Zurück zur Startseite
Wissen
Zurück zur Startseite
Wissen

re:publica: Darum scheitern viele Technik-Prognosen | BR24

© Jan Zappner/re:publica

Physiker und Autor Theobald Fuchs über gescheiterte Technik-Visionen.

1
Per Mail sharen
Teilen

    re:publica: Darum scheitern viele Technik-Prognosen

    Wohnen auf Mond und Mars, Menschen als Rohrpost - oder Virtual Reality, die nicht wirklich zündet. Manche Ideen klingen absurd, andere logisch und erfolgsversprechend. Welche Faktoren führen dazu, dass wir uns zu Fehleinschätzungen hinreißen lassen?

    1
    Per Mail sharen
    Teilen

    Kommen diese Ideen irgendwie bekannt vor? Fliegende Autos oder Röhren mit Hochgeschwindigkeitskapseln sind keine Vorstellungen, die erst mit Flugtaxis oder Elon Musks "Hyperloop" aufgetaucht sind. Bereits seit den 30er- und 40er-Jahren des 20. Jahrhunderts und bis in die 70er-Jahre hinein geisterten die ersten Entwürfe davon herum.

    Der Physiker und Autor Theobald Fuchs schildert auf der re:publica 2019 eindrucksvoll, wie völlig selbstverständlich diese Ideen damals waren. Selbst Hotels auf dem Mond waren denkbar - eine gigantomanische Epoche.

    "Dadurch, dass die Amerikaner es geschafft haben, innerhalb von nur zehn Jahren von Null auf den Mond zu kommen, und auch das Wettrennen mit der Sowjetunion zu gewinnen, ist damals so eine Art Größenwahn ausgebrochen." - Theobald Fuchs, Physiker und Autor

    Die Probleme sind heute noch die gleichen

    Ideen, die niemals realisierbar waren, weil Probleme beiseite geschoben wurden. Vor allem kleinere Probleme, vermeintliche Nichtigkeiten. Etwa, dass in den Röhren eines "Hyperloops" ja die Luft irgendwie raus muss, damit sich die Kapseln im Vakuum bewegen können - trotzdem brauchen die Menschen ja Luft zum Atmen, sowohl im Fahrzeug wie an den Bahnhöfen.

    Warum wir Technologien falsch einschätzen

    Es sind aber nicht nur technische Aspekte, die oft übersehen werden, wenn es darum geht, die Realisierbarkeit und den Erfolg einer Technologie vorherzusehen. Gerade Experten und Journalisten würden dabei immer wieder entscheidende Faktoren übersehen, sagt Luca Caracciolo, selbst Technik-Journalist - und schließt sich mit ein. Mit seinen Prognosen zu Virtual Reality habe er daneben gelegen.

    Entscheidend sei nämlich, dass man weitere Aspekte, wie Vertrauen in eine Technologie oder ein Unternehmen, mit einbezieht. Ebenso wie die "Erzählung", die hinter einem Produkt steckt. Dass Elon Musk (Tesla) und Steve Jobs (Apple) ihre Ideen und Produkte als große Revolutionen verkaufen, ist zum Beispiel Teil dieser Erzählung.

    Und Vertrauen in Geräte wie "Amazon Echo/Alexa", in Unternehmen wie Facebook oder am Ende in das Prinzip des vollautonomen Fahrens kann ein entscheidender Faktor für Erfolg sein. Ist der Mensch am Ende wirklich bereit, das Lenkrad loszulassen und Kontrolle abzugeben?

    Drei Regeln für besseres Prognosen

    Luca Caracciolo, Chefredakteur der T3N, stellt auf der re:publica eine Art Leitfaden für bessere Prognosen auf:

    • Hinterfragt die eigene Perspektive
    • Macht euch schlau, probiert selbst aus, übernehmt nicht einfach die Einschätzung anderer. Stellt euch die Fragen: Wie fühlt sich das wirklich an? Welche Debatten und Erzählungen gibt es?
    • Je überzeugter man von etwas ist, desto eher sollte man mal die Abstinenz der Technologie durchdeklinieren. Ist die Technologie ein Selbstzweck oder braucht es sie wirklich?