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Neue Hoffnung im Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen | BR24

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Schweizer Forscher vermelden Erfolge bei der Forschung gegen multiresistente Keime. Derzeit wird ein Wirkstoff getestet, der auf eine neue Klasse von Antibiotika hoffen lässt.

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Neue Hoffnung im Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen

Schweizer Forscher vermelden die Entdeckung eines neuen Wirkstoffes, der auch multiresistente Keime zerstören kann. Bis das Medikament in den Apotheken verfügbar sein wird, dürften aber noch Jahre vergehen.

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Lange galten Antibiotika als Wundermittel gegen lebensbedrohliche Bakterien, doch die Medikamente verlieren zunehmend ihre Wirkung - sprich, die Krankheitserreger werden mehr und mehr resistent.

Hoffnung für den Kampf gegen solche multiresistenten Keime weckt nun die Entdeckung, über die Wissenschaftler der Universität Zürich und der von der Uni ausgegründeten Firma Polyphor in Basel im Wissenschaftsmagazin Nature berichten. Forschungsleiter Daniel Obrecht sagt, man habe Antibiotika entwickelt mit einem einzigartigen Wirkmechanismus. Er könne sogar robuste, doppelwandige Bakterien auslöschen.

Neue Antibiotikaklasse: Forscher optimistisch

Die Schweizer Forscher sprechen von einer komplett neuen Antibiotikaklasse, die sie Omptha-Klasse nennen. Der Wirkstoff zeige eine gute Aktivität gegen Superkeime und überwinde alle bekannten Resistenzmechanismen, so Daniel Obrecht.

"Diese Superkeime spielen bei allen lebensbedrohlichen Infektionen eine Rolle – also zum Beispiel bei Blutvergiftungen, bei Lungenentzündungen, Infektionen des Magen-Darm-Traktes sowie auch bei Infektionen der Harnwege." Daniel Obrecht, Co-Studienleiter Polyphor

Der Wirkstoff sei zwar von der Natur inspiriert, es handele sich jedoch um eine rein synthetische Substanz. Sie wird derzeit an Tieren auf Nebenwirkungen hin getestet. Bis das Medikament in Apotheken verfügbar ist, dürften noch Jahre vergehen.

Zu früh für Euphorie

Die Schweizer Forscher stünden noch sehr weit am Anfang, sagt denn auch skeptisch Tim Eckmanns, Experte für Antibiotikaresistenzen am Robert Koch-Institut in Berlin.

"Wir haben ein neues Produkt, das ist auch wirksam, das ist auch toll. Aber wir sind jetzt noch vor der ersten klinischen Prüfung – sprich, es ist noch nichts am Menschen überhaupt geprüft worden." Dr. Tim Eckmanns, Leiter Fachgebiet Antibiotika-Resistenzen Robert Koch-Institut

In diesen Prüfungen würden die meisten der Medikamente, die es bis dahin geschafft haben, nochmal ihre Zulassung verlieren, so Eckmanns. Es müssten noch viele Hürden genommen werden. Es sei wirklich noch zu früh für Euphorie.

Kampf gegen Keime auf allen Ebenen

Grundsätzlich rät der Experte, im Kampf gegen die gefährlichen Keime nicht allein auf neue Antibiotika zu setzen. Wichtig sei eine bessere Datenerhebung rund um Resistenzen, ein sinnvoller Einsatz von bestehenden Antibiotika und eine bessere Infektionskontrolle, sprich ein ganzes Bündel von Maßnahmen - von Hygiene in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen bis hin zur frühzeitigen Überwachung von Patienten mit multiresistenten Erregern.

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