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Palliativstation statt Suizid | BR24

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Eine Kerze in der Palliativstation der Barmherzigen Brüder zeigt an, dass ein Patient gestorben ist.

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    Palliativstation statt Suizid

    Viele Menschen, die schwer erkrankt sind, haben Angst, zu leiden und denken an Suizid. In der Sprechstunde "Weiterleben in Würde" von den Barmherzigen Brüdern in München finden sie neue Perspektiven, ihre letzte Zeit in Würde zu verbringen.

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    Dr. Markus Schlemmer kennt viele Geschichten von schwerkranken Menschen, die kurz vor dem Ende ihres Lebens stehen. Er leitet die größte Palliativstation Deutschlands im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder. Dass trotz verbesserter Palliativmedizin der Ruf nach Sterbehilfe immer lauter wird, hat den Arzt dazu bewogen, eine neuartige Sprechstunde anzubieten. „Weiterleben in Würde“ nennt sich das Beratungsangebot, das er und seine Kollegen aufgebaut haben. Zielgruppe sind Menschen, die im weit fortgeschrittenen Stadium an einer unheilbaren Krankheit leiden sowie deren Angehörige.

    Am häufigsten haben die Patienten Angst vor Schmerzen und vor einem grausamen Tod. Die kann der Palliativmediziner nehmen. Schwieriger ist freilich die Sorge, auf die Hilfe von anderen angewiesen zu sein und ihnen zur Last zu fallen.

    Bedürfnisse wahrnehmen

    Dr. Schlemmer kennt die Ängste seiner Patienten. Mit seinem Team von Pflegekräften, Palliativmedizinern, Psychologen und Seelsorgern geht er dagegen an: "Ich glaube, dass es für Patienten ganz wichtig ist, dass sie auf ein Team treffen, das sagt: 'Wir nehmen dich wahr, deine Nöte und Sorgen'." Individuell geht man deshalb auf die Wünsche der Patienten ein. Das kann bedeuten, dass auch der geliebte Hund noch einmal auf der Station vorbeischauen darf. Neben der optimalen medizinischen Versorgung nimmt man sich hier viel Zeit.

    Andere Wege sehen

    Im Suizid nicht den einzigen Ausweg sehen, andere Möglichkeiten aufzeigen, das Leben bis zuletzt in Würde zu leben zu können, das ist das Ziel der Therapeuten in der Beratungsstelle der Barmherzigen Brüder: "Wir haben bisher 74 Patienten beraten, die zu uns gekommen sind mit der Bitte, ihnen zu helfen, sich zu töten - mit dem Wunsch, in die Schweiz zu fahren und sich dort helfen zu lassen. Nach meiner Information haben sich nach unserer Beratung von 74 Menschen, nur drei für diesen letzten Schritt entschieden. Ich glaube, wenn man Patienten die wahrhaftige Information gibt, dass es Möglichkeiten der Hilfe gibt, nehmen die allermeisten davon Abstand, sich selbst zu töten. "

    Kreisen Ihre Gedanken darum, sich das Leben zu nehmen? Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber. Das können Freunde oder Verwandte sein, müssen es aber nicht. Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0800 1110111 und 0800 1110222. Der Anruf bei der Telefonseelsorge ist nicht nur kostenfrei, er taucht auch nicht auf der Telefonrechnung auf, ebenso nicht im Einzelverbindungsnachweis.

    Ebenfalls von der Telefonseelsorge kommt das Angebot eines Hilfe-Chats. Das dritte Angebot der Telefonseelsorge ist die Möglichkeit der E-Mail-Beratung. Auf der Seite der Telefonseelsorge melden Sie sich an und können Ihre Nachrichten schreiben und Antworten der Berater lesen. So taucht der E-Mail-Verkehr nicht in Ihren normalen Postfächern auf.

    Mehr zum Thema "Palliativstation statt Suizid" in STATIONEN am Mittwoch, 8. Mai 2019, und im Anschluss in der Mediathek.