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Riesenstern Betelgeuse explodiert - aber wohl nicht gleich | BR24

© ALMA (ESO/NAOJ/NRAO)/E. O’Gorman/P. Kervella

Betelgeuse, aufgenommen vom Radioeleskop ALMA in Nordchile

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Riesenstern Betelgeuse explodiert - aber wohl nicht gleich

Betelgeuse (Beteigeuze) ist schon jetzt einer der hellsten Sterne am Firmament. Doch eines Tages wird er in einer Supernova explodieren und dann vermutlich so hell wie der Vollmond leuchten. Das kann aber noch eine Weile dauern.

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Betelgeuse ist der zehnthellste Stern am Nachthimmel. Seit Oktober 2019 hat sich die Helligkeit des Roten Riesen allerdings mehr als halbiert. Astronomen rätseln über die Ursache des starken Abfalls seiner Strahlkraft. Manche sehen darin einen Hinweis, dass Betelgeuse demnächst in einer gewaltigen Supernova explodieren könnte.

Riesengroß und gleißend hell

Betelgeuse bildet am Nachthimmel die Schulter des Himmelsjägers Orion und ist der zweithellste Stern dieses Sternbilds. Schon mit bloßem Auge ist er als heller roter Punkt erkennbar. Der Riesenstern hat etwa zwanzig Mal so viel Masse wie die Sonne. Noch größer ist der Unterschied bei Ausdehnung und Strahlkraft: Betelgeuse hat mehr als tausend Mal so viel Durchmesser wie unser Heimatstern und leuchtet zehntausend Mal heller.

© Bayerischer Rundfunk

Der Stern Betelgeuse im Sternbild Orion wird dunkler als sonst. Es könnte zu einer Supernova kommen - morgen oder in 100.000 Jahren, erklärt Ulrich Walter, Professor für Raumfahrttechnik an der TU München und im Jahr 1993 als Astronaut im All.

Betelgeuse - die Hand der Riesin

Der Stern Betelgeuse wird im deutschen Sprachraum meist Beteigeuze genannt. Die offizielle Bezeichnung der Internationale Astronomische Union ist jedoch Betelgeuse. Die Schreibweise mit "i" statt "l" bürgerte sich vermutlich vor Jahrhunderten beim Kopieren von Handschriften ein. Damals wurde das "i" noch ohne Pünktchen geschrieben. Auch der Anfangsbuchstabe "B" von Betelgeuse ist nicht korrekt. Der Name des Sterns stammt aus dem Arabischen von yad al-ǧauzāʾ, übersetzt "Hand der Riesin". Beim Übertragen ins Lateinische wurde jedoch aus dem "Y" ein "B".

© ESO, L. Calcada

Betelgeuse und Sonnensystem im Größenvergleich: Der Rote Riese reicht fast bis zur Umlaufbahn des Jupiter.

Betelgeuse ist mal heller, mal dunkler

Dass die Strahlkraft von Betelgeuse variiert, ist nicht ungewöhnlich. Die Ursache der Helligkeitsschwankungen des Roten Riesen ist jedoch ungewiss. Möglicherweise schlucken Wolken aus Materie, die der Riesenstern ins All bläst, vorübergehend das Licht. Im Dezember 2019 hatten Forscher um Edward Guinan von der Villanova-Universität in den USA die geringste Helligkeit von Betelgeuse seit den ersten derartigen Messungen vor knapp hundert Jahren gemeldet. Die auffällige Schwächeperiode scheine daher zu rühren, dass zwei Aktivitätszyklen des Sterns gleichzeitig ein teils ungewöhnlich tiefes Minimum erreicht hätten, schrieben die Forscher in Astronomer’s Telegram.

Früher Sternentod

Betelgeuse ist etwa acht Millionen Jahre alt. Das ist blutjung im Vergleich zur Sonne mit über 4,5 Milliarden Jahren. Doch Betelgeuse hat eine vergleichsweise geringe Lebenserwartung. Der Rote Riese verbrennt seine Energievorräte extrem schnell und wird deshalb bald als Supernova explodieren.

"Bald" ist allerdings relativ: In astronomischen Maßstäben bedeutet das irgendwann in den kommenden 100.000 Jahren. Möglicherweise dauert es aber noch viel länger, bis Betelgeuse explodiert. Wenn es aber einmal so weit ist, wird die Supernova am irdischen Himmel ein spektakulärer Anblick sein. Betelgeuse ist nur rund 640 Lichtjahre von der Erde entfernt. Als Supernova wird er vermutlich kurze Zeit so hell wie der Vollmond strahlen und auch am Tag zu sehen sein.

© BR, Skyobserver, NASA/U.S. Naval Observatory's Library

Betelgeuse (Beteigeuze) im Sternbild Orion am Nachthimmel

Der außergewöhnliche Helligkeitsverlust muss allerdings kein Vorbote für eine Supernova sein. Thomas Janka vom Max-Planck-Institut für Astrophysik in Garching bei München hält solche Spekulationen nicht für plausibel. Wenn es überhaupt eine Veränderung gebe, sei eher zu erwarten, dass der Rote Riese vor einer Supernova-Explosion heller werde.

"Die Helligkeit der Hülle ist unabhängig vom Kern. (...) Beteigeuze ist ein Supernova-Kandidat, aber wann es soweit ist, lässt sich momentan nicht vorhersehen. Es kann in ein paar Jahren, in ein paar Jahrhunderten oder in ein paar Jahrtausenden soweit sein." Thomas Janka, Max-Planck-Institut für Astrophysik in Garching bei München

Betelgeuse interessiert nicht nur Astronomen. Der helle Stern hat auch zahlreiche Autoren inspiriert. Betelgeuse ist in der Romanreihe "Per Anhalter durch die Galaxis" von Douglas Adams das Heimatsystem der Protagonisten Ford Prefect und Zaphod Beeblebrox. Auf einem fiktiven Planeten um Betelgeuse spielt Pierre Boulles mehrfach verfilmtes Buch "Der Planet der Affen". Und der deutsche Schriftsteller Arno Schmidt bezieht sich in den physikalischen Abhandlungen seiner Erzählung "Leviathan" auf Betelgeuse.