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Raumsonde BepiColombo unterwegs zum Merkur | BR24

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Die europäisch-japanische Sonde "BepiColombo" hat sich auf ihre sieben Jahre lange Reise zum Merkur gemacht. Die Sonde soll die Bodenbeschaffenheit und das Magnetfeld des kleinsten Planeten in unserem Sonnensystem erforschen.

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Raumsonde BepiColombo unterwegs zum Merkur

Am frühen Samstagmorgen hat sich die europäisch-japanische Raumsonde BepiColombo auf ihre sieben Jahre dauernde Reise zum kaum erforschten Planeten Merkur gemacht. Die ESA nennt es die anspruchsvollste Mission ihrer mehr als 40-jährigen Geschichte.

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"Das ist Christoph Kolumbus im 21. Jahrhundert", sagte Elsa Montagnon, die Leiterin des Flugkontrollteams der europäisch-japanischen Raumsonde BepiColombo. Und: "Der Merkur ist ein sehr geheimnisvoller Planet." Einige dieser Geheimnisse soll die Mission erforschen. Etwa, wie sich Merkur seit seiner Entstehung entwickelt hat, seine innere Struktur, und wie sein Magnetfeld aufgebaut ist.

Anspruchsvollste Mission der ESA bisher

Nach Auskunft der Europäischen Weltraumorganisation ESA ist BepiColombo das anspruchsvollste interplanetare Vorhaben in ihrer Geschichte. 20 Jahre dauerten die Vorbereitungen. Aufgrund der laut ESA "höllischen Umgebung" des Merkurs mussten viele neue Technologien und Materialien erst entwickelt werden, die nun zum Einsatz kommen. "Ein einziger Fehler könnte die ganze Mission zum Scheitern bringen", meint der Leiter des ESA-Missionsbetriebs, Paolo Ferri.

Start problemlos

Der erste Schritt ist getan: Die ehrgeizige europäisch-japanische Raumfahrtmission zum Merkur ist angelaufen. Eine Trägerrakete Ariane 5 startete am Samstag um 03.45 Uhr (MESZ) mit der Raumsonde BepiColombo an Bord vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana. Um 04.21 Uhr bestätigte ein Signal dann, dass sich die Raumsonde von der Rakete gelöst hat. "Ich bin erleichtert", sagte der Direktor der Europäischen Weltraumorganisation Esa, Johann-Dietrich Wörner, in Kourou, unmittelbar nach dem Start. "Wenn man ehrlich ist, haben wir jetzt erst einen ganz kleinen Schritt geschafft. Es ist die erste Stunde von sieben Jahren."

Kritisch könnte es Mitte Dezember weren, wenn die Ionen-Triebwerke zum ersten Mal in Betrieb gesetzt werden. Wenn das nicht funktioniert, könnte die ganze Mission scheitern, so die Experten.

Bislang erreichten nur zwei Missionen der US-Raumfahrbehörde NASA den sonnennächsten Planeten: Mariner 10 in den 1970er-Jahren und die Raumsonde Messenger, die den Merkur von 2011 bis April 2015 umkreiste, bis ihr Treibstoff verbraucht war. Die dritte Mission nun ist nach dem italienischen Mathematiker Bepi Colombo benannt, der maßgeblich an der Mission Mariner 10 beteiligt war.

BepiColombo: sieben Jahre zum Merkur unterwegs

Merkur zählt mit Venus, der Erde und dem Mars zu den vier Gesteinsplaneten des Inneren Sonnensystems. Die schwierige Reise zu dem nur 58 Millionen Kilometer von der Sonne entfernten Planeten wird etwas mehr als sieben Jahre dauern – erst 2025 wird BepiColombo in seine Ziel-Umlaufbahn gelangen. Die eigentliche Forschung kann, wenn alles gut läuft, im April 2026 beginnen. Eine der größten Herausforderungen dabei: die Energieversorgung. "Wir brauchen mehr Energie als um zu Pluto zu fliegen,“ erklärt Andrea Accomazzo, Flugdirektor für BepiColombo.

Neptun: der Sonne so nah

Die Nähe Merkurs zur Sonne macht die Reise kompliziert, wie das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) erklärt. Angesichts der enormen Schwer- und Anziehungskraft der Sonne erfordert es viel Energie, die 6,40 Meter hohe und 4,1 Tonnen Raumsonde so abzubremsen, dass sie in eine Umlaufbahn um den innersten Planeten einschwenken kann. In elliptischen Bahnen soll sie sich ihrem Ziel nähern. Um ihre Geschwindigkeit anzupassen, soll die Sonde einmal dicht an der Erde, zweimal an der Venus und ab 2021 sechsmal am Merkur vorbeifliegen. "Jeder Vorbeiflug an einem Planeten braucht ein paar Monate intensive Vorbereitungszeit", sagt Accomazzo.

© ESA - S. Corvaja

BepiColombo: Mercury Planetary Orbiter (MPO) genannt "Bepi" der ESA wird auf dem Europäischen Weltraumbahnhof Korou für den Start vorbereitet.

Bepi und Mio erforschen Oberfläche und Magnetfeld

Ist die Merkur-Zielumlaufbahn voraussichtlich im Dezember 2025 erreicht, sollen zwei selbstständige Wissenschafts-Orbiter von ihrem Raumtaxi abgetrennt werden und den Planeten aus unterschiedlichen Umlaufbahnen erforschen. Der ESA-Satellit Mercury Planetary Orbiter (MPO) "Bepi" nimmt die Oberfläche von Merkur unter die Lupe. Der japanische Satellit Mercury Magnetospheric Orbiter (MMO) "Mio" erforscht das Magnetfeld.

Ein Jahr ist für die Forschung mindestens vorgesehen, MPO könnte aber auch bis zu vier Jahre halten. Dann werde der Orbiter voraussichtlich verglühen. Der japanische Orbiter soll nach etwa 3,5 Jahren auf dem Merkur zerschellen.