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Norwegen lässt mehr als 2000 Rentiere töten

Mit dem "Rinderwahn" gelangten Prionenkrankheiten wie BSE ins öffentliche Bewusstsein. Doch nicht nur Rinder sind betroffen, auch Schafe und Rentiere. In Norwegen soll nun eine ganze Herde Rentiere getötet werden. Von Carsten Schmiester.

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Die norwegische Regierung will kein Risiko eingehen und handelt. Etwa 2.200 Rentiere einer Herde, die zwischen Oslo und Bergen lebt, sind zum Abschuss freigegeben. Sie sollen innerhalb der kommenden zwölf Monate getötet werden. So will man verhindern, dass sich die hoch ansteckende und tödliche "CWD"-Krankheit weiter ausbreitet. Sie wurde jetzt bei einigen der Tiere festgestellt.

"Noch leben die erkrankten Tiere abgeschirmt von anderen, größeren Rentierstämmen. Es ist also sinnvoll, schnell zu handeln, um die Ausbreitung der Krankheit möglichst zu verhindern. Die Chancen stehen gut, dass uns das gelingt." Jon Georg Dale, norwegischer Landwirtschaftsminister

CWD-Alarm gibt es in Norwegen schon seit gut einem Jahr. Mitarbeiter des Veterinärinstituts hatten im Frühjahr 2016 im Norden des Landes vom Hubschrauber aus eine am Boden liegende Rentierkuh gesichtet. Das kranke Tier starb kurze Zeit später und wurde in Oslo genau untersucht. Der Befund: "chronic-wasting disease". Der erste Fall dieser Art im Land.

Hoch ansteckend und tödlich

Die Krankheit ähnelt dem sogenannten "Rinderwahn" BSE und befällt Hirsche und Rentiere. Bei erkrankten Tieren kommt es zu schwammartigen Veränderungen im Gehirn, ausgelöst durch sogenannte "Prionen". Das sind keine Bakterien oder Viren, sondern Proteine. Der Krankheit verläuft immer tödlich: Die Tiere magern ab und verenden.

CWD ist zwar nach aktuellem Wissensstand nicht auf den Menschen übertragbar, aber dennoch gefürchtet. Sie grassiert seit langem schon in 20 Bundesstaaten der USA, dazu in zwei kanadischen Provinzen und seit den 1990-er Jahren auch in Südkorea, nachdem infizierte Elche dorthin exportiert worden waren. In den USA sind Schätzungen zufolge inzwischen mehr als 20 Prozent aller Hirsche befallen.

Drastische Maßnahme ohne Erfolgsgarantie

Nicht alle Fachleute teilen den Optimismus der norwegischen Regierung, was die Eindämmung der Krankheit angeht. Wissenschaftler aus den USA hatten schon vor einem Jahr befürchtet, dass sich CWD von Norwegens Norden aus weiter verbreiten und am Ende Rentiere und Hirsche in ganz Europa bedrohen könnte. Ob die jetzt angeordnete tausendfache Rentier-Tötung das verhindern kann, ist völlig offen.