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Impfstoffe enthalten geringe Spuren der giftigen Chemikalie Formaldehyd.
© picture alliance/dpa/ Markus Scholz
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Impfstoffe enthalten geringe Spuren der giftigen Chemikalie Formaldehyd.

Impfungen schützen vor schlimmen Krankheiten, sie enthalten aber auch Spuren von Chemikalien. Ideal wäre es, Impfstoffe ganz ohne Chemie herzustellen.

Chemikalie Formaldehyd hemmt die Viren

Wenn Forscher aus Viren einen Impfstoff entwickeln, müssen sie die Erreger erst einmal außer Gefecht setzen. Mit der Chemikalie Formaldehyd machen sie die Viren inaktiv. Ihre äußere Hülle aber bleibt erhalten. Das ist wichtig, denn auf diese Hülle reagiert unser Immunsystem. So entsteht der Impfschutz. Ein sicheres Vorgehen, das Hersteller seit 70 Jahren so anwenden.

Chemikalien in Impfstoffen lehnen viele Menschen ab

Das Problem: Formaldehyd ist giftig. Aber wegen der geringen Menge - nur 0,02 Prozent Formaldehyd dürfen in einem Impfstoff enthalten sein - gilt es als unbedenklich. Zulassungsbehörden überprüfen bei jeder einzelnen Charge, dass dieser Wert eingehalten wird. Trotzdem steht die Chemikalie bei Impfgegnern immer wieder in der Kritik. Deshalb arbeiten die Leipziger Forscher an einem ganz anderen Herstellungsverfahren. Statt Chemikalien sollen Elektronenstrahlen den gewünschten Effekt liefern.

Die Erzeugung der Elektronenstrahlen ist relativ einfach. Das funktioniert in der Regel wie bei einem Fernseher. Man hat eine Strahlenquelle, und wenn man angeschaltet hat, beginnen die Strahlen auszutreten. Wir führen unsere virushaltige Flüssigkeit durch diese Strahlenquelle hindurch, sodass sie vollständig durchstrahlt wird." Sebastian Ulbert vom Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie in Leipzig.

Dabei zerstören die Strahlen das Erbgut der Viren, sodass sie für den Menschen ungefährlich sind.

Elektronenstrahlen hemmen Viren ohne Chemikalien

Die Erreger verlieren durch die Bestrahlung ihren Schrecken. Die Elektronenstrahlen wirken dabei nur über eine kurze Entfernung. Deshalb haben die Forscher ein Verfahren entwickelt, bei dem die virushaltige Flüssigkeit als hauchdünner Film über eine Rolle verteilt und diese vor der Strahlenquelle vorbeigeführt wird. Chemikalien sind dabei nicht nötig.

Elektronenstrahlen für Impfstoffe funktionieren im Tierversuch

Versuche mit Mäusen haben gezeigt, dass dieser Impfstoff genauso gut wirkt wie eine herkömmlich produzierte Impfung. Das klingt nach einem idealen Ansatz - aber andere Fachleute reagieren zurückhaltend und warnen vor zu hohen Erwartungen.

Der Ansatz ist interessant, aber die Forscher sagen selbst, dass frühestens in zwei bis vier Jahren erste klinische Prüfungen stattfinden können. Das heißt, bis dahin müssen sie einen Industriepartner gefunden und so fundierte Daten vorgelegt haben - die über erste Ansätze an Mäusen hinausgehen - dass sich ein Partner findet, der die Impfstoffproduktion umstellen will." Susanne Stöcker, Sprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts.

Manche Impfstoffe vertragen keine Chemikalien

Bislang ist die Datenlage spärlich. Aber es geht vielleicht auch gar nicht darum, bestehende Verfahren zu ersetzen. Interessant könnte die Methode bei Viren sein, gegen die es bislang keine Impfung gibt. Der Grund: Ihre gesamte Struktur würde sich durch Chemikalien verändern. Das wäre zum Beispiel beim Erkältungsvirus RSV der Fall. Hier müssen neue Wege beschritten werden.

In diesem speziellen Bereich könnte das neue Verfahren von Interesse sein. Aber es klingt für mich so, als würden die Forscher sagen: Impfstoffe gegen Influenza, gegen Tetanus und überall, wo Reste von Formaldehyd enthalten sind, das alles ließe sich künftig durch Strahlen ersetzen. Aber so einfach ist es nicht." Susanne Stöcker, Sprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts.

Trotzdem soll die Industrie bereits Interesse angemeldet haben. Es bleibt abzuwarten, ob gelingt, künftig einzelne Impfstoffe ganz ohne Chemikalien herzustellen.