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Raumfahrt-Forschung: Probanden für Bettruhe-Studie gesucht | BR24

© picture-alliance/dpa

Unbequemer als es auf den ersten Blick scheint: Die Teilnehmer einer Bettruhe-Studie im Auftrag des DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizins müssen zwei Monate im Liegen verbringen. Was soll das?

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Raumfahrt-Forschung: Probanden für Bettruhe-Studie gesucht

Das DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin sucht derzeit Freiwillige, die sich für die Forschung zwei Monate lang ins Bett legen. Mittel gegen die negativen Folgen der Schwerelosigkeit sollen so gefunden werden. Doch was erwartet die Probanden?

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16.500 Euro für zwei Wochen Vorbereitung, zwei Wochen Nachbereitung und zwischendrin 60 Tage liegen. Das Angebot, das das DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin in Köln vor Kurzem veröffentlicht hat, hört sich wahrlich nicht schlecht an. Das Institut der Deutschen Luft- und Raumfahrt (DLR) sucht für eine Langzeitstudie der NASA und ESA tatsächlich in Deutschland 24 Probanden, die sich zu Forschungszwecken 60 Tage ins Bett legen sollen.

Anforderungen an die Teilnehmer

Doch das ist eben längst nicht alles. Wer sich als Proband für die Studie bewirbt und eine Chance auf eine Teilnahme haben will, muss entweder von Ende März bis Ende Juni 2019 oder von Anfang September bis Anfang Dezember 2019 Zeit haben. Pro Kampagne werden zwölf Männer und zwölf Frauen ausgewählt. Jeder Proband muss außerdem ein paar Voraussetzungen mitbringen: Er muss gesund, Nichtraucher, zwischen 24 und 55 Jahren alt, 153 bis 190 Zentimeter groß sein und darf nur einen Body-Mass-Index (BMI) von 19 bis 30 kg/m² haben.

Ungemütliche Liegeposition

Außerdem ist liegen nicht gleich liegen. Wer an der Studie mitmacht, muss sich auch hier an strikte Vorgaben halten. Das heißt: 60 Tage ausschließlich auf dem Rücken liegen. Mindestens eine Schulter muss immer die Matratze berühren. Und zu allem Überfluss muss der Kopf des Probanden um 6 Grad nach unten geneigt sein, denn so fliegen die Astronauten ins All. Auch der Raum, in dem die Probanden über 60 Tage ausharren müssen, ist wenig gemütlich: Die Studienteilnehmer müssen in einem Krankenhausbett in einem Raum mit Neonbeleuchtung liegen, der sich in einer Forschungsanlage des DLR in Köln befindet.

Nebenwirkungen und Belastungen

Verspannungen, Rücken- und Kopfschmerzen sind die Folgen des tagelangen Liegens. Immerhin kommen regelmäßig ein paar Physiotherapeuten vorbei, um die schlimmsten Verspannungen zu lindern. Interessierte sollten trotzdem nicht übersehen: Während der gesamten Liegezeit ist der Gang zur Toilette nicht gestattet, die Bettpfanne muss für diese Bedürfnisse reichen. Auch Besuch ist während der gesamten 60 Tage nicht gestattet. Trost können andere Studienteilnehmer spenden, deren Betten im Raum zusammengeschoben werden dürfen, wie ein Teilnehmer einer früheren Studie dem Bayerischen Rundfunk erzählt.

Probanden liegen nicht tatenlos im Bett - Experimente

60 Tage im Bett heißt nicht 60 Tage Bettruhe. Die Probanden sind an zahlreichen Experimenten zum Knochen- und Muskelstoffwechsel beteiligt. Daneben stehen viele psychologische und kognitive Tests auf dem Plan der Studie. Ein Teil der Probanden muss sich in einer Zentrifuge - einer Liege, die sich rasant dreht - kräftig durchwirbeln lassen. Herz-Kreislauf, Muskeln, Knochen sollen vom Zentrifugen-Training profitieren. Das wiederum könnte Astronauten lange Trainingseinheiten auf Laufband und Trimmrad ersparen. Die Raumfahrer hätten so mehr Zeit für wissenschaftliche Experimente.