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Querdenker: Freiheitskämpfer fürs Grundgesetz? | Possoch klärt | BR24

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    Querdenker: Freiheitskämpfer im Widerstand? Possoch klärt!

    "Querdenken": In Corona-Zeiten heißt das für viele, Widerstand leisten gegen das angeblich "verfassungsbrüchige Regime" der Bundesrepublik. Vorbilder sind Ikonen des NS-Widerstands, zum Beispiel Sophie Scholl. Wie gefährlich ist das? Possoch klärt!

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    Von
    • Adrian Dittrich
    • Dominic Possoch

    Die deutsche Regierung, der Staat als auserkorener Feind: Eine häufige Mobilisierungs-Strategie für Verschwörungsideologen, sagt Pia Lamberty. Im neuen "Possoch klärt" (Video unten) zeigt die Sozialpsychologin auf, wie stark "Querdenker" von Verschwörungstheorien angetrieben werden. Und genau das sei durchaus gefährlich. Denn bei Verschwörungstheoretikern seien oft Umsturzfantasien zu erkennen.

    Die Corona-Pandemie liefert einen perfekten Nährboden für das Entstehen von Verschwörungstheorien. Das zeigt ein Blick in Lambertys Buch "Fake Facts", das die Autorin bereits vor Corona angefangen hat zu schreiben. Ein entscheidender Grund für die Empfänglichkeit von Verschwörungstheorien sei der subjektiv empfundene Kontrollverlust und daraus resultierende Angst, sagt die Autorin.

    Umdeutung der Geschichte für den "Widerstand"

    Nicht selten setzt die "Querdenker"-Szene ihren Widerstand mit dem der "Weißen Rose" zu NS-Zeiten gleich. Wie problematisch und falsch das ist, hat bereits der BR24-Faktenfuchs dargestellt. Dass Geschichte für das eigene Widerstandsnarrativ umgedeutet wird, ist eine altbekannte Strategie, sagt Pia Lamberty. Ziel sei es, in der Bewegung immer mehr die Dramatik zu erhöhen, quasi eine Endzeitstimmung zu erschaffen. Dadurch könne man bei den Anhängern die Bereitschaft zum Handeln dauerhaft aufrechterhalten.

    Ähnlich sieht das der Historiker Jens-Christian Wagner, Leiter der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora. Er hält die "geschmacklosen und ahistorischen NS-Gleichsetzungen" für "das eigentlich Gefährliche an den Querdenkern". Sie leisteten dadurch "dem Geschichtsrevisionismus Vorschub und delegitimieren gleichzeitig unsere Demokratie, deren Schutz der Grundrechte ja eine ganz explizite Lehre aus der Zeit des Nationalsozialismus ist."

    "Querdenken" auch nach Corona?

    Trotz der Vergleiche mit Sophie Scholl und Anne Frank: Sobald Corona nicht mehr unseren Alltag beherrscht, werde auch der Widerstand der "Querdenker" abebben, sagt Lamberty. Allerdings: "Die verschwörungsideologische Szene war vorher nicht so gut vernetzt, und das heißt, wann immer es eben zu einer Krisensituation kommt oder einem wichtigen gesellschaftlichen Ereignis, werden diese Netzwerke auch reaktiviert werden", so Pia Lamberty.

    Der Feind der "Querdenker" ist der demokratische Staat. Doch für was treten die selbsterklärten Widerstandskämpfer eigentlich ein? Wie definieren sie ihre immer wieder geforderte Freiheit?

    Possoch klärt!

    Alles, was Sie über die "Querdenker"-Szene und ihren Widerstandskampf wissen sollten, erfahren Sie im Video oben. Diskutieren Sie gerne in den Kommentaren mit.

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