herausgeber des Berichts

    Sauerstoffgehalt nimmt ab

    Der sinkende Sauerstoffgehalt in den Ozeanen hat dem Bericht zufolge vor allem zwei Gründe. Zum einen die Klimaerwärmung: Heizt sich das Meerwasser auf, enthalte es tendenziell weniger Sauerstoff. Zum anderen führe eine Verschmutzung der Gewässer mit Nährstoffen etwa aus Fischzuchten oder Düngemitteln aus der Landwirtschaft insbesondere in Küstenregionen zu einem starken Algenwachstum. Bei ihrem Abbau verbrauchen sie Sauerstoff. In sauerstoffarmen Gewässern überlebten Mikroben, Quallen und Tintenfische besser als Fische.

    Ostsee und Schwarzes Meer stark betroffen

    Vom Sauerstoffrückgang betroffen sind auch die Ostsee und das Schwarze Meer. "Dies sind die größten geschlossenen Meeresökosysteme mit niedrigem Sauerstoffgehalt", heißt es in dem Bericht. Während es im Schwarzen Meer teils natürliche Gründe gebe, seien in der Ostsee vor allem die Düngemittel und der Klimawandel Schuld.

    Gefahr der Überfischung

    In wärmeren Gewässern vermischten sich sauerstoffreiche und -arme Schichten weniger gut, heißt es in dem Bericht. Thunfische und Haie brauchten wegen ihrer Größe und ihres Energiebedarfs viel Sauerstoff. Sie würden in relativ sauerstoffreiche Schichten in höheren Lagen gezwungen und setzten sich dann der Gefahr aus, gefischt zu werden. Überfischung sei die Folge, so die IUCN.

    "In hot water"-Bericht von Greenpeace

    Auch Greenpeace hatte vor wenigen Tagen vor einer zunehmenden Erwärmung der Meere gewarnt: Der Anstieg der Treibhausgase werde dazu führen, dass große Teile der Ozeane ihre Funktion als Ökosysteme und CO2-Speicher nicht mehr erfüllen könnten, hieß es in dem Bericht "In hot water" (In heißem Wasser). Die Meere hätten etwa 20 bis 30 Prozent der CO2-Emissionen aufgenommen, die der Mensch seit 1980 produziert habe, berichtet die Umweltorganisation mit Verweis auf den Eis- und Ozeanreport des Weltklimarates IPCC. Klimawandel und Artenverlust in den Meeren müssten zusammen angegangen werden. Mangrovenwälder, Seegraswiesen aber auch Fische und Wale nähmen große Mengen CO2 auf. Ein wichtiger Speicher sei auch die Tiefsee. Die Ozeane bremsten zwar die Erwärmung auf den Kontinenten. Doch sie erwärmten sich dabei, versauerten und verlören Sauerstoff.

    Greenpeace fordert ein verbindliches internationales Abkommen, das bis 2030 mindestens 30 Prozent der Meere zu Schutzgebieten erklärt.