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Älteste Fossilien von Pilzen entdeckt | BR24

© dpa-Bildfunk/Corentin C. Loron

Ourasphaira giraldae ist mehr als eine halbe Milliarde Jahre älter als bisher gefundene Pilzfossilien.

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    Älteste Fossilien von Pilzen entdeckt

    Forscher haben versteinerte Pilze gefunden, die rund eine Milliarde Jahre alt sind. Das ist mehr als doppelt so alt wie die ältesten Fossilien, die man bisher von Pilzen kannte. Gefunden wurden die Urpilze in Schiefergestein aus Kanada.

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    Wissenschaftler um Corentin Loron von der Universität Lüttich in Belgien fanden zahlreiche Fossilien des Pilzes "Ourasphaira giraldae" in Schiefergestein aus dem Nordwesten Kanadas. "Da O. giraldae im Flachwasser-Mündungsschiefer der Grassy-Bay-Formation konserviert ist, hat dieser Pilz möglicherweise in einer Mündungsumgebung gelebt", schreiben sie in ihrem Artikel in der Fachzeitschrift Nature.

    Die Ansammlung von organischen Abfallprodukten anderer Lebewesen in diesem Bereich könnte dazu geführt haben, dass der Pilz recht gut wachsen und gedeihen konnte. O. giralda weist den Forschern zufolge die größte Ähnlichkeit mit einer Pilzgruppe auf, zu der auch die Schlauchpilze und die Ständerpilze gehören.

    Als Pilze und Pflanzen das Land eroberten

    Pilze spielen in vielen biologischen Kreisläufen eine Schlüsselrolle. Sie bauen organische Substanzen ab, binden Phosphat und sind oft Partner in Symbiosen. Die Forscher vermuten, dass sie auch eine wichtige Rolle bei der Eroberung des Landes gespielt haben könnten.

    "Die spätere Besiedlung von Landgebieten durch Pilze könnte der Besiedlung von Land durch Pflanzen, durch Wurzelsymbiosen und durch Bodenverarbeitung vorausgegangen sein und diese unterstützt haben." Corentin Loron, Universität Lüttich

    Pilze hätten dann ökologische Nischen geschaffen, den Boden verbessert sowie die Nährstoffaufnahme und die oberirdische Produktivität gesteigert.

    Altersbestimmung mit Radioaktivität

    Um das Alter der Urpilze zu ermitteln, bestimmten Loron und seine Kollegen das Alter der Schicht, die unter den Fossilien liegt, mit der Uran-Blei-Datierungstechnik. Dabei wird das Verhältnis von radioaktiven und nicht-radioaktiven Isotopen in einer Gesteinsprobe gemessen. Die Forscher kamen auf diese Weise auf ein Alter von etwa einer Milliarde und zehn Millionen Jahren. Mit der Rhenium-Osmium-Methode, bei der ebenfalls das Verhältnis von Isotopen bestimmt wird, datierten sie organisches Material aus der Schicht über den Fossilien auf etwa 892 Millionen Jahre.

    Der versteinerte Pilz Ourasphaira giraldae dazwischen ist demnach etwa 900 Millionen bis eine Milliarde Jahre alt. Die ältesten Fossilien, die vorher eindeutig als Pilze identifiziert wurden, sind 410 Millionen Jahre (Fundort: Schottland) und 450 Millionen Jahre (Fundort: Wisconsin, USA) alt.

    Es waren Pilze, keine Pflanzen

    Dass es sich bei den nun vorgestellten Fossilien tatsächlich um Pilze handelt, belegen die Wissenschaftler mit der Analyse von Formen und Feinstrukturen sowie spektroskopischen Messungen. In den zweischichtigen Zellwänden wiesen die Forscher mithilfe von Spektroskopie die organischen Substanzen Chitin und Chitosan nach. Zellulose, die der Hauptbestandteil pflanzlicher Zellwände ist, kommt in der Zellwand von Ourasphaira giraldae dagegen nicht vor.

    Da die Untersuchungsmethoden immer besser werden, vermuten die Wissenschaftler, dass künftig mehr sehr alte Pilzfossilien gefunden werden könnten.