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Prävention gegen Krebs: Experten fordern Verbot von Solarien | BR24

© picture alliance / dpa Themendienst

Eine junge Frau liegt auf einer Sonnenbank im Solarium.

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    Prävention gegen Krebs: Experten fordern Verbot von Solarien

    Auch im Winter braun sein - viele versuchen, das durch den Besuch im Solarium zu erreichen. Doch Mediziner fordern, die Sonnenbänke zu verbieten. Das künstliche Sonnenlicht steigere das Krebsrisiko immens.

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    Im Kampf gegen Krebserkrankungen haben die Deutsche Krebshilfe und die Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) ein bundesweites Verbot von Solarien gefordert. Beide Organisationen veröffentlichten ihren gemeinsamen Appell einen Tag vor dem Weltkrebstag.

    Es sei ein "wahnwitziger Trugschluss, dass gebräunte Haut immer noch als gesund und schön gilt", kritisierte Eckhard Breitbart, Dermatologe und Vorsitzender der ADP. Der Bräunungsprozess sei immer ein Hilfeschrei der Haut. "Jede Solariennutzung führt zu gesundheitlichen Schäden", betonte Breitbart.

    Nach Angaben beider Organisationen erkrankten pro Jahr in ganz Europa rund 3.400 Menschen infolge des Bräunens auf einer Sonnenbank. In etwa 800 Fällen führe die Erkrankung zum Tod.

    Schon ein Besuch pro Monat steigert Risiko deutlich

    In Deutschland werde laut der Krebshilfe jährlich bei rund 37.000 Menschen ein malignes Melanom diagnostiziert, also schwarzer Hautkrebs. Auf ihrer Internetseite warnt die ADP, dass das Risiko für Menschen unter 35 Jahren, an einem solchen Melanom zu erkranken um 60 Prozent steige, wenn man jeden Monat einmal ins Solarium geht. Auch die Gefahr, an weißem Hautkrebs zu erkranken, nehme durch Solariumbesuche zu: Wer vor seinem 25. Geburtstag damit beginne, Solarien zu nutzen, steigere so das Risiko verschiedener Formen des weißen Hautkrebses um bis zu mehr als 100 Prozent.

    Für Kinder und Jugendliche ist es in Deutschland seit 2009 verboten, ins Solarium zu gehen. Der Chef der Deutschen Krebshilfe, Gerd Nettekoven, kritisiert jedoch, dass es 2018 trotzdem schätzungsweise 140.000 Minderjährigen gelungen sei, diese künstliche Form des Bräunens zu nutzen.

    Doppelt so viele Krebserkrankungen in 20 Jahren?

    Insgesamt werden Krebserkrankungen in Zukunft weltweit wesentlich häufiger auftreten. Zu dieser Einschätzung kommt das Deutsche Krebsforschungszentrum. Das Institut rechnet mit einer Verdoppelung der Krebsfälle in den kommenden 20 Jahren. Für Deutschland erwarte man einen Anstieg der jährlichen Neuerkrankungen von derzeit 500.000 auf 600.000 Fälle, sagte Michael Baumann, der Chef des Krebszentrums.

    Das gehe zum einen auf eine wachsende und immer älter werdende Bevölkerung zurück, aber vor allem auch auf den Lebensstil vieler Menschen. Derzeit könnten 40 Prozent der Erkrankungen durch primäre Prävention verhindert werden, betonte Baumann. Doch vieles, was helfe, sich zu schützen, würde von den Menschen nicht immer eingehalten: nicht rauchen, kein Übergewicht, körperliche Aktivität, gesunde Ernährung, wenig oder kein Alkohol oder sich alle Impfungen für die Krebsvorsorge geben zu lassen.

    Doch auch die Forschung muss aus Sicht Baumanns mehr tun - in allen Bereichen: von der Prävention, über die Früherkennung bis hin zur Therapie. Im vergangenen Jahr hatte die Bundesregierung die "Nationale Dekade gegen Krebs" ins Leben gerufen und angekündigt, dass in die Krebsforschung insgesamt bis zu 62 Millionen Euro an Fördergeldern fließen sollen.