Zurück zur Startseite
Wissen
Zurück zur Startseite
Wissen

PISA-Studie: Deutsche Schüler werden wieder schlechter | BR24

© BR

Die OECD legt heute die Ergebnisse ihrer Schulleistungsstudie PISA 2018 vor. Rund 600.000 15-jährige Schülerinnen und Schüler aus 79 Ländern haben sich in Mathematik, Naturwissenschaften und in der Lesekompetenz gemessen. Wo steht Deutschland?

68
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

PISA-Studie: Deutsche Schüler werden wieder schlechter

Die OECD hat die Ergebnisse ihrer Schulleistungsstudie PISA 2018 vorgelegt. Rund 600.000 15-jährige Schülerinnen und Schüler aus 79 Ländern haben sich in Mathematik, Naturwissenschaften und in der Lesekompetenz gemessen. Wo steht Deutschland?

68
Per Mail sharen
Teilen

Lesekompetenz, Mathematik und Naturwissenschaften - das sind die Bereiche, in denen 2018 weltweit rund 600.000 Schülerinnen und Schüler geprüft wurden. In Deutschland nahmen 5.451 Jugendliche aus 226 Schulen an dem zweistündigen Test teil. Dabei ging es aber nicht nur um die Momentaufnahme des Wissensstandes deutscher Schüler und Schülerinnen. Genauso wollte man alltags- und berufsrelevante Kenntnisse und Fähigkeiten repräsentativ für 32 Millionen 15-Jährige aus 79 Ländern abfragen.

Alle drei Jahre wird von der Industriestaatengruppe OECD weltweit ermittelt, wie es um die Kenntnisse und Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler steht. Die PISA-Studie (Programme for International Student Assessment Survey) ist die größte internationale Schulleistungsstudie.

Deutschland liegt über dem OECD-Durchschnitt

Deutschland liegt in allen drei Bereichen mit seinen Leistungen über dem OECD-Durchschnitt. Damit unterscheidet sich Deutschland in seinen Durchschnittswerten nicht wesentlich von Ländern wie Australien, Belgien, Frankreich, Irland, Neuseeland, Norwegen, Slowenien, Schweden, der Tschechischen Republik, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten.

Spitzenreiter in allen drei Bereichen sind Estland, Finnland, Hongkong (China), Irland, Kanada, Korea, Macau (China), Peking-Shanghai-Jiangsu-Zhejiang (China), Polen und Singapur.

© OECD, PISA 2018 Datenbank

Hauptergebnisse der Pisa-Studie 2018

Die Ergebnisse im Bereich Lesekompetenz

Im Bereich Lesekompetenz erreichte Deutschland 498 Punkte. OECD-Durchschnitt hier sind 487 Punkte. Zum Vergleich: Tabellenführer Peking-Shanghai-Jiangsu-Zhejiang (China) hat 555 Punkte, Tabellenletzter, die Philippinen, 340 Punkte.

Insgesamt ist die Leseleistung in Deutschland seit dem ersten Pisa-Test von 2000 bis 2015 kontinuierlich gestiegen, 2018 gab es jedoch einen Leistungsknick in etwa auf das Niveau von 2009. Eine Vermutung, woran das liegen könnte, ist die veränderte demografische Struktur der Schüler und Schülerinnen. Denn die Lesekompetenz ist abhängig vom sozioökonomischen Hintergrund.

Soziale Herkunft ausschlaggebend

Bei der Lesekompetenz lassen sich innerhalb Deutschlands deutliche Unterscheide ausmachen – je nachdem, wie der sozioökonomische Hintergrund des Schülers oder der Schülerin ist. Schlechtere Voraussetzungen haben jene Kinder, die aus sozial schlechter gestellten und bildungsfernen Familien stammen. Die Jugendlichen mit einem günstigen Hintergrund haben einen deutlichen Leistungsvorsprung von 113 Punkten gegenüber den benachteiligten Schülern. Dazu gehören zu 50 Prozent auch "Schüler mit Migrationshintergrund". Das sind laut PISA-Definition Schülerinnen und Schüler, deren beide Eltern im Ausland geboren sind.

Kompetenzen im Bereich Mathematik

In Mathematik konnte Deutschland 500 Punkte erlangen. Hier ist der Durchschnitt bei 489 Punkten. Auch hier liegt China mit 591 Punkten vorne. Im Fach Mathematik steigerte sich die erreichte Punktzahl von 503 im Jahr 2003 auf 512 im Jahr 2012, ging aber 2018 wieder auf 500 Punkte zurück. Die demografischen Veränderungen, die ein Grund für den Rückgang der Lesekompetenz sein könnten, können aber nur zu einem geringen Anteil die Negativtrends in puncto Mathematik und Naturwissenschaften erklären, so die Studie.

Der Bereich der Naturwissenschaften

In den Naturwissenschaften erlangte Deutschland 503 Punkte – 14 Punkte über dem Durchschnitt und 87 Punkte vom Spitzenreiter China entfernt. Im Jahr 2006 starteten die Naturwissenschaften mit 516 Punkten. Nach einem Hoch im Jahr 2012 mit 524 Punkten setzte ein Sinkflug ein mit jetzt 503 Punkten.

Geschlechtsspezifischer Trend

Eine Erkenntnis der Studie: Die Lesekompetenz scheint abhängig vom Geschlecht, denn die Mädchen schneiden in Deutschland in diesem Bereich deutlich besser ab als die Jungen. In der Mathematik ist es klassischerweise genau umgekehrt. Hier erzielen die Mädchen weniger Punkte, sind aber in ihren Leistungen von 2015 gleich geblieben. Die der Jungen hingegen hat abgenommen. In den Naturwissenschaften ist das Leistungsniveau zwischen Jungen und Mädchen annähernd gleich, aber auch hier haben die Jungen im Vergleich zum vergangenen Test nachgelassen.

Wo liegen die Probleme in Deutschland?

Deutschland weist zum Beispiel eine stärkere Konzentration leistungsschwacher und leistungsstarker Schüler an bestimmten Schulen auf – anders als im OECD-Durchschnitt. Das liegt daran, dass die Schüler und Schülerinnen in der Regel nach vier Jahren Grundschule in verschiedene Schultypen aufgeteilt werden.

Außerdem klagen Schulleitungen häufiger über zu wenig Personal und mangelnde Ausstattung. Das betrifft vor allem die Schultypen, auf die die sozioökonomisch benachteiligten Schülerinnen und Schüler gehen. Hier sind insgesamt 70 Prozent der Jugendlichen durch Unterrichtsbeeinträchtigungen aufgrund von Lehrermangel betroffen. An den "höheren" Schulen sind es lediglich 34 Prozent.

Die Bedeutung von PISA für die Wirtschaft

Einer Ifo-Studie (Leibniz Institut für Wirtschaftsforschung) vom 2. Dezember zufolge könnten bessere Leistungen der Schüler den künftigen Wohlstand Deutschlands kräftig erhöhen. Bei einer Verbesserung um 25 Pisa-Punkte würde die deutsche Wirtschaftskraft langfristig um 7,3 Prozent steigen - das seien rund 14 Billionen Euro für den Rest des Jahrhunderts, so Ludger Wößmann, Leiter des Zentrums für Bildungsökonomie beim Münchner Ifo-Institut.

Die Daten gehen aus einer neuen Studie hervor, die Wößmann mit einem Forscher der US-Universität Stanford für die EU-Kommission verfasst hat. Demnach gibt es einen engen Zusammenhang zwischen Bildungsleistungen und Wirtschaftswachstum.

Im Jahr 2000: Der PISA-Schock

Beim ersten Pisa-Test im Jahr 2000 schnitt Deutschland unerwartet schlecht ab, was eine Debatte über Bildungsreformen ausgelöst hat. Seitdem seien anfangs sehr viele Initiativen angestoßen worden, um im internationalen Vergleich aufzuholen, so Wößmann. Doch die Bemühungen scheinen hierzulande eingeschlafen - anders als in anderen Ländern. Polen und Portugal zum Beispiel haben es geschafft, sich um 25 PISA-Punkte zu steigern.