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Russischer Corona-Impfstoff: Große Zweifel an "Sputnik V" | BR24

© BR/Joachim Dangel

Kritik an russischem Corona-Impfstoff

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Russischer Corona-Impfstoff: Große Zweifel an "Sputnik V"

Überraschend hat Russland einen Corona-Impfstoff zugelassen - er wurde "Sputnik V" getauft. Doch das Verfahren und vor allem die Schnelligkeit sorgen für Verwunderung, auch in Deutschland. Fachleute sind deshalb eher zurückhaltend.

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Präsident Wladimir Putin persönlich hat die Neuigkeit bekanntgegeben: Russland hat den weltweit ersten Corona-Impfstoff zugelassen. Das Mittel, das das Moskauer Gamaleja-Institut entwickelt hatte, habe die Freigabe des Gesundheitsministerium erhalten, sagte Putin. Und: Seine eigene Tochter sei bereits geimpft worden. Er hoffe, dass die Massenproduktion bald gestartet werden könne.

Der Impfstoff wurde nach weniger als zwei Monaten Erprobung am Menschen zugelassen. Diese Zulassung erfolgte damit, bevor die Ergebnisse großer klinischer Studien vorliegen - ein Vorgehen, das dem international üblichen Ablauf widerspricht. Entsprechend fallen die Reaktionen aus.

WHO verweist auf feste Regeln

Die Weltgesundheitsorganisation WHO kündigte an, alle Daten über die Sicherheit und Wirksamkeit des Impfstoffs genau zu überprüfen. Man stehe in engem Kontakt mit den russischen Gesundheitsbehörden. Wörtlich schreibt die WHO: "Jeder Impfstoff muss natürlich alle Versuchsreihen und Tests durchlaufen, bevor er genehmigt und ausgeliefert wird". Es gebe klare Richtlinien für die Entwicklung von Impfstoffen.

Weltweit befinden sich nach Angaben der WHO 167 Covid-19-Impfstoffprojekte in der Entwicklung, davon 28 in der klinischen Erprobung am Menschen. Sechs Projekte davon befinden sich in der entscheidenden dritten und letzten Phase.

Große Skepsis in Deutschland

Das Bundesgesundheitsministerium hat zurückhaltend auf den russischen Corona-Impfstoff reagiert.

"Zur Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit des russischen Impfstoffs sind uns keine Daten bekannt." Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums.

In Europa müssen Impfstoffe mehrere Testphasen durchlaufen, bevor sie zugelassen werden. Dabei müssen Forscherinnen und Forscher unter anderem nachweisen, dass der Impfstoff auch tatsächlich wirkt und keine gesundheitsschädlichen Nebenwirkungen verursacht. Besonders wichtig ist dabei die letzte klinische Testphase, betont das Gesundheitsministerium. Russland hat den Impfstoff aber schon jetzt zugelassen, bevor er diese letzte Testphase durchlaufen hat. Anders als es sonst international üblich ist.

Ganz ähnlich die Stellungnahme des Bundesforschungsministerium: "Grundsätzlich ist jeder Schritt hin zu einem sicheren und wirksamen Impfstoff gegen Covid-19 zu begrüßen", so ein Sprecher. "Leider liegen uns zu dem angesprochenen Impfstoff-Kandidaten vom staatlichen Forschungsinstitut Gamaleja in Moskau nur sehr wenig Informationen vor."

Sicherheit vor Schnelligkeit

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat vor zu großer Eile bei Zulassungsverfahren gewarnt. "Aus Sicht des Paul-Ehrlich-Institutes ist es auch in der aktuellen Pandemiesituation zwingend erforderlich, dass alle Prüfungen und Bewertungen mit der gleichen Sorgfalt erfolgen wie bei anderen Impfstoffen", sagte PEI-Präsident Klaus Cichutek. Das Institut mit Sitz im hessischen Langen ist in Deutschland für die Zulassung von Impfstoffen zuständig.

Bei der Zulassung des Corona-Impfstoffes in Russland seien geringe Transparenz und nach bisherigen Informationen auch fehlende Sicherheits- und Wirksamkeitsdaten aus klinischen Prüfungen an mehreren tausend Probanden zu bemängeln. "Die Zulassung ist daher mit Vorsicht zu betrachten", so Cichutek.

Große Hoffnungen in Russland

Russland hat den Impfstoff "Sputnik V" getauft und will damit an den ersten Satelliten im All erinnern, den die Sowjetunion 1957 vor den USA gestartet hatte. Laut Präsident Putin soll die Impfung "ausnahmslos freiwillig" sein. Bei dem Impfstoff, der vom staatlichen Gamaleja-Institut für Epidemiologie und Mikrobiologie in Moskau entwickelt wurde, handelt es sich um einen sogenannten Vektorimpfstoff. Dabei transportieren harmlose Viren Teile des Erbguts von Erregern in den Körper. Dieser bildet im Idealfall dann Antikörper und setzt andere Abwehrmechanismen in Gang.

© BR

Russland hat nach den Worten von Präsident Wladimir Putin den weltweit ersten Corona-Impfstoff zugelassen. Das Mittel, das das Moskauer Gamaleja-Institut entwickelt hatte, habe die Freigabe des Gesundheitsministerium erhalten, sagt Putin.

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