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Pilze in Bayern sind noch immer radioaktiv belastet | BR24

© colourbox.com, Creativ Collection, Montage: BR

In Waldpilzen steckt eine Extraportion Schwermetalle. Gerade in Bayern sind die Pilze auch noch immer radioaktiv belastet.

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    Pilze in Bayern sind noch immer radioaktiv belastet

    Es ist schon schwierig genug, genießbare von giftigen Pilzen zu unterscheiden. Was Pilzsammler jedoch nicht sehen können: Viele Waldpilze sind belastet - mit radioaktivem Cäsium oder Schwermetallen. Auch Parasiten können an ihnen haften.

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    Pilze verfügen durch ihr feines Wurzelgeflecht über eine große Oberfläche, mit der sie Stoffe aus dem Boden aufnehmen. Sie filtern den Boden regelrecht - und können sich dann leider auch mit unerwünschten Stoffen anreichern. Gerade in Bayern sind viele Pilze nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl 1986 immer noch radioaktiv belastet, mit Radiocäsium (Cäsium-137). Aber auch Restprodukte aus Industrie und Haushalt finden sich in den Pilzfruchtkörpern: Einige Pilze bunkern Schwermetalle wie Cadmium oder Quecksilber. Und dann gibt es auch noch ganz andere, unerwünschte Pilz-Bewohner ...

    Pilze sind auch Jahrzehnte nach Tschernobyl radioaktiv belastet

    Auch mehr als 30 Jahre nach der Reaktorkatastrophe im ukrainischen Tschernobyl sind einige Wildpilzarten in Bayern noch stark mit radioaktivem Cäsium-137 belastet. Weil Cäsium-137 eine Halbwertszeit von rund 30 Jahren besitzt, ist es bislang nur etwa zur Hälfte zerfallen. Wie das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) im Oktober 2019 mitteilte, liege die Belastung bestimmter Pilzarten bei bis zu 2.400 Becquerel pro Kilogramm Frischmasse. Die Einheit Becquerel gibt die Anzahl der radioaktiven Zerfälle pro Sekunde an. Wie hoch die Belastung mit Cäsium-137 ist, schwanke sehr stark je nach Pilzart und Standort.

    Maronenröhrlinge und Semmelstoppelpilze besonders belastet

    Besonders betroffene Pilzarten seien unter anderem Maronenröhrlinge, Semmelstoppelpilze sowie Elfenbein- und Braunscheibige Schnecklinge. Diese könnten bis zu einige tausend Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm aufweisen. Pilze, die im Handel verkauft werden, dürfen dagegen den Grenzwert von 600 Becquerel pro Kilogramm Frischmasse nicht überschreiten. Dieser Grenzwert wurde nach dem Reaktorunfall eingeführt. Seine Einhaltung wird von der amtlichen Lebensmittelüberwachung stichprobenartig kontrolliert.

    "Im Extremfall enthält eine einzelne Mahlzeit dieser Pilze mehr Cäsium-137 als man mit anderen Lebensmitteln aus landwirtschaftlicher Produktion in einem ganzen Jahr zu sich nimmt." Inge Paulini, Präsidentin des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS)

    Bayerischer Wald, Donaumoos, Berchtesgadener Land, Mittenwald

    Wie das BfS mitteilte, gebe es außergewöhnlich hoch kontaminierte kleinere Gebiete im Bayerischen Wald, im Donaumoos südwestlich von Ingolstadt, im Berchtesgadener Land und in der Region Mittenwald. Nach dem Reaktorunfall im April 1986 wurden diese Gebiete in Bayern zehn Mal heftiger belastet als beispielsweise Norddeutschland. Laut dem BfS gingen dort nach der Reaktorkatastrophe Gewitter nieder, die mehr radioaktives Cäsium-137 in den Waldboden einbrachten.

    Selbst gesuchte Schwammerl in Maßen genießen

    Wer selbst gesammelte Pilze in üblichen Mengen verzehre - das BfS geht hier von 200 bis 250 Gramm pro Woche aus - müsse nicht mit negativen gesundheitlichen Folgen wegen des Radioaktivitätsgehalts rechnen. Die zusätzliche Strahlenbelastung bleibe dann dennoch gering. Trotzdem gibt das BfS eine Empfehlung ab: "Das Bundesamt für Strahlenschutz rät grundsätzlich, sich nicht unnötig einer Strahlung auszusetzen", heißt es im Bericht "Radioaktive Kontamination von Speisepilzen" (Stand 2018), der im Oktober 2019 veröffentlicht wurde. Die Strahlenbelastung durch Nahrungsmittel lasse sich durch das individuelle Ernährungsverhalten reduzieren.

    "Wer seine persönliche Strahlenbelastung so gering wie möglich halten möchte, sollte keine stark belasteten Pilzarten aus höher belasteten Regionen essen." Inge Paulini, Präsidentin des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS)

    Strahlenbelastung beim Pilzeessen wie beim Flug nach Gran Canaria

    Um Verbrauchern eine Einordnung zu ermöglichen, führt das BfS einen anschaulichen Vergleich an: "Der Verzehr von 200 Gramm Pilzen mit 3.000 Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm hat eine Belastung von 0,008 Millisievert zur Folge. Dies entspricht der Strahlenbelastung bei einem Flug von Frankfurt nach Gran Canaria."

    Cäsium-137 verlagert sich in die Tiefe - und nimmt über die Jahre ab

    Weil sich das Cäsium-137 über die Jahre immer weiter in tiefere Bodenschichten verlagerte, nahm die Kontamination bei Pilzen, die ein oberflächennahes Pilzgeflecht ausbilden, mit der Zeit ab. Sie stieg dagegen bei Arten mit einem tief liegenden Myzel. Aufgrund der langsamen Verlagerung in die Tiefe und des radioaktiven Zerfalls werden die Werte in den nächsten Jahren in der Regel allmählich zurückgehen - außer bei solchen Pilzen, deren Pilzgeflecht besonders tief in den Boden reicht. Das BfS untersucht die radioaktive Belastung wildwachsender Speisepilze im Süden Deutschlands seit 2005 und veröffentlicht die Ergebnisse jährlich. Radioaktiv belastet sind übrigens auch einige Wildarten, besonders zum Beispiel Wildschweine.

    Pilze sind auch oft mit giftigen Schwermetallen belastet

    Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät auch aus anderen Gründen, den Verzehr von Wildpilzen auf 250 Gramm pro Woche zu beschränken. Sie können sich auch mit giftigen Schwermetallen wie Blei, Quecksilber und Cadmium anreichern. In zu hoher Konzentration können diese Stoffe zum Beispiel Schäden an den Nieren verursachen.

    Pilze erhitzen schützt vor dem Fuchsbandwurm

    Auf Wildpilzen können Eier des Fuchsbandwurms haften. Der Parasit kann sich zum Beispiel in unserer Leber einnisten und sie zerstören. Die Ansteckungsgefahr ist zwar gering, zudem seien Pilze als Infektionsquelle laut dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) sowie der Deutschen Gesellschaft für Mykologie eher fraglich. Trotzdem sollten selbst gesammelte Pilze immer gründlich gewaschen und nicht roh verzehrt, sondern über 60 Grad Celsius erhitzt werden. Laut dem LGL helfen Einfrieren und das Einlegen in Alkohol nicht, den Erreger abzutöten. Er könne erst bei einer Temperatur von minus 80 Grad Celsius über mehrere Tage hinweg unschädlich gemacht werden. Roh sollte man Wildpilze laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung schon deshalb nicht essen, weil dies zu Unverträglichkeitsreaktionen führen könnte.

    Von
    • Andreas Fruth
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