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Regierung: Ökologischer Zustand von Binnengewässern unzureichend | BR24

© dpa-Bildfunk/Gregor Fischer

Michendorf: Ufer des Großen Seddiner See

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    Regierung: Ökologischer Zustand von Binnengewässern unzureichend

    Nur wenige Seen und Flüsse in Deutschland sind in einem ökologisch guten Zustand - so die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen.

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    Nach Daten von 2015 waren lediglich 6,6 Prozent der Fließgewässer in Deutschland in einem guten und 0,1 Prozent in einem sehr guten Zustand. Bei den deutschen Seen waren 24 Prozent in einem guten und 2,3 Prozent in einem sehr guten Zustand, wie aus der Antwort der Bundesregierung hervorgeht, die der Nachrichtenagentur AFP vorliegt.

    Ökologische Qualitätsziele der EU werden bis 2027 wohl nicht erreicht

    Die Regierung räumt in ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage ein, dass die in der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) für 2027 definierten ökologischen Qualitätsziele wohl nicht erreicht werden können.

    Aktuelle Werte seien "weit" von diesem Zielbereich entfernt. Zwar erkenne die Bundesregierung einen "Trend zum Zielwert hin", heißt es in der Antwort des Bundesumweltministeriums. Dieser reiche aber vermutlich nicht aus.

    Die Gründe für den unzureichenden Zustand der Gewässer seien unter anderem: Eingriffe in den natürlichen Verlauf, fehlende naturnahe Lebensräume und zu hohe Einleitungen von Nähr- und Schadstoffen.

    Forderung von Maßnahmen zur Verbesserung des Zustands deutscher Flüsse und Seen

    Dringend nötig seien konkrete Schritte "wie eine Abkehr von der industriellen Landwirtschaft, die zu viel Gift und Dünger einsetzt, und mehr Raum für natürliche Ufer und Auenwälder", sagte die naturschutzpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion Steffi Lemke. Die Renaturierung von Grünland, Auen und Mooren müsse "oberste Priorität haben", forderte sie.

    Die Wasserrahmenrichtlinie als "Schutzgesetz für alle unsere Gewässer" müsse endlich rechtskonform umgesetzt werden, forderte Laura von Vittorelli, die Gewässerexpertin der Naturschutzorganisation BUND. Gebraucht werde ein bundesweites Sofortmaßnahmenprogramm zum Schutz der Gewässer. Der Eintrag von Nitrat, Pestiziden, Salz, Mikroplastik, Sulfat und Quecksilber sei mitverantwortlich für die Artenkrise. "Angesichts der drohenden Wassernutzungskonflikte durch die Klimakrise müssen wir schnellstmöglich gesunde Gewässer wieder herstellen", mahnte die BUND-Expertin.

    Gefährdung der Artenvielfalt an Seen und Flüssen in Deutschland

    Wie es in der Antwort der Bundesregierung weiter heißt, wirke sich der Zustand der Gewässer auf Artenvielfalt und Artenschutz aus. So waren im Jahr 2013 56 Prozent der in der europäischen Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie gelisteten Fischarten in einem ungünstigen Erhaltungszustand. Bei den Amphibien seien es 68 Prozent, bei den Libellenarten sogar 80 Prozent.

    "Der Reichtum der Tiere und Pflanzen in und an unseren Flüssen und Seen ist akut bedroht", sagte die Grünen-Bundestagsabgeordnete Steffi Lemke der Nachrichtenagentur AFP. "Seit Jahren versagt die Bundesregierung beim Schutz unserer Fluss- und Seelandschaften, obwohl sie dazu verpflichtet ist", kritisierte sie.

    Gewässerexpertin Vittorelli sagte: "Arten wie Lachs und Flussperlmuschel sind vom Aussterben bedroht, Aal und Rotbauchunke stark gefährdet." Besonders besorgniserregend sei der starke Rückgang vieler unbekannterer Arten, fügte sie hinzu. Diese seien "essenziell für die Ökosysteme in und am Gewässer, beispielsweise als Nahrungsgrundlage für Vögel oder zur Reinhaltung des Wassers".