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Ressourcen retten: Was sich aus Akkus herausholen lässt | BR24

© BR/Lisa Hinder

Egal, ob Zahnbürsten oder Staubsauger - kabellose Geräte boomen. Ihr Erfolgsgeheimnis sind Lithium-Ionen-Akkus, die auch in E-Autos, E-Bikes und E-Scootern stecken. Die Akkus haben nur eine Schwachstelle: ihre geringe Lebensdauer.

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Ressourcen retten: Was sich aus Akkus herausholen lässt

Egal, ob Zahnbürsten oder Staubsauger – kabellose Geräte boomen. Ihr Erfolgsgeheimnis sind Lithium-Ionen-Akkus, die auch in E-Autos, E-Bikes und E-Scootern stecken. Die Akkus haben nur eine Schwachstelle: ihre geringe Lebensdauer.

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Geräte ohne Kabel werden immer beliebter. Hauptverantwortlich dafür sind die in ihnen verbauten Lithium-Ionen-Akkus. Allerdings halten die Akkus nicht so lange.

Vor allem bei Tablets und Handys macht sich die mangelnde Ausdauer der Lithium-Ionen-Akkus bemerkbar. Schon nach zwei bis drei Jahren beginnen die Akkus zu schwächeln. Da dann auch modernere Geräte zum Kauf locken, kaufen viele Verbraucher ohne Nachzudenken schnell ein neues Gerät.

Was passiert mit alten Handys?

Viele Alt-Handys landen über krumme Weg auf giftigen Müllkippen in Afrika, wo das Innere der Akkus die Gesundheit der Menschen und die Umwelt gefährdet. Oder sie werden jahrelang in Schubladen oder im Keller gehortet. Das ist ein Problem, wie Siegfried Kreibe sagt.

Er ist am Bayerischen Institut für Abfallwirtschaft zuständig für Recycling-Verfahren. Denn Lithium-Ionen-Akkus können recycelt werden. Dafür gibt es etablierte Verfahren, die von einer Handvoll Unternehmen in Deutschland angewendet werden. Zudem würden die Verfahren immer weiterentwickelt und es gäbe einige Firmen, die in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte erzielt hätten, meint Kreibe.

Wie werden Lithium-Ionen-Akkus recycelt?

Eines dieser Unternehmen ist die Firma Duesenfeld in Braunschweig. Hier kommen bereits erste Rückläufe großer Lithium-Ionen-Batterien aus E-Autos an. Erster Arbeitsschritt: die Tiefentladung. Anschließend bauen Mitarbeiter die Gehäuse per Hand auseinander. Aluminiumgehäuse, Kupferkabel und Plastikhalterungen – alles wird feinsäuberlich getrennt. So werden bereits bis zu 50 Prozent des Rohmaterials eines Akkus wiederverwertet.

Recycling: Rohstoffe zurückgewinnen

Erheblich schwieriger ist dagegen das Recycling der Batteriezellen. Sie landen in einem Schredder, der sie zu einem Granulat zermahlt, aus dem weitere Rohstoffe zurückgewonnen werden können – zum Beispiel Graphit. Insgesamt peilt das Unternehmen, im Wettlauf mit anderen, eine Wiederverwertungsquote von bis zu 96 Prozent an.

Recycling muss sich lohnen

Dabei müsse man aber stets die Ökobilanz im Auge behalten, meint Kreibe:

"Ökobilanziell kann ein Recycling auch nachteilig werden, insbesondere dann, wenn Metalle nur in sehr, sehr geringen Konzentrationen enthalten sind. Dann kann es sein, dass der Aufwand für das Recycling größer ist als der Nutzen, den man aus dem Recycling hat. Oder er ist so gering, dass es nicht gerechtfertigt ist, hier so viel Geld auszugeben." Siegfried Kreibe, bifa Umweltinstitut

Wertvoller Rohstoffe: Kobalt

Ein Rohstoff, bei dem sich das Recycling auf jeden Fall lohnt, ist Kobalt. Das Metall steht massiv in der Kritik, weil es in Bergwerken im Kongo abgebaut wird – unter menschenunwürdigen Bedingungen und sogar von Kindern. Ein Schandfleck für das Image der Akkus. Kreibe erklärt: Noch habe Kobalt eine große Bedeutung für das Recycling von Akkus. Zwar sinke die Konzentration des Rohstoffs in den Geräten - und damit die Bedeutung. Allerdings wächst der Kobalt-Bedarf weltweit.

Bei Duesenfeld wird neben Kobalt auch sogenanntes Elektrolyt wiedergewonnen - jene zähe Flüssigkeit, in der sich die Elektronen bewegen. Und auch ein Recyclingverfahren für Lithium steht nach Auskunft des Unternehmens kurz vor dem Durchbruch.

Umweltschützer begrüßen das. Denn der Rohstoff Lithium ist zwar in Südamerika und Australien üppig vorhanden und auf dem Weltmarkt billig zu haben. Die Gewinnung von Lithium in großflächigen Verdunstungsbecken verursacht aber etwa in Chile und Argentinien gravierende Umweltschäden. Sie lässt den Grundwasserspiegel absinken. Ohnehin schon wasserarme Gebiete trocknen noch weiter aus. Trinkwasserreserven werden verunreinigt.

Lohnenswertes Recycling: Die Menge macht’s

Damit sich aber hierzulande das Recycling von Lithium lohnt, brauchen die Firmen große Mengen an alten Akkus. Auch deshalb seien hier die Verbraucher in der Pflicht, sagt Experte Kreibe. Sie müssen dafür sorgen, dass Lithium-Ionen-Akkus nicht die Umwelt schädigen oder im Keller vergammeln, sondern in den Materialkreislauf zurückkehren.

Zugleich fordert Kreibe auch entsprechende Informationen für die Konsumenten: Wo können sie Geräte zurückgeben, warum ist das wichtig? Auf letztere Frage hat Kreibe gleich die Antwort: "Es wird auch immer wichtiger, weil die Mengen, die in den Markt kommen, seit Jahren ganz rapide wachsen und es auch in Zukunft werden. Das heißt, das Hauptaufkommen kommt erst."

© Thomas Coombes/amnesty international/dpa

In der Batterieherstellung für Smartphones und Tablets benötigt man Kobalt. Im Kongo werden zwei Drittel dieses weltweit geförderten Rohstoffs abgebaut - allerdings zum Teil unter katastrophalen Bedingungen. Eine Reportage von Linda Staude.

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