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Pflanzen bitte nicht anfassen! | BR24

© picture alliance/blickwinkel

Ackerschmalwand / Ackerschotenkresse (Arabidopsis thaliana)

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    Pflanzen bitte nicht anfassen!

    Pflanzenfreunde müssen jetzt ganz stark sein: Ein australisch-neuseeländisches Forscherteam konnte nachweisen, dass Pflanzen Berührungen nicht mögen. Der Reiz versetzt sie in Stress.

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    Testobjekt war die Pflanze Ackerschmalwand oder auch Ackerschotenkresse (Arabidopsis thaliana). Auf Berührungen von Mensch, Tier und Pflanzen reagierten die Testpflanzen mit einer starken genetischen Abwehrreaktion, die sich in verzögertem Wachstum zeigt:

    "Die leichteste Berührung von Menschen, Tieren, Insekten oder sogar Pflanzen, die sich im Wind berühren, löst eine umfangreiche Genreaktion in der Pflanze aus. [...] Innerhalb von 30 Minuten nach der Berührung werden 10 Prozent des Genoms der Pflanze verändert. [...] Dies bedeutet einen enormen Energieaufwand, der dem Pflanzenwachstum entzogen wird. Wenn die Berührung wiederholt wird, wird das Pflanzenwachstum um bis zu 30 Prozent reduziert." Professor Jim Whelan, Studienleiter vom Institute for Agriculture and Food, La Trobe University, Melbourne, Australien.

    Wie erkennen Pflanzen Freund oder Feind?

    Warum die Pflanzen so heftig reagieren, wissen die Forscher von der La Trobe University (noch) nicht. Sie sehen durch die Entdeckung neue Ansätze zur Reduzierung der Empfindlichkeit und zur Wachstumsoptimierung. Für neue Züchtungen ist es aber noch zu früh. Einfach abgewöhnen kann man den Pflanzen nicht, dass sie auf Berührung innerlich Zusammenzucken. Es besteht die Möglichkeit, dass Pflanzen die Abwehrreaktion brauchen, um sich gegen Krankheiten zu wappnen. Auch ihre Empfindlichkeit gegen Kälte und Hitze sowie ihr Gespür für den optimalen Zugang zu Sonnenlicht sollten die Gewächse nicht verlieren. Dem Forscherteam ist auch noch nicht ganz klar, wie Pflanzen zwischen Freund und Feind unterscheiden, denn sie machen da durchaus Unterschiede:

    "Wir wissen, dass, wenn ein Insekt auf einer Pflanze landet, Gene aktiviert werden, die die Pflanze darauf vorbereiten, sich gegen das Gefressen werden zu wehren. Aber Insekten bringen den Pflanzen auch viele Vorteile, also wie unterscheiden sie zwischen Freund und Feind?" Dr. Yan Wang, Co-Autor der Studie, La Trobe University

    Die Ackerschmalwand - Arabidopsis thaliana

    Die Arabidopsis thaliana ist ein Unkraut, hat aber Modellcharakter. Sie ist eine der beliebtesten Arten für die Grundlagenforschung an Pflanzen. Ihr Genom ist seit dem Jahr 2000 vollständig entschlüsselt. Die Ackerschmalwand hat nur 10 Chromosomen, in denen die Erbinformation versteckt ist. Zum Vergleich: der Mensch hat durchschnittlich 46 Chromosomen, der Goldfisch 94, der Karpfen 104 und manche Farnarten mehr als 600. Außerdem braucht die Pflanze nur sechs bis acht Wochen vom Samen-Stadium zur ausgereiften Blüte und bestäubt sich selbst.

    Arabidopsis im All

    Obwohl die Ackerschmalwand genetisch bescheiden daherkommt, gehört sie zu den höheren Pflanzen und eignet sich gut als Modellorganismus für Versuche. So teilt die Arabidopsis zum Beispiel rund 70 Prozent ihrer Gene mit Nutzpflanzen wie dem Reis (Oryza sativa) und lässt damit Vergleiche zu. 1982 flog die Arabidopsis sogar ins All - später gefolgt von anderen Artgenossen - und wurde auf der sowjetischen Raumstation Saljut 7 angebaut. So steht es im Guinnessbuch der Rekorde.