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Physik-Nobelpreis: Das Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße | BR24

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Seit vielen Jahren forscht Reinhard Genzel am Max-Planck-Institut an sog. Schwarzen Löchern. Nun hat er dafür den Physik-Nobelpreis erhalten.

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Physik-Nobelpreis: Das Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße

Der diesjährige Physik-Nobelpreis geht an das supermassereiche Schwarze Loch im Zentrum unserer Milchstraße – oder zumindest an die Forscher, die die theoretischen Grundlagen entwickelt und es entdeckt haben. Darunter der Deutsche Reinhard Genzel.

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Man stelle sich unsere Milchstraße vor: eine Balkenspiralgalaxie voller leuchtender Sterne. Natürlich gibt es dort noch viele andere Dinge, Gas und Staub zum Beispiel, dunkle Wolken, leuchtende Materiewolken, aber ganz im Zentrum versteckt sich einer der wohl nach wie vor mysteriösesten Himmelskörper, die das All uns Menschen zu bieten hat: ein supermassereiches Schwarzes Loch. Sagittarius A* heißt es.

Der diesjährige Nobelpreis für Physik geht an drei Forscher, die seine Existenz einerseits zunächst theoretisch beschrieben haben und die andererseits nachgewiesen haben, dass dieses exotische Konstrukt tatsächlich existiert: an den Briten Roger Penrose, Reinhard Genzel aus Deutschland und an die US-Amerikanerin Andrea Ghez.

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Genzel: "Hab's nicht erwartet"

Genzel, Direktor des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik in Garching, erfuhr durch einen Anruf aus Stockholm von der Ehrung. "Ich hab's wirklich nicht erwartet", sagte er bei einer Pressekonferenz. Er habe 2012 von der schwedischen Akademie bereits den Crafoord-Preis erhalten. "Normalerweise ist man raus aus dem Geschäft", erläuterte der 68-Jährige. Er sei für den Nobelpreis "wahnsinnig dankbar".

Für ihn sei die Auszeichnung so schön, weil es auch eine Ehre für die Max-Planck-Gesellschaft sei, "die uns so viel zur Verfügung gestellt hat". Und es sei eine Ehre für das ganze Team, das 30 Jahre geschuftet habe, "um uns immer besser zu machen".

Hochkompakte Raumzeit und die Allgemeine Relativitätstheorie

Albert Einstein hat die Allgemeine Relativitätstheorie entwickelt – eine Theorie, wie unser Universum aufgebaut ist. Es ist eine Theorie von Raum und Zeit, in der diese beiden Dimensionen untrennbar zur vierdimensionalen Raumzeit verbunden werden, in der massebehaftete Körper unmittelbar Auswirkungen auf diese Raumzeit haben. Es ist auch eine Theorie, für die Einstein selbst keinen Physik-Nobelpreis erhalten hat. Den bekam er für die Beschreibung des photoelektrischen Effekts.

Was aber passiert nun, wenn man Masse, also Materie, immer weiter zusammendrückt und quetscht? Wenn zum Beispiel ein Stern am Ende seiner Entwicklung all seinen Brennstoff verbraucht hat, unter seiner eigenen Schwerkraft kollabiert und immer weiter kollabiert?

Roger Penrose und das Schwarze Loch der Allgemeinen Relativitätstheorie

Wenn man so will, hört dieser Kollaps nie auf. Es entsteht eine sogenannte Singularität, ein Objekt, an dessen Grenzen die Anziehungskraft aufgrund der Schwerkraft unendlich groß wird und in dessen Inneren Raum und Zeit aufhören, zu existieren.

Das klingt dramatisch, bedeutet aber in der Praxis einfach: Fällt man einmal hinein, kommt man nie wieder hinaus. Man müsste unendlich viel Energie aufbringen, um den Ereignishorizont – also die Grenze – eines Schwarzen Loches wieder zu überqueren.

Das klingt exotisch und das ist es auch. Es war der britische Physiker Roger Penrose, der gezeigt hat, dass die Allgemeine Relativitätstheorie tatsächlich die Entstehung von Schwarzen Löchern "erlaubt".

Zwischen Theorie und Existenz der Schwarzen Löcher

Aber nur, weil eine Theorie prinzipiell die Existenz von Schwarzen Löchern beschreibt, heißt das noch lange nicht, dass dies tatsächlich auch der Fall ist. Schließlich könnte es sein, dass die Theorie einige Mängel aufweist – obwohl das bei der Allgemeinen Relativitätstheorie derzeit nicht der Fall zu sein scheint, sie wird immer wieder aus Neue bestätigt.

Ein Objekt, das inzwischen mal mehr, mal weniger liebevoll als "Massenstaubsauger", "Massenmonster", etc., tituliert wird und in dessen Zentrum eine mathematische Singularität – sozusagen die Null im Nenner – lauert – kann es das wirklich geben?

Schwarze Löcher sind unsichtbar

Erschwerend kommt noch hinzu, dass ein Schwarzes Loch seinem Namen alle Ehre macht. Noch nicht einmal Licht kann dem Einfluss seiner Schwerkraft entkommen. Das heißt aber auch: Ein Schwarzes Loch selbst ist komplett unsichtbar, und zwar in allen Wellenlängenbereichen, die das elektromagnetische Spektrum zu bieten hat.

Wie also könnte man nachweisen, dass es existiert?

Auf der Jagd nach Sagittarius A*

Hier kommen nun Reinhard Genzel und Andrea Ghez ins Spiel. Sie und ihre Teams richteten ihre Teleskope auf das Zentrum unserer Milchstraße, wo etwas Seltsames vor sich ging. Irgendetwas mit sehr viel Masse sollte sich dort im Zentrum verstecken.

Könnte es sich dabei um ein supermassereiches Schwarzes Loch handeln?

Vielleicht könnte sich dies über seinen Einfluss auf seine Umgebung bemerkbar machen – auf das Gas und auf den Staub, auf die Wolken und auf die Sterne, die in der Nähe um das Schwarze Loch kreisen. Indem man diese Himmelskörper genauer untersucht, könnte man vielleicht einen indirekten Hinweis auf das Schwarze Loch erhalten.

Ein Blick in das Zentrum der Milchstraße

Doch auch ein Blick ins Zentrum der Milchstraße ist nicht so einfach. Wenn wir hier auf der Erde mit bloßem Auge in das Zentrum schauen – es ist übrigens im Sternbild Schütze – würden wir zwar einen hellen Teil des Bandes der Milchstraße sehen, weil sich dort besonders viele Sterne befinden. Dort befindet sich aber auch viel Gas und Staub, die den Astronomen im optischen Wellenlängenbereich die Sicht unmöglich machen. Gas und Staub absorbieren das Licht des galaktischen Zentrums, lange, bevor es irdische Teleskope erreicht.

Die Astronomen nutzten somit Infrarotteleskope – also Teleskope, die letztendlich die Wärmestrahlung von Himmelskörpern aufzeichnen können. Dabei stießen sie auf Sterne, die im Zentrum der Milchstraße um ein supermassereiches Objekt zu kreisen schienen. Dabei waren die Umlaufbahnen extrem eng: Ein Stern brauchte beispielsweise für eine Umrundung lediglich 16 Jahre.

Das supermassereiche Schwarze Loch ist gefunden: Sagittarius A*

Aus den Messungen der Bahnen kann auf die Masse des Objekts im Zentrum geschlossen werden: Es versammelt rund 4 Millionen Sonnenmassen in sich und ist dabei kaum größer als unser Sonnensystem. Die Allgemeine Relativitätstheorie lässt somit keinen anderen Schluss zu: Das muss ein supermassereiches Schwarzes Loch sein.

Da es sich von uns betrachtet im Sternbild Schütze befindet, heißt es Sagittarius A*. Dank der Forschung der diesjährigen Nobelpreisträger wissen wir nun, was sich im Zentrum der Galaxie befindet – auch wenn wir es nicht direkt sehen können.

Nobelpreiswürdig und Nobelpreiswoche

Nobelpreisträger Reinhard Genzel erklärt selbst seine Forschung und die Jagd nach dem Schwarzen Loch unter anderem hier in einem Vortrag der Bayerischen Akademie der Wissenschaften aus dem Jahr 2017.

Am 6.10. wurde verkündet, dass der diesjährige Nobelpreis für Medizin oder Physiologie für die Erforschung des Hepatitis-C-Virus vergeben wird. Am Mittwoch, 7.10., wurde der Chemienobelpreis für die Entdeckung der Genschere Crispr/Cas9 verliehen. Am Donnerstag und am Freitag folgten der Literaturnobelpreis sowie der Friedensnobelpreis.

© Bayerischer Rundfunk

Die Existenz von schwarzen Löchern zu beweisen, gleicht einem Indizienprozess. Nun gibt es ein erstes Foto. Und Garchinger Forscher sind bei der Beweisführung auch auf einem ziemlich guten Weg.

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