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Die Elsbeere: Ein Zukunftsbaum für den Klimawandel | BR24

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Die Elsbeere wächst in warmen Gegenden Deutschlands, zum Beispiel in Mainfranken. In Zeiten des Klimawandels gilt sie als Zukunftsbaum, sie verträgt extreme Trockenheit. Das Laubholz erzielt gute Preise, man kann daraus Möbel herstellen.

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Die Elsbeere: Ein Zukunftsbaum für den Klimawandel

Bisher ist die Elsbeere vor allem in Mainfranken heimisch. Denn diese Wildobstbäume vertragen das warme Klima dort. Könnte die Elsbeere in Zeiten des Klimawandels für Waldbesitzer in ganz Bayern ein Zukunftsbaum sein?

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Der Klimawandel schafft Fakten in Bayerns Wäldern. Im Universitätsforstamt Sailershausen der Uni Würzburg musste Förster Hans Stark in den letzten Jahren 40.000 Festmeter Fichte fällen. Trockenheit und Borkenkäfer hatten die Bestände vernichtet. Er befürchtet, dass in zehn Jahren die Fichte in Franken eine sehr seltene Baumart sein wird.

Elsbeeren sind wärmeliebend

Weil in Mainfranken das Klima schon immer milder war als in anderen Teilen Bayerns, ist dort seit jeher die Elsbeere heimisch. Sie ist eine Verwandte der Eberesche und ein sogenanntes Wildobstgehölz. Forst-Klimatologen wie Gregor Aas vom Ökologisch-Botanischen Garten sind überzeugt, dass die Elsbeere in Zukunft in ganz Bayern eine wichtige Rolle spielen wird. Denn sie sei eine der wenigen heimischen wärmeliebende Baumarten, denen er auch für den Klimawandel eine gute Prognose ausstellt.

Größtes bayerisches Elsbeeren-Vorkommen bei Hassfurt

Rund um das Forstamt der Universität Würzburg in Sailershausen bei Haßfurt gibt es das größte bayerische Vorkommen von Elsbeeren. Tausende von Bäumen. Bereits vor 200 Jahren hat man hat sie gezielt gepflanzt auf den warmen Muschelkalkhängen. Später haben sich die Bäume selbst ausgesät.

Im Gegensatz zu anderen Forstgehölzen ist die Elsbeere nicht gefährdet durch Schädlinge wie Insekten oder Pilze.

Saatgut ist gefragt

Im Oktober reifen die Früchte, die aussehen wie winzige rote Äpfel. Man kann daraus Schnaps brennen oder Marmelade kochen. Universitätsförster Hans Stark jedoch verkauft das Saatgut an Baumschulen. Saatgut mit Genetik aus Sailershausen ist gesucht, nachdem ein Forstwissenschaftler aus Göttingen bereits vor über 40 Jahren Elsbeeren aus ganz Europa miteinander verglichen hat. Hans Stark sagt, dass Saatgut aus Sailershausen und aus Schweinfurt zu den Spitzenherkünften zählt.

Baum für den Waldumbau

Wer im Zuge des Waldumbaus Elsbeeren pflanzt, hat erstmal viel Arbeit. Die jungen Bäumchen sind konkurrenzschwach. Damit sie Licht und Platz haben, müssen deshalb rundherum regelmäßig Brombeeren zurück geschnitten werden. Nur so können makellose Exemplare heranwachsen.

Dafür gelten Elsbeeren im Gegensatz zu anderen Laubbäumen wie Eichen als relativ schnellwüchsig, mit 80 bis 100 Jahren sind gesunde und gerade Stämme hiebreif.

Gute Preise für das Edelholz

Waldbauern können mit dem Verkauf von Elsbeerenholz gutes Geld verdienen. Ein 200 Jahre alter Baum bringt auf dem Markt für Furnierholz bis zu 30.000 Euro. Der Durchschnittserlös liegt bei gut 730 Euro pro Festmeter. Zum Vergleich: Für Fichtenfrischholz wird derzeit nur knapp 70 Euro pro Festmeter bezahlt.

Schönes, belastbares und haltbares Holz

Das Holz der Elsbeere ist nicht nur dekorativ, sondern auch fest und verzieht sich nicht. Früher machte man Messgeräte wie etwa Lineale daraus, heute vor allem Möbel, Musikinstrumente und Billardstöcke. Bereits auf der Pariser Weltausstellung im Jahr 1900 wurde die Elsbeere zum schönsten Holz der Welt gekürt.

Kein Ersatz für die Fichte

Forstfachleute sind sich einig: Weil es immer wärmer und immer trockener wird, wird der Wald der Zukunft weniger Nadelbäume und mehr Laubbäume haben. Fichte ist nach wie vor in großen Mengen vor allem als Bauholz gefragt. Dafür ist die Elsbeere kein Ersatz. Aber bei den Laubbäumen ist sie in Zeiten des Klimawandels auf gutem Weg, aus ihrer Exotenrolle herauszuwachsen und ein Zukunftsbaum für ganz Bayern zu werden.

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