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Sauberes Trinkwasser: Warum Tiefengrundwasser keine Lösung ist | BR24

© dpa/picture alliance/McPHOTO

Ein Schild weist auf ein Wasserschutzgebiet hin.

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    Sauberes Trinkwasser: Warum Tiefengrundwasser keine Lösung ist

    Bayerns Trinkwasser kommt zu 90 Prozent aus dem Boden. Wenn das Grundwasser aber zu viel Nitrat enthält oder sein Pegel wegen Trockenheit immer weiter sinkt, müssen andere Lösungen her. Einfach tiefer bohren ist nicht sinnvoll.

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    Grundwasser ist nicht gleich Grundwasser. Fachleute unterscheiden zwischen oberflächennahem und Tiefengrundwasser. Das Tiefengrundwasser muss nicht besonders tief liegen, man findet es zwischen etwa 40 und 250 Metern unter der Erde. Seine Besonderheit ist, dass es sich nur langsam regeneriert.

    In Bayern stammen gut zwei Drittel des Trinkwassers aus dem oberflächennahen Grundwasser. Nicht überall kommt man an dieses Grundwasser leicht ran, dann muss tiefer gebohrt werden. Das macht man auch, wenn das oberflächennahe Grundwasser mit Schadstoffen, wie Nitrat, belastet ist.

    Die Nitrat-Frage

    Im Trinkwasser ist Nitrat nämlich alles andere als erwünscht. Studien belegen, dass es krebserregend ist. Genauer: Nitrat wandelt sich zu Nitrit. Und das reagiert im Magen mit lebenswichtigen Nahrungsbestandteilen zu sogenannten Nitrosaminen, die als krebserregend gelten. Deshalb gibt es einen Grenzwert: 50 Milligramm pro Liter Trinkwasser.

    Von Natur aus enthält Grundwasser meist weniger als zehn Milligramm Nitrat pro Liter. Das war im Jahr 2017 auch bei gut der Hälfte der Messstellen in Bayern so - das dort entnommene Grundwasser, also der Rohstoff für unser Trinkwasser, gilt als „unbelastet“. An drei Prozent der Messstellen wurde der von der Trinkwasserverordnung vorgegebene Grenzwert jedoch überschritten. Dieses Wasser wird dann so aufbereitet, dass es als Trinkwasser gilt und weniger als die 50 Milligramm Nitrat pro Liter enthält.

    Tiefenbohrungen und ihre Folgen

    Der Nitrat-Grenzwert wird zum Beispiel in Rottenburg an der Laaber im Landkreis Landshut überschritten. Dort gibt es große Schweinemastanlagen, über die Gülle auf den Feldern landet zu viel Nitrat im Grundwasser. Für sauberes Grundwasser muss knapp 200 Meter tief gebohrt werden. Eine übermäßige Nutzung hat Folgen: Schadstoffe aus dem oberflächennahen Grundwasser können dann auch in die Tiefe sickern und das Tiefengrundwasser verunreinigen.

    Laut dem Bayerischen Landesamt für Umwelt soll das Tiefengrundwasser möglichst nicht angetastet werden. Es ist meist viele Jahrhunderte alt und erneuert sich nur sehr langsam. Es ist gut geschützt vor Schadstoffen, die der Mensch verursacht und deshalb besonders rein. Das ist aber nur der Fall, so lange nur so viel von dem Tiefengrundwasser genutzt wird, dass es nachgebildet werden kann. Also besser nicht anrühren, auch wenn es verlockend ist. Hinzu kommt, dass Tiefenbohrungen dazu führen können, dass das Grundwasser absinkt.

    Sinkende Grundwasserpegel

    Auch der Klimawandel gefährdet das Grundwasser. Es entsteht nämlich in erster Linie aus Niederschlagswasser, das in der Erde versickert. Weil die vergangenen vier Jahre sehr trocken waren, sind die Vorkommen im Freistaat an vielen Stellen stark gesunken. Der aktuelle Niedrigwasser-Lagebericht des Bayerischen Landesamtes für Umwelt von vergangener Woche ist alarmierend. Er besagt, dass die Hälfte der oberflächennahen Messstellen niedrige und sehr niedrige Grundwasserstände aufweisen. Beim Tiefengrundwasser ist die Lage noch beunruhigender: Fast Dreiviertel aller tiefen Grundwassermessstellen zeigen niedrige oder sehr niedrige Werte.

    Peter Fritsch, Referatsleiter Grundwasserschutz am Bayerisches Landesamt für Umwelt wird auch künftig genau beobachten, wie sich die Niederschläge entwickeln. Mit Sicherheit werden sich aber einige Gemeinden nach neuen Wasserquellen umschauen und sich gegenseitig helfen müssen, so Fritsch. Noch wichtiger ist für ihn, dass langfristig der gute Zustand des oberflächennahen Wassers wiederhergestellt wird. Es hätte sich schon vieles verändert, das Bewusstsein der Landwirte sei gestiegen. Dennoch müsse die Düngeverordnung konsequenter umgesetzt werden, damit möglichst wenig Nitrat ins Grundwasser gelange.