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Windräder nahe Hof

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    Rechenfehler: Infraschall von Windrädern schwächer als behauptet

    Der von Windkraftgegnern oft angeführte Infraschall ist bei Windrädern wohl viel schwächer als bisher behauptet. Die zuständige Bundesbehörde musste eine einflussreiche Studie nun zurückziehen, wozu auch bayerische Wissenschaftler beigetragen haben.

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    Von
    • Lorenz Storch

    Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hat sich in ihrer viel zitierten Studie „Der unhörbare Lärm von Windkraftanlagen“ aus dem Jahr 2005 schlicht verrechnet. Und zwar um mehr als den Faktor 1000. Der Erlanger Physik-Professor Martin Hundhausen nennt es im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk unverständlich, wie ein solch kapitaler Fehler mehr als ein Jahrzehnt lang unbemerkt bleiben konnte: „Ich kann es mir nicht erklären. Ich habe da draufgeguckt, und innerhalb von zwei Stunden wusste ich, das ist falsch.“

    Bundesbehörde geht lange auf Kritik nicht ein

    Stefan Holzheu vom Zentrum für Ökologie und Umweltforschung der Uni Bayreuth hat die BGR schon seit vergangenem Sommer auf die Unstimmigkeiten hingewiesen. Die Behörde, die dem vom CDU-Minister Peter Altmaier geführten Bundeswirtschaftsministerium untersteht, habe jedoch lange abwehrend reagiert, anstatt sich auf eine wissenschaftliche Diskussion einzulassen. Sogar mit juristischen Schritten sei gedroht worden. Holzheu ärgert sich darüber, wie viele Windkraftprojekte in all den Jahren mit Verweis auf mögliche Gesundheitsschäden durch Infraschall verhindert wurden. Die Rede ist beispielsweise immer wieder von Schlafstörungen. Die könnten jedoch auch allein durch die Angst vor Infraschall verursacht werden, vermutet Holzheu: „Die Psychologie von Menschen ist extrem kompliziert.“

    Infraschall im Auto stärker als am Windrad

    Durch eine Kampagne von Windkraftgegnern in Speichersdorf bei Bayreuth war er auf die Unstimmigkeiten in der BGR-Studie aufmerksam geworden. „Das ist eine völlig alberne Diskussion. Im Auto hat man einen Infraschall-Pegel um den Faktor 1000 höher als im Nahbereich einer Windenergieanlage. Menschen haben gar kein Organ, um das zu detektieren.“

    Behörde gibt Fehler zu

    Die Bundesanstalt BGR hat die offensichtlich falsche Studie jetzt aus dem Netz genommen und eine Überarbeitung angekündigt. Die BGR-Pressestelle räumt auf BR-Anfrage ein: „Bei der Programmierung des Algorithmus gab es einen Fehler.“ Weil dieser jedoch auch das Infraschall-Hintergrundrauschen systematisch überschätzt habe, sei er weder den BGR-Fachleuten aufgefallen, noch anderen Wissenschaftlern, die die Studie überprüft hatten.

    Die Studie habe lediglich zum Ziel gehabt, eine mögliche Beeinträchtigung einer BGR-Messstelle zur Überwachung von weltweiten Atomwaffentests durch Windräder zu vermeiden. „Ein unsachgerechtes Einbringen dieses Sachverhaltes in andere Kontexte durch Interessensgruppen ist zu bedauern, jedoch seitens der BGR nicht zu verhindern“, so ein Sprecher. Bei der Studie gehe es ohnehin ausdrücklich nicht um Auswirkungen auf den menschlichen Organismus.

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