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Polarstern: Größte Arktisexpedition aller Zeiten | BR24

© BR/Catharina Spethmann

Der Klimawandel in der Arktis hat Auswirkungen auch auf unsere Breiten: extremes Wetter, lange Kälte oder wochenlange Hitze. Das Forschungsschiff "Polarstern" bricht jetzt zu seiner bislang größten Reise auf, um Daten zum Klimawandel zu sammeln.

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Polarstern: Größte Arktisexpedition aller Zeiten

Der Klimawandel in der Arktis hat Auswirkungen auch auf unsere Breiten: extremes Wetter, lange Kälte oder wochenlange Hitze. Das Forschungsschiff "Polarstern" ist nun zu seiner bislang größten Reise aufgebrochen, um Daten zum Klimawandel zu sammeln.

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Das Forschungsschiff "Polarstern" soll auf seiner bisher längsten Reise herausfinden, was genau in der Arktis passiert. Denn dort ist der Klimawandel besonders stark zu spüren. Allerdings gibt es in der Arktis - anders als in der Antarktis - kein Festland, und man kann deshalb keine dauerhaften Forschungsstationen aufbauen.

Ein Jahr zum Nordpol

Am 10. August ist die "Polarstern" unter Führung des Alfred-Wegener-Institutes in Bremerhaven Richtung Tromsø aufgebrochen, von wo aus sie am Freitag zur Arktisexpedition aufbrach: Ein Jahr soll die Arktisexpedition dauern, und bringt die Forscher während des eisigen Polarwinters ganz nah an den Nordpol. Die Expedition trägt den Titel MOSAiC (Multidisciplinary drifting Observatory for the Study of Arctic Climate).

Training im Ostsee-Eis von Norwegen

Um mit den Anforderungen auf der Eisscholle zurechtzukommen, sind die Mitarbeiter vorher trainiert worden. Zum Beispiel haben sie auf der vereisten Ostsee im Norden Finnlands gelernt, wie sie mit einer mechanisch von Hand betriebenen Eissäge ein Loch ins Eis bekommen, um beispielsweise Tauchroboter zu versenken.

Reise ohne Motor mit dem Eis

Die "Polarstern" soll im Nordpolarmeer an einer mehrere Kilometer großen Eisscholle festmachen. Allerdings könnte die Suche danach knifflig werden, denn dieses Jahr ist das Arktiseis so stark geschmolzen wie selten. Der Forschungseisbrecher soll sich dann an der Scholle im winterlichen Eis einfrieren lassen, um gemeinsam mit dem Eis durchs Nordpolarmeer zu driften.

Daten sammeln für die Klimaforschung

Auf dem Eis bauen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dann zahlreiche Messstationen auf, messen die Dicke des Eises, analysieren den Schnee, sammeln Wetterdaten und erkunden mit Tauchrobotern das Meer unter dem Eis. Das alles täglich, wöchentlich, monatlich, die ganze eisige Polarnacht hindurch und auch die darauffolgenden Monate des Polarsommers. Auf diese Daten warten Klimaforscher sehnsüchtig:

"Die Arktis ist das große Epizentrum der Klimaerwärmung. Nirgendwo anders wird es so schnell und so dramatisch wärmer wie in der Arktis, die Erwärmung ist mindestens doppelt so schnell, wie im Rest der Welt. Und wir verstehen das nicht besonders gut." Markus Rex, Forschungsleiter der Expedition

Schichtwechsel alle zwei Monate

Während der Polarnacht hat dort nämlich noch niemand kontinuierlich geforscht. Das soll sich mit der MOSAiC-Expedition ändern. Eine logistische Herausforderung: Alle zwei Monate wird die "Polarstern" mit Nachschub versorgt, dann wechseln auch Wissenschaftler-Teams und Seeleute. Solange noch Eisbrecher durchkommen, geschieht das per Schiff, im April dann per Flugzeug. Dafür wird das MOSAiC-Team extra eine Landebahn auf dem Eis präparieren.

Kostenpunkt: 140 Millionen Euro

Die Kosten für die einjährige Forschungsreise teilen sich 19 Nationen, sie belaufen sich auf 140 Millionen Euro - so viel wie eine kleine Weltraummission.

"Für ein Wissenschaftsprojekt ist das eine Ansage. Eine riesige Größenordnung. Aber anders kann man Forschung in diesem Bereich einfach nicht machen." Markus Rex, Forschungsleiter der Expedition