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Outdoor-Kleidung: Merinowolle statt giftiger Kunstfaser | BR24

© picture-alliance/dpa

Fleecejacken bestehen aus synthetischen Fasern, die mit Chemikalien hergestellt werden und Mikroplastik absondern.

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Outdoor-Kleidung: Merinowolle statt giftiger Kunstfaser

Outdoor-Bekleidung ist funktional, atmungsaktiv und wetterfest. Damit das so ist, müssen bei der Produktion giftige Chemikalien verwendet werden - eine Gefahr für Umwelt und Verbraucher. Dass es auch anders geht, beweist ein bayerisches Label.

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Synthetische Outdoor-Kleidung frisst fossile Ressourcen und verschärft das Mikroplastik-Problem. Denn sie besteht aus synthetischen Fasern. Bei jedem Waschgang lösen sich winzige Partikel der Textilfasern und landen als Mikroplastik in den Gewässern und Meeren. 35 Prozent des Mikroplastik-Aufkommens stammt aus synthetischer Kleidung, besagt eine Studie der International Union for Conservation of Nature von 2017.

Chemikalien gefährden Umwelt und Gesundheit

Die Chemieindustrie hat verschiedenste Substanzen mit praktischen Eigenschaften im Angebot, um Outdoor-Mode funktional zu machen. Aber manche Imprägnierungen für Regen- oder Outdoorjacken gefährden die Natur und unsere Gesundheit, denn sie enthalten gefährliche Giftstoffe - zum Beispiel krebserregende Substanzen wie perfluorierte Chemikalien, die die Kleidung wetterfest machen, sowie "Phtalate" als Weichmacher oder giftige Lösungsmittel wie "Nonylphenol".

Greenpeace hat Giftstoffe nachgewiesen

All diese Chemikalien hat Greenpeace in Studien und Untersuchungen zur Textilproduktion nachgewiesen. Im Produkttest von 2016 untersuchte Greenpeace 40 Outdoor-Produkte - von Bekleidung bis zur Campingausrüstung. Nur vier von ihnen enthielten kein PFC. Das sind per- und polyfluorierende Chemikalien, die die Textilindustrie für die Herstellung wasserdichter Membranen und wasser- sowie schmutzabweisender Beschichtungen verwendet.

PFC verursachen Schäden an Mensch und Natur

Greenpeace weist auf die globalen Auswirkungen des Einsatzes solcher Chemikalien hin. Was zum Beispiel die Regenjacke so resistent gegen die Nässe macht, verbleibt auch dauerhaft in Flüssen, Seen und im Grundwasser. Da die chemischen Verbindungen nicht auf natürlichem Weg abgebaut werden können, verbreiten sie sich mehr und mehr über den gesamten Erdball. Über Nahrung, Luft und Trinkwasser gelangen die Gifte in den Körper von Mensch und Tier und sind mittlerweile sogar bei Eisbären der Arktis und Pinguinen auf Feuerland nachgewiesen worden.

Textilmarkt ändert sich

Langsam aber bewegt sich was auf dem Textilmarkt: Millionen Menschen unterstützen weltweit die Greenpeace-Kampagne "Entgiftet unsere Kleidung". Mit großem Erfolg: Bereits 79 globale Modemarken haben sich verpflichtet, bis 2020 Schadstoffe durch ungefährliche Substanzen zu ersetzen.

Inzwischen gibt es viele Labels, die nachhaltig und sauber produzierte Kleidung versprechen. Eines kommt aus Bayern, heißt "Kaipara" und wirbt mit ökologisch korrekter Outdoor-Kleidung aus Merino-Wolle.

Ökologische Mode aus Bayern

Kaipara-Gründer Frank Selter lässt im unterfränkischen Königsberg seine Textilien schneidern. Für sein Sortiment verwendet er neuseeländische Merino-Wolle.

Merinowolle kann all das selbst, was Outdoorkleidung nur mithilfe von Chemikalien kann. Sie ist sozusagen die Funktionsfaser der Natur: Merino ist atmungsaktiv und feuchtigkeitsregulierend. Zudem wärmt sie, wenn es kalt ist, und kühlt, wenn es warm ist.

Kompromiss bei den Farben

Soll die Kleidung massentauglich sein, wird es allerdings keine hundertprozentige Nachhaltigkeit geben. Auch Frank Selter verzichtet bei seiner Merino-Sportswear nicht komplett auf Chemie – zum Beispiel bei den Farben.

Ökofarben sind in der Regel eher blass – das entspricht häufig nicht den Kundenwünschen. Zudem reagieren Allergiker oft stärker auf Naturfarben als auf chemische Farben. Deswegen werden auch bei Kaipara chemische Farben eingesetzt. Trotzdem setzt Kaipara auch hier auf hohe Standards. Die Farben müssen zum Beispiel frei von Azofarben sein.

Öko-Siegel garantieren Standards, verwirren mitunter aber

Diese "Standards" werden durch Öko-Siegel festgelegt. Frank Selters' Stoffe tragen das EU-Nachhaltigkeits-Label EMAS und das neuseeländische Siegel "ZQ-Merino", das unter anderem auf den Tierschutz achtet. Die Einhaltung der Kriterien wird regelmäßig überprüft.

Öko-Siegel gibt es unzählige - für den Verbraucher ein schwer zu durchschauendes Wirr-Warr. Ein Beispiel: der von Entwicklungsminister Gerd Müller geplante "Grüne Knopf". Der will mit "100-prozentiger Sicherheit" nachhaltige Textilien kennzeichnen. Doch die Kritik wächst: Das Siegel gelte nicht für die gesamte Produktionskette, setze auf freiwillige Teilnahme - und sei deshalb vielleicht nur eine weitere Möglichkeit für die Industrie, sich "grün zu waschen", so die Kritiker.

Kleidung aus Merinowolle: Inspiration aus Neuseeland

Frank Selter, der 16 Jahre lang bei einem großen Bekleidungskonzern gearbeitet hat, suchte 2010 nach persönlicher Veränderung, kündigte und ging mit seiner Frau auf Weltreise. In Neuseeland hatte er dann sein persönliches "Erweckungserlebnis". Er entdeckte in einem Shop Ware einer neuseeländischen Marke, die ökologisch produziert und Merinowolle verwendet.

Daraufhin gründete er 2012 seine Marke "Kaipara" - unter nachhaltigen und fairen Vorzeichen. Geschneidert wird ausschließlich in Deutschland. Um die Preise möglichst niedrig zu halten, vertreibt er alles nur online. Verpackt wird ohne Plastik - ausschließlich in Papier, in recycelten Kartons und mit ökologisch korrektem Klebeband. Der Versand erfolgt CO2-neutral. Ganz im Sinne der Nachhaltigkeit.

© BR

Merionwolle