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Coronavirus: Kommt neues Medikament in Weilheim zum Einsatz? | BR24

© BR/Jeanne Turczynski

Das Medikament gegen Corona ist noch nicht zugelassen, dank einer Sondergenehmigung wird es aber vielleicht am Klinikum Weilheim bundesweit das erste Mal bei einem Infizierten eingesetzt. Das antivirale Medikament war gegen Ebola entwickelt worden.

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Coronavirus: Kommt neues Medikament in Weilheim zum Einsatz?

Das Medikament gegen Corona ist noch nicht zugelassen, dank einer Sondergenehmigung wird es aber vielleicht am Klinikum Weilheim bundesweit das erste Mal bei einem Infizierten eingesetzt. Das antivirale Medikament war gegen Ebola entwickelt worden.

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Bei der Regierung von Oberbayern wurde eine Sondergenehmigung für ein in Deutschland noch nicht zugelassenes Corona-Medikament erteilt. Es handelt sich nach BR-Informationen um ein antivirales Medikament mit dem Wirkstoff Remdesivir.

Medikament wirkt auch gegen SARS und Ebola

Das neue Medikament war eigentlich gegen Ebola entwickelt worden. Der Virenhemmstoff zeigt aber auch gegen SARS und andere Viren Wirkung. Bei ersten Verabreichungen nach Sondergenehmigungen in Amerika und China sollen sich die Symptome bereits einen Tag danach auch bei Corona-Patienten verbessert haben.

Jedoch hat der Wirkstoff in Deutschland keine Zulassung, darum musste die Klinikleitung in Weilheim eine Sondergenehmigung von der Regierung von Oberbayern bekommen, um den Patienten damit behandeln zu können.

80-jähriger Patient in kritischem Zustand

Behandelt werden soll damit ein 80-jähriger Patient, der seit Ende letzter Woche auf der Intensivstation in Weilheim liegt. Sein Zustand sei kritisch, aber stabil. Der Mann war mit grippe-ähnlichen Symptomen ins Krankenhaus gekommen - wenig später wurde er positiv auf das Coronavirus getestet. Laut Klinikleitung hatte sich sein Zustand so sehr verschlechtert, dass ihm seit Donnerstag in Weilheim ein Medikament gegeben wurde, das eigentlich für die Behandlung von HIV zugelassen ist. Seitdem gehe es ihm ein wenig besser. Zusätzlich wurde das neue Medikament mit dem Wirkstoff Remdesivir angefordert, das dem Patienten verabreicht werden kann.

Ob der Patient das Medikament tatsächlich bekommt, ist noch offen. Wenn er weiterhin stabil bleibt, könne er herkömmlich behandelt werden, er wird künstlich beatmet und bekommt Sauerstoff. Die Klinik berät sich ärztliche mit den Medizinern das Schwabinger Krankenhauses, wo die ersten deutschen Corona-Patienten betreut wurden. Auch mit dem Uniklinikum Düsseldorf gibt es einen engen Kontakt, so Andreas Knez vom Klinikum Weilheim.

Wie wirkt das Medikament Remdesivir?

Der Wirkstoff des Mittels ähnelt den RNA-Bausteinen, die RNA-Viren wie SARS und Mers-CoV zur Vervielfältigung ihres Erbgutes benötigen. Wird von den viralen Oberflächen-Enzymen Remdesivir in die Viren-RNA, dem Träger der Erbinformation, eingebaut, kann sich das Virus nicht mehr vermehren. So beschreibt Matthias Gotte von der University of Alberta in Kanada die Wirkungsweise von Remdesivir im Journal of Biological Chemistry vom 24. Februar 2020.

Schnelle Verbesserung des Zustands

In den USA erhielt ein Covid-19-Patient den Wirkstoff am siebten Tag seiner Erkrankung und schon am nächsten Tag waren seine Symptome deutlich zurückgegangen, wie Mediziner im New England Journal of Medicine am 31. Januar 2020 berichteten.

"Obwohl Remdesivir bereits einigen Patienten mit Covid-19 verabreicht worden ist, haben wir bisher nicht genügend verlässliche Daten, um zu wissen, ob es wirklich den Verlauf beeinflusst." Anthony Fauci, Direktor des National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID)

Neues Medikament in Phase-3-Studie in USA und China

Nun laufen weitere klinische Phase-3-Studien mit Remdesivir an. Im Medical Center der University of Nebraska in Omaha werden zurzeit Covid-19-Patienten mit Lungenentzündung in einer randomisierten klinischen Studie mit dem Wirkstoff behandelt. Sie erhalten dafür am ersten Tag der Behandlung 200 Milligramm Remdesivir intravenös, an den Folgetagen jeweils 100 Milligramm, wie das NIAID mitteilte.

"Eine randomisierte Placebo-kontrollierte Studie ist der 'Goldstandard' um herauszufinden, ob eine experimentelle Therapie den Patienten hilft." Anthony Fauci, Direktor des National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID)

Klinische Phase-3-Studien sind die Vorläufer für die endgültige behördliche Zulassung einer Behandlung. Sie sollen bestätigen, dass ein Arzneimittel sowohl sicher als auch wirksam ist, indem sie seine Reichweite auf einen größeren Pool von Patienten ausweiten.

Behandlung von Patienten mit schwerem und mäßigem Verlauf

In Asien starten zeitgleich zwei weitere Studien mit insgesamt 1.000 Covid-19-Patienten, bei denen das Mittel in ähnlicher Dosierung wie in den USA intravenös verabreicht wird. In diesen Tests soll ermittelt werden, ob der Wirkstoff sowohl bei schweren als auch mittelschweren Verläufen der Krankheit wirkt und ob die Behandlung fünf oder zehn Tage lang anhalten muss.

Eine Gruppe von 400 Patienten mit schwereren Formen der Krankheit erhält das antivirale Mittel entweder fünf oder zehn Tage lang intravenös. Die Zeitdauer wird zufällig festgelegt.

Eine andere Gruppe von 600 Personen mit gemäßigteren Formen von Covid-19 wird entweder fünf oder zehn Tage lang behandelt oder erhält Behandlungen, die bereits auf dem Markt sind und für andere Coronavirus-Stämme verwendet werden. Die Trennung soll beurteilen, ob die Behandlung mit Remdesivir eine deutliche Verbesserung gegenüber den derzeit bei Patienten mit einer milderen Form der Krankheit verabreichten Anti-Viren-Mitteln (Virostatika) darstellt oder nicht.

"Diese ergänzenden Studien helfen uns, in kurzer Zeit eine breitere, globale Datenbasis zur Wirksamkeit des Mittels zu erhalten." Merdad Parsey, medizinischer Forschungsleiter bei Gilead

Sollte sich Remdesivir gegen SARS-CoV-2 bewähren, würde dies zwar nicht die Ausbreitung des Coronavirus stoppen. Es hilft aber dabei, Todesfälle durch Covid-19 zu verhindern.

© BR

Mit einer Sondergenehmigung darf das Klinikum Weilheim ein noch nicht zugelassenes Medikament einsetzen. Behandelt werden soll damit ein 80-jähriger Covid-19-Patient, der seit Ende letzter Woche mit kritischem Zustand auf der Intensivstation liegt.

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