Zurück zur Startseite
Wissen
Zurück zur Startseite
Wissen

Plastik im Meer ist besonders für junge Schildkröten gefährlich | BR24

© picture allianceWILDLIFE

Eine junge Echte Karettschildkroete schwimmt im Meer und spiegelt sich an der Wasseroberfläche.

Per Mail sharen
Teilen

    Plastik im Meer ist besonders für junge Schildkröten gefährlich

    Viele Meerestiere werden tot und mit Plastik im Magen gefunden. Besonders häufig fressen junge Meeresschildkröten den Müll aus dem Meer und sterben. Wissenschaftler haben jetzt herausgefunden, warum die Kleinen besonders gefährdet sind.

    Per Mail sharen
    Teilen

    Australische Forscher haben 246 tote Meeresschildkröten untersucht. Sie stammen alle aus Queensland, wo sie entweder tot gestrandet oder in Rehabilitationseinrichtungen gestorben waren. Darunter befanden sich 160 Grüne Meeresschildkröten, 52 Echte und 30 Unechte Karettschildkröten, eine Oliv-Bastardschildkröte, eine Wallriffschildkröte sowie zwei Tiere unbestimmter Art. Insgesamt hatten von den 246 Tieren knapp ein Viertel, 23,6 Prozent, Plastik im Bauch. Die Plastikteile waren zwischen 0,01 Gramm und 10,41 Gramm groß.

    Jede zweite kleine Schildkröte hat Plastik aus dem Meer gefressen

    Die Wissenschaftler berichten, dass sich bei mehr als jedem zweiten kleineren Jungtier (Körpergröße 5-28 Zentimeter) Plastikteile im Magen-Darm-Trakt befanden. Bei größeren Jungtieren (28-61 Zentimeter) war knapp jedes vierte betroffen. Bei jugendlichen und ausgewachsenen Schildkröten (größer als 61 Zentimeter) war es jedes sechste Tier. Kein Plastik fanden die Wissenschaftler lediglich in den Mägen von Schildkröten, die frisch geschlüpft waren.

    Junge Schildkröten fressen dort, wo viel Plastik im Meer schwimmt

    Laut der Forscher fressen die jüngeren Tiere eher dort, wo sich auch das meiste Plastik im Meer befindet: in Küstennähe und an der Wasseroberfläche. Der Meeresbiologe Philipp Kanstinger vom WWF hält das für plausibel:

    "Junge Tiere treten viel mehr mit Plastik in Kontakt als adulte Tiere." Philipp Kanstinger, Meeresbiologe, WWF

    Ältere Schildkröten haben gelernt, was sie unbeschadet fressen können

    Kanstinger vermutet außerdem einen Lerneffekt bei älteren Schildkröten: Sie wüssten eher, was sie fressen dürfen. Besonders gefährdet seien die Jungtiere der Unechten Karettschildkröte: Sie gingen häufiger als ältere Tiere auf Quallenjagd. "Oft wissen sie dann nicht, dass das, was aussieht wie eine Qualle, in Wirklichkeit eine Plastiktüte ist", erklärt Philipp Kanstinger.

    Je mehr Plastik, desto wahrscheinlicher der Tod

    Gemäß der Studie der australischen Forscher haben die Zahl und Masse der in den Tieren gefundenen Plastikgegenstände stark variiert: von einem bis zu Hunderten von Teilen, die teilweise mehrere Gramm schwer waren. Die Forscher gehen davon aus, dass mit zunehmender Plastikkonzentration im Magen das Risiko steigt, dass das Tier daran verendet. Rein rechnerisch liege bei einer Schildkröte mit 14 Plastikteilen im Magen das Sterberisiko bei 50 Prozent.

    Laut Kanstinger bringt diese Erkenntnis "Licht ins Dunkel": Dass Plastik im Meer ein Problem darstelle, sei den meisten Experten bewusst. Nun wisse man aber, wie stark das Sterbesrisiko mit der Anzahl der verschluckten Plastikteile steige.