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Nördlinger Rieskrater: Auf den Spuren der Apollo-Astronauten | BR24

© pa/dpa

Im Rieskratermuseum ist neben der Aufnahme eines Astronauten auf dem Mond ein Stück Mondgesteim in einer Vitrine ausgestellt.

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Nördlinger Rieskrater: Auf den Spuren der Apollo-Astronauten

Wer heute das Nördlinger Ries besucht, wandelt auf den Spuren echter Astronauten. Im August 1970 diente der Krater als geologisches Trainingsgelände für die Besatzung der US-Weltraumission Apollo 14, die sich auf ihre Reise zum Mond vorbereitete.

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Am 21. Juli 2019 jährt sich die erste Mondlandung zum 50. Mal. Am 21. Juli 1969 hatten Neil Armstrong und Buzz Aldrin als erste Menschen den Mond betreten.

Nach diesem Erfolgserlebnis starteten in den darauffolgenden Jahren weitere Apollo-Missionen, um den Mond zu erforschen. Bayern hat dabei eine wichtige Rolle gespielt - um genauer zu sein, der Nördlinger Rieskrater.

Geologisches Feldtraining im Nördlinger Ries-Krater

Im Jahr nach der ersten Mondlandung besuchten 1970 vier Astronauten der NASA die Steinbrüche für ein geologisches Feldtraining. Darunter war auch Alan Shepard, der spätere Kommandant des Raumschiffes Apollo 14. Er war 1961 als erster Amerikaner ins All geflogen.

Die Öffentlichkeit hatte man damals versucht fernzuhalten. Wenigen Einwohnern aus der Umgebung ist es trotzdem gelungen, einen Blick auf die Astronauten zu erhaschen. Für sie ist die Begegnung bis heute eine wertvolle Erinnerung. So auch für den eigentlichen Tierfilmer Otto Hahn.

"Wer filmt schon Leute, die auf dem Mond waren?"

Durch einen Zufall konnte er die Astronauten in die Steinbrüche begleiten und wertvolle Aufnahmen machen: "Ist schon ein komisches Gefühl, wenn man daran denkt, was sich da abgespielt hat. Das war was Besonderes - heute auch noch - denn wer filmt schon Leute, die auf dem Mond waren", schwelgt Hahn in Erinnerungen.

Aber was war im Nördlinger Ries überhaupt so interessant, dass die NASA ihre Astronauten extra hierher zum Steine klopfen schickte?

Wie auf dem Mond: Ideale Lernbedingungen im Ries-Krater

Die Antwort liegt etwa 15 Millionen Jahre zurück, als ein Asteroid mit rund 1.000 Metern Durchmesser in die Erde einschlug. Ein sogenannter Impaktkrater entstand - das heutige Nördlinger Ries.

Für die Astronauten war der Rieskrater ein idealer Ort zum Lernen. Ihr Landeziel auf dem Mond sollte nämlich ein Gebiet sein, das man ebenfalls für einen Einschlagkrater hielt. In den Ries-Steinbrüchen konnten sie die charakteristischen Besonderheiten eines solchen Ortes kennenlernen. Außerdem wurden sie mit dem besonderen Suevit-Gestein vertraut.

Mit "Hämmerchen und Lupe" durch den Steinbruch

Gisela Pösges vom Geopark Ries führt heute die speziellen Gesteinslagen vor - das ältere Gestein wurde durch den Einschlag auf das jüngere überworfen: "Ein Gestein, was durch hohe Temperatur und hohen Druck beim Einschlag entstanden ist, zeigt auch Schmelzerscheinungen und beinhaltet die wichtigen Mineralien, die bei den Schmelzprozessen entstehen, um einen Krater auch zu identifizieren."

Die Astronauten seien im Rieskrater mit "Hämmerchen und Lupe" durchs Gelände gegangen, um dieses Gestein, den "brecciösen" Charakter, zu studieren und um diese Steine dann auf dem Mond wiederzuerkennen. Otto Hahn erinnert sich noch genau an die Stimmung beim Training:

"Die Astronauten waren sehr freundlich und hilfsbereit, haben sich immer mit ihrem Steinchen, das sie rausgehackt haben, zu meiner Kamera gedreht. Nur die Geologen, die da dabei waren, die Deutschen, die haben die Astronauten so behandelt als wären das ihre Kinder, auf die sie aufpassen müssen." Otto Hahn aus Bopfingen

Astronauten verbrachten mehrere Tage in Nördlingen

Die Astronauten verbrachten mehrere Tage in Nördlingen - das musste natürlich auch offiziell dokumentiert werden. Beauftragt wurde dafür die Fotografin Elfi Wagner. Sie erzählt: "Ich habe viel mitgekriegt von denen, und das waren wirklich ganz, ganz tolle Männer."

Ihre Fotos zeigen die Astronauten bei ihrer Ankunft, im Rathaus oder in der Kirche - auch beim Weizenbier trinken war Wagner mit ihrer Kamera dabei. "Sie sehen ja, die strahlen, und das Bier hat ihnen gut geschmeckt", sagt die Fotografin.

Vergleichbare Strukturen und ähnliches Gestein auf dem Mond

Anfang 1971 flogen Alan Shepard und Edgar Mitchell dann auf den Mond. Und die Apollo 14 Mission bestätigte, dass die geologischen Strukturen im Fra Mauro-Krater mit denen des Rieskraters vergleichbar sind. Und auch der irdische Suevit ist dem Impaktgestein im Mondkrater sehr ähnlich. Das Training hatte sich also gelohnt.

Nördlingen erhielt Mondstein als Dankeschön

Als Dankeschön erhielt das Nördlinger Rieskratermuseum einen Mondstein als Dauerleihgabe. Der damalige Oberbürgermeister Paul Kling und der Journalist Carl Völkl holten den Stein 1990 persönlich bei der NASA ab.

Die Begegnung mit dem Zollbeamten bei ihrer Einreise nach Deutschland bleibt den beiden unvergessen: "Die erste Frage natürlich war bei ihm, was ist das Ganze wert. Da haben wir gesagt, das ist ein ideeller Wert. Wenn man die Kosten des gesamten Mondunternehmens im Vergleich zu dem 85 Kilo Mondgestein in Beziehung setzt, dann wäre das Milliarden wert", so Nördlingens Ex-Bürgermeister Kling.

Völkl ergänzt: "Und da war er also überfordert mit der Situation und hat gesagt, da müssen wir zu seinem Chef gehen und da habe ich zum OB gesagt, Herr Oberbürgermeister, wenn wir das machen, dann erwischen wir unseren Zug nicht mehr."

Ein Stück Mond im Ries

Kurzerhand seien die beiden geradeaus weitermarschiert in Richtung Zug und glücklicherweise "ist auch alles gut gegangen", erinnert sich der Journalist.

Im Rathaus in Nördlingen wurde die Übergabe dann noch einmal feierlich für die Presse nachgestellt. Seitdem ist also ein Stück Mond im Ries zuhause - als Erinnerung an einen unvergesslichen Astronauten-Besuch.

© BR

Wie ist das Nördlinger Ries entstanden - durch Vulkanismus oder den Einschlag eines Asteroiden? Diese Frage war lange ungeklärt. Die US-amerikanischen Geologen Eugene Shoemaker und Edward C. T. Chao konnten 1960 das Rätsel lösen.