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Schmelzende Gletscher: Radioaktiv verseuchtes Trinkwasser? | BR24

© dpa

Symbolbild Gletscher

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    Schmelzende Gletscher: Radioaktiv verseuchtes Trinkwasser?

    Forscher warnen vor Radioaktivität die in Gletschern gespeichert ist. Durch deren Schmelze könnten radioaktive Partikel freigesetzt werden und so in unsere Nahrungskette gelangen.

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    Ein internationales Wissenschaftler-Team hat vor weltweit im Gletschereis eingeschlossenen radioaktiven Partikeln gewarnt. Diese könnten durch die Schmelze freigesetzt werden. Die Reaktorkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima sowie Atomwaffentests hätten in den Gletschern der Alpen, des Kaukasus, der Arktis, der Antarktis, in Kanada und auf Island radioaktive Spuren hinterlassen, so die britische Forscherin Caroline Clason in Wien. Angesichts der durch den Klimawandel schmelzenden Gletscher sitze die Menschheit auf einer tickenden Zeitbombe.

    Hohe radioaktive Konzentration nachgewiesen

    Clason und ihre Kollegen untersuchten 17 verschiedene kontaminierte Standorte. Die radioaktive Konzentration habe dort "die höchsten Level erreicht, die man in der Natur außerhalb nuklearer Sperrzonen findet", berichtete die Forscherin nun bei der Generalversammlung der European Geosciences Union (EGU) in Wien.

    Radioaktiv verseuchter Schnee setzt sich über Jahrzehnte fest

    Wenn radioaktives Material freigesetzt wird, steigt es in die Atmosphäre auf und fällt mit dem Regen wieder auf die Erde. Pflanzen und das Erdreich nehmen Teile der Partikel auf, die nuklearen Bestandteile werden erst nach und nach ausgewaschen. Nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl beispielsweise ging 1986 wochenlang radioaktiver Regen über Nordeuropa nieder.

    Radioaktiv verseuchter Schnee hingegen setzt sich über Jahrzehnte im Gletschereis fest. Durch die Schmelze gelangt das radioaktive Material laut Clason dann in Bäche und Flüsse. Wie sich das auf die Natur auswirkt, zeigt sich nach ihren Angaben unter anderem in Schweden: Wildschwein-Fleisch in dem skandinavischen Land enthält seit einigen Jahren zehnmal höhere Mengen an Caesium, als für den Menschen sicher wäre.

    Atomwaffentests könnten zur Gefahr werden

    Besonders die seit den 50er Jahren betriebenen Atomwaffentests könnten laut den Wissenschaftlern langfristig ungeahnte Bedrohungspotentiale entfalten. Denn bei ihnen wurde Plutonium freigesetzt, das eine Halbwertszeit von 14 Jahren aufweist und zum hochgefährlichen Americium wird, wenn es zerfällt.

    Radioaktive Partikel in der Nahrungskette

    Americium hat eine Halbwertszeit von 400 Jahren, ist in der Umwelt leicht löslich und gibt starke Alpha-Strahlung ab. Somit sei es besonders dazu geeignet, "in die Nahrungskette zu gelangen", warnte Clason.

    "Unser nukleares Erbe ist noch nicht verschwunden." Caroline Clason