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Orcas durch das Umweltgift PCB bedroht | BR24

© dpa-Bildfunk/Audun Rikardsen

Ein Orca schwimmt die Küste Nordnorwegens entlang. Das langlebige Umweltgift PCB bedroht einen großen Teil der weltweiten Orca-Populationen.

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    Orcas durch das Umweltgift PCB bedroht

    Orcas, die Meeressäuger mit dem charakteristischen schwarzen Rücken und dem weißen Bauch, haben keine natürlichen Feinde. Doch ein bestimmtes Umweltgift bedroht in einigen Gewässern ganze Bestände der Delfin-Art.

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    Orcas oder Schwertwale werden auch Killerwale genannt, doch das ist nicht ganz zutreffend. Die größten Exemplare aus der Familie der Delfine greifen nicht wahllos Tiere oder Menschen an. Mit ihren vierzig kräftigen Zähnen machen sie gemeinsam Beute auf Fische, Vögel, Kalmare, kleinere Wale und Robben. Als Gesundheitspolizei der Meere leben die bis zu acht Tonnen schweren Orcas vor allem in den kalten Gewässern der Arktis und Antarktis und fressen dort auch kranke oder schwache Tiere.

    Umweltgift PCB reichert sich in der Nahrung an

    Vielleicht wird ihnen gerade dieses räuberische Element zum Verhängnis. Denn neben den Unmengen an verschlungenen Tieren nehmen die Schwertwale, die an der Spitze der Nahrungskette stehen, auch Umweltgifte auf, die gelöst im Wasser vorkommen. Besonders das langlebige Umweltgift PCB (Polychlorierte Biphenyle) dem Hitze, Säure und Wasser nichts ausmacht, reichert sich langfristig in der Nahrungskette an.

    Giftstoffe bauen sich nicht ab

    In dem Zeitraum von 1930 bis in die 1990er-Jahre wurden die giftigen und krebsauslösenden Verbindungen in einer Menge von bis zu 1,5 Millionen Tonnen weltweit produziert. In Deutschland wurde die Produktion der als Weichmacher in Lacken, Dichtungsmassen und Kunststoffen verwendeten Stoffe Ende der 1980er-Jahre verboten. Endgültig einigten sich 120 Staaten in der "Stockholmer Konvention", die im Mai 2004 in Kraft trat, auf ein Verbot. Doch die Giftstoffe haben sich längst überall auf der Erde ausgebreitet. Sie sind in der Atmosphäre, den Gewässern und im Boden nachweisbar.

    PCB verhindert Schwertwal-Nachwuchs

    Die Stoffe reichern sich aufgrund ihrer Langlebigkeit in der Nahrungskette an. So auch in dem Fettgewebe von Orcas. Dort wurden schon Konzentrationen von bis zu 1.300 Milligramm pro Kilogramm gefunden. Studien zeigen, dass bereits Werte von "nur" 50 Milligramm pro Kilogramm die Fortpflanzung verhindern und das Immunsystem der mächtigen Tiere schädigen können.

    Orca-Populationen unterschiedlich gefährdet

    Jean-Pierre Desforges von der dänischen Universität Aarhus und sein Team werteten die PCB-Werte von 351 Schwertwalen aus. Besonders belastet sind Orca-Populationen, die in der Nähe von Industriegebieten leben. Hier gefährdet das Umweltgift nach einer Hochrechnung für die kommenden hundert Jahre das dauerhafte Überleben vieler Populationen, weil es die Fruchtbarkeit der Meeressäuger schädigt. Das resümiert das Forscherteam im Fachjournal "Science" im September 2018.

    "In den belasteten Gebieten können wir nur noch selten neugeborene Orcas beobachten." Ko-Autorin Alisa Hall von der schottischen Universität St. Andrews

    In den am stärksten belasteten Gebieten drohe innerhalb der nächsten dreißig bis vierzig Jahre ein Zusammenbruch ganzer Populationen. In anderen, weniger belasteten Regionen der Arktis und Antarktis könne man dagegen sogar mit einem Wachstum der Populationen rechnen, schreiben die Wissenschaftler in ihrem Bericht.