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Ökobilanz: Rosen aus Ostafrika sind besser als ihr Ruf | BR24

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Rosen aus Afrika können bessere Ökobilanz haben als heimische Blumen

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    Ökobilanz: Rosen aus Ostafrika sind besser als ihr Ruf

    Kenia ist der weltweit größte Rosenexporteur. Rund 75 Prozent der bei uns angebotenen Ware kommt aus Afrika. Erstaunlich, dass die Ökobilanz dieser Blumen trotzdem besser sein kann, als wenn sie in einem europäischen Gewächshaus gezüchtet werden.

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    Nirgendwo in Europa werden so viele Schnittblumen verkauft wie in Deutschland. Gut 37 Euro pro Kopf und Jahr. Nach wie vor die beliebteste Schnittblume der Deutschen ist die Rose. Mit weitem Abstand vor Tulpen und Chrysanthemen. Doch gerade Rosen kommen meist von sehr weit her - aus Südamerika oder Ostafrika.

    Käufer interessieren sich nicht für die Herkunft der Rosen

    Die meisten Blumenkäufer interessiert es nicht unbedingt, woher die Ware kommt. Die Wege des Handels sind auch verschlungen und nur bei fair gehandelten Blumen, die importiert werden, lässt sich tatsächlich sagen woher sie stammen.

    Das deckt sich ungefähr mit dem, was Andreas Gemählich, Wirtschaftsgeograph an der Uni Bonn, bei seinen Forschungen über die Rosenindustrie, erfahren hat.

    „Für Rosen, sagen Marktstudien, dass sich die Konsumenten gar nicht dafür interessieren, wo die Blumen herkommen und die meisten Menschen mit denen ich spreche, denken eigentlich, dass die Rosen aus den Niederlanden kommen.“ Andreas Gemählich, Wirtschafts- und Sozialgeograph an der Uni Bonn

    Tatsächlich kommen aber gerade die Rosen meist von sehr weit her. In Deutschland oft aus Kenia. Dort am See Naivasha, nahe der Hauptstadt Nairobi haben sich zahlreiche Blumenfarmen niedergelassen.

    Rosenzucht verbraucht sehr viel Wasser

    Die Rosenzucht ist nicht gerade ressourcenschonend. In jeder Schnittblume stecken 7 bis 13 Liter virtuelles Wasser. Bei 45 Millionen Kilo Rosen, die Kenia jährlich exportiert, wird schnell klar was das für Dimensionen hat.

    Der Wasserspiegel des Sees ist über die Jahre kontinuierlich gesunken und entsprechend hoch war die Belastung des Wassers mit Nitraten und Pestiziden. Aber es hat sich viel getan, sagt Andreas Gemählich.

    „Also die Arbeitsbedingungen haben sich deutlich verbessert. Es wird sparsamer mit Wasser und auch mit Pestiziden umgegangen, weil vor allem auch in Bewässerungstechnologien investiert wurde und somit ein sparsamerer Umgang hergestellt werden konnte.“ Andreas Gemählich, Uni Bonn

    Eben auch weil verschiedene Umweltverbände Druck gemacht haben und auch die Blumenfarmen selbst in ihrer Existenz bedroht gewesen wären.

    Tatsächlich bewertet eine Studie der Schweizer Max-Havelaar-Stiftung die Ökobilanz für ostafrikanische Blumen teilweise überraschend gut. Einfach auch weil die klimatischen Bedingungen optimal seien, erklärt Claudia Brück, Vorstand von Fairtrade Deutschland.

    „Es kommt daher, dass man den gesamten Lebenszyklus der Rose betrachtet hat. Und wenn man das alles zusammenrechnet, inklusive den Transportemissionen, dann kommt das Ergebnis heraus, dass eine Rose aus Ostafrika durchaus eine positivere Ökobilanz hat." Claudia Brück, Vorstand Faitrtrade Deutschland

    Vor allem der übers Jahr sehr hohe Energieaufwand, für das Beheizen der Gewächshäuser in den Niederlanden, schlagen dort negativ zu Buche. Das kritisiert auch die Studie.

    Nur Fairtrade-Rosen haben positive Ökobilanz

    Aber fair gehandelt muss die Rose aus Afrika schon sein, weil eben nur die Auflagen, die mit dem Fairtrade-Siegel verbunden sind, die Produzenten auch zum Handeln zwingen.

    „Insgesamt beträgt so ein Standard, wie wir ihn für die Rosen benutzen 140 Kriterien und der berücksichtigt zu einem Drittel Umweltbereiche, einem Drittel die Arbeitnehmer und zu einem Drittel, wie man den Handel verbessern kann.“ Claudia Brück, Vorstand Faitrtrade Deutschland

    Ein Grundproblem kann aber auch ein Fairtrade-Siegel nicht lösen: Blumen sind zu billig. Ein afrikanische Rose, die in Europa ankommt erzielt im Schnitt 10 bis 15 Cent.

    Blumenindustrie wandert in billigere Länder ab

    Die Blumenindustrie sucht sich unterdessen billigere Produzenten, beispielsweise in Äthiopien. Wirtschaftsgeograph Andreas Gemählich sieht die positive Entwicklung für Kenia dabei in Gefahr.

    „Weshalb man davon ausgehen kann, dass sich Verbesserungen in den nächsten Jahren im kleineren Maßstab bewegen werden, weil der finanzielle Spielraum nicht mehr da ist, bei solchen Sachen.“ Andreas Gemählich, Wirtschafts- und Sozialgeograph an der Uni Bonn

    Die Verbraucher hätten zwar die Macht das Ungleichgewicht im Blumenhandel positiv zu beeinflussen, aber Claudia Brück von Fairtrade Deutschland erhofft sich da – aus Erfahrung – nicht sonderlich viel.

    „Es ist ziemlich schwierig. Denn in Umfragen sagen Verbraucher immer wieder, dass ihnen soziale und Umweltthemen sehr wichtig sind, wenn sie dann aber vor dem Regal stehen, wird doch die billigste Rose eingekauft.“ Claudia Brück, Vorstand Faitrtrade Deutschland