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Resistente Keime aus der Waschmaschine | BR24

© picture alliance / Andrea Warnecke

Eine Frau steckt dreckige Wäsche in eine Waschmaschine.

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Resistente Keime aus der Waschmaschine

Den Verdacht gab es schon länger, nun ist es wissenschaftlich bestätigt: Waschmaschinen können zu gefährlichen Keimschleudern werden. Das Infektionsrisiko ist aber gering - vor allem, wenn beim Waschen ein paar Dinge beachtet werden.

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Von wegen "porentief rein" - Wissenschaftler des Universitätsklinikums Bonn warnen im Fachmagazin "Applied and Environmental Microbiology": Über Waschmaschinen können auch Antibiotika-resistente Keime auf den Menschen übertragen werden.

Hygienewissenschaftler hatten Waschmaschinen schon lange in Verdacht. "Wir haben erstmals nachgewiesen, dass es durch eine Waschmaschine auch zur Übertragung von Antibiotika-resistenten Keimen auf den Menschen kommen kann", erklärte Martin Exner, Direktor des Hygiene-Instituts IHPH am Uniklinikum gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Zwar bestehe kein Grund zur Beunruhigung, so die Forscher, allerdings gebe es für anfälligere Personengruppen - Ältere oder Menschen mit geschwächtem Immunsystem - ein gewisses Risiko.

Antibiotika-resistente Keime in Babywäsche - kein Kind wurde infiziert

Die resistenten Keime haben die Forscher bei Routinetests in Babywäsche nachgewiesen, die mit einer handelsüblichen Waschmaschine in einem Kinderkrankenhaus gewaschen worden war. Es handelte sich um ein Bakterium, das zu Magen-Darm- oder Atemwegsinfektionen führen kann, sogar zu einer tödlichen Sepsis. Ein Antibiotikum wäre gegen den identifizierten Erreger höchstwahrscheinlich nutzlos. Zu einer Infektion kam es in der betroffenen Kinderklinik nicht.

Auch zu Hause besteht ein Risiko - aber nur für Immungeschwächte

Das Untersuchungsergebnis lasse auch Schlüsse für Privathaushalte zu, erläutert Studienleiterin Ricarda Schmithausen. Allerdings bestehe kein Grund zur Panik. Einem normal Gesunden mit intaktem Immunsystem könnten resistente Keime in der Regel nichts anhaben. Gewisse Teile der Bevölkerung leben allerdings von Haus aus mit einem höheren Risiko: Schwerkranke, die chronische Wunden haben zum Beispiel oder mit Dauerkathetern leben. Außerdem Neugeborene oder sehr alte Menschen.

Hygiene-Experten warnen: nicht zu kühl und zu kurz waschen

Die Bakterien saßen den Wissenschaftlern zufolge im Spülfach der Waschmaschine und im Dichtungsgummi der Tür. Ob sie über Wäsche in die Maschine gelangt sind oder per Handkontakt, ist nicht bekannt. Die Wissenschaftler warnen: Der Trend, aus Umweltschutz- und Energiespargründen nur noch kurz und bei niedrigen Temperaturen zu waschen, kann zum Problem werden.

Um Keime zu töten, brauche man eine Wassertemperatur von mindestens 60 Grad, betont Ricarda Schmithausen vom Hygiene-Institut IHPH. Ein feuchtes Milieu beschleunigt Bakterienwachstum, wohingegen hohe Temperaturen als Bakterien-Killer gelten. In Krankenhäusern und und Pflegeeinrichtungen wird deswegen in der Regel mit desinfizierenden Waschmitteln und hohen Temperaturen gewaschen.

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© BR

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