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Weiß, braun, bunt: Eier-Vielfalt ohne Pinsel | BR24

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Bildrechte: pa / dpa / Patrick Pleul

An der Farbe der Ohrscheibe erkennt man, ob ein Huhn braune oder weiße Eier legt. Vor allem Höhlenbrüter legen weiße Eier, weil sie in der Dunkelheit besser zu finden sind. Bunte Eier sollen männliche Vögel zum Brüten animieren.

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Weiß, braun, bunt: Eier-Vielfalt ohne Pinsel

Zu Ostern sind weiße Hühnereier begehrt, weil sie sich besser färben lassen. Ansonsten werden dagegen eher braune Eier gekauft, sie gelten irrtümlich als gesünder und ökologischer. Fünf Fakten über Eier und ihre "natürliche" Färbung.

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Von
  • Susanne Delonge

Alle Jahre wieder: Zu Ostern sind weiße Hühnereier besonders begehrt, weil sie sich besser färben lassen. Im übrigen Jahr werden dagegen viel mehr braune Eier gekauft – in Deutschland machen sie etwa 70 Prozent im Supermarkt aus. Sie werden irrtümlich für gesünder und ökologischer gehalten.

Warum gibt es verschiedene Eierfarben?

Die Vorfahren unserer Haushühner lebten vor über 8.000 Jahren im Dschungel in Südostasien und haben, so der Biologe Dr. Moritz Hertel vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen, "mit Sicherheit keine weißen Eier gelegt", denn sie mussten sie im Gehölz des Dschungels tarnen. Weiße Eier entstanden irgendwann zufällig durch eine Genmutation. Der Mensch fand sie attraktiv und züchtete die Hühner weiter. Aber auch die braunen Eier und alle anderen heutigen Hühnereierfarben sind das Ergebnis der Jahrtausende langen menschlichen Zucht.

Wie entsteht die Eierfarbe?

Welches Huhn welche Eierfarbe legen wird, erkennt man an einer kleinen kahlen Hautstelle am Kopf des Huhns, der sogenannten Ohrscheibe. Ist sie rot oder rosa, legt das Huhn braune Eier. Ist die Ohrscheibe cremefarben oder weiß, legt das Huhn weiße oder helle Eier. Hühner, die grüne Eier legen, haben keine Ohrscheibe, sondern stattdessen einen kleinen Federbüschel.

Die Eierschalenfarbe entsteht erst kurz vor dem Legen im Uterus des Huhns. Es handelt sich dabei um Abbauprodukte des Blutes, die als Farbpigmente aufgetragen werden. Auf manchen Eiern sieht man daher noch dunkle Punkte oder Schlieren.

Je nach Hühnerrasse entstehen die Eier in verschiedenen Regenbogenfarben, ähnlich wie bei einem blauen Fleck beim Menschen. Hühner, die weiße Eier legen, haben das Farbpigment durch eine genetische Mutation verloren. Weder die Ernährung des Huhns, noch die Haltung oder die Farbe des Gefieders entscheiden also über die Farbe der Eierschale, sondern allein die Rasse.

Wo gibt es bunte Eier?

Etwa bei Willi Reiner in Dasing bei Augsburg. Allerdings verkauft der Hobbyzüchter keine Eier zum Essen, sondern nur Bruteier. Seine Hühner der Spezialrassen Barnevelder und Sulmtaler, Araucaner, Wyandotten, White Rocks, schwedische Isbar, Cream Legbar, Blumenhühner und andere legen grüne, olivfarbene, türkise, cremefarbene und dunkelbraune Eier. Besonders gefragt sind die dunkelbraunen Eier, Willi Reiner nennt sie "Schokoeier", die von den französischen Marans-Hühnern gelegt werden. Die Eier verschickt Willi Reiner zum Ausbrüten in die ganze Welt, denn immer mehr private Hühnerliebhaber wollen die hübschen Hühner im Garten halten und ihre bunten Eier essen.

Sind farbige Eier gesünder?

Egal ob weiß oder hellbraun, grün, oliv oder dunkelbraun: Die Farbe der Eierschale spielt weder für den Geschmack noch beim Nährstoffgehalt des Eis eine Rolle. Je nach Art des Futters verändert sich lediglich die Farbe des Eidotters und die Festigkeit der Schale. Im Supermarkt gibt es nur weiße oder hellbraune Eier, die alle sowohl aus konventioneller Produktion als auch aus Biohaltung stammen können – entscheidend ist der Aufdruck auf dem Ei. Die buntlegenden Hühnerrassen sind nicht für die industrielle Großproduktion geeignet, bunte Eier stammen also nie von Hochleistungshühnern.

Bunte Eier auch bei wilden Hühnern

Nicht immer wollen Hühner ihre Eier tarnen. So legt zum Beispiel das südamerikanische Steißhuhn, der Tinamus, lackglänzende leuchtend bunte Eier in türkis, bourdeaux-rot, violett, blau und grün. Laut Moritz Engel gibt es eine Theorie, warum manche Vogelarten so knallig-bunte Eier legen: Danach sollen die Männchen die Eier ausbrüten. Um sie für den langweiligen Brutjob zu begeistern, versuchen die Weibchen möglichst attraktive Eier zu legen.

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