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Nacht-Skifahren: Was nächtlicher Sport in der Natur bewirkt | BR24

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Es wird enger für Wildtiere in einer Welt, die auch nachts immer heller wird. Und alles nur, weil die Menschen mit ihrem Freizeit-Spaß zur Lichtverschmutzung beitragen - rund um die Uhr.

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Nacht-Skifahren: Was nächtlicher Sport in der Natur bewirkt

Es wird enger für Wildtiere in einer Welt, die auch nachts immer heller wird. Und alles nur, weil die Menschen mit ihrem Freizeit-Spaß zur Lichtverschmutzung beitragen – rund um die Uhr.

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Während wir im Winter in der warmen Stube sitzen, gibt es draußen im Wald Tiere, die ums Überleben kämpfen. Als Wildtier heißt es: "Energie sparen" und überflüssige Bewegungen vermeiden. Was aber, wenn Hirsch und Reh vom Menschen gestört werden? Und das nur, weil der seinen Freizeitspaß haben will - sogar nachts und mit Beleuchtung? Denn selbst wenn es dunkel wird, kehrt in den Alpen keine Ruhe ein. Skifahren bei Flutlicht oder Tourengehen ist Trend - zum Schaden der Wildtiere.

Im Trend: Nacht-Skifahren

Am Hocheck in Oberaudorf hat das Flutlicht-Skifahren schon eine lange Tradition. Bereits seit den 1970er Jahren fahren hier die Lifte auch nachts - viermal in der Woche. Eine der längsten Flutlicht-Skipisten Deutschlands. Nacht-Skifahrer schätzen das besondere Flair.

Wie wirkt sich das Flutlicht auf die Tiere aus?

Rehe und Hirsche haben es im Winter ohnehin schwer genug. Wie kommen sie mit der zusätzlichen Belastung durch beleuchtete Pisten klar? Axel Döring von der Gesellschaft für ökologische Forschung ist der Ansicht, dass sich die Tiere an geplante Touren auf festen Routen gewöhnen können. Private Tourengeher mit ihren Taschenlampen und starken Lampen aber schrecken das Wild aus der Winterruhe auf. Sie sind ein Störfaktor, der die Tiere massiv beeinträchtigt.

Warum schadet Beleuchtung den Tieren?

Um Energie zu sparen, senken Wildtiere im Winter ihre Körpertemperatur ab - in den Extremitäten manchmal sogar auf unter zehn Grad. Voraussetzung dafür ist, dass sie völlig ungestört sind. Denn wenn ein potentieller Feind in Sicht ist, können sie in diesem Zustand nicht unmittelbar flüchten, so Döring.

Außerdem führen häufige Störungen dazu, dass die Tiere Gewicht verlieren. Und das wirkt sich auch auf die Fortpflanzung aus. Die Kälber sind schwächer und nicht mehr so widerstandsfähig.

Gezielte Angebote zum Schutz der Natur

Doch immer mehr Menschen wollen ihren Freizeitspaß auf die Nacht ausdehnen. Um die Natur zu schützen, hilft nur eines: Den Sportlern ausgewiesene Bereiche anzubieten. Am Kolbensattel in Oberammergau zum Beispiel ist entlang der präparierten Piste eine Route für Skitourengeher ausgeschildert, die von vielen auch angenommen wird. So sollen die Tourengeher davon abgehalten werden, auf eigene Faust ins Gelände zu gehen und das Wild aufzuschrecken.

Anscheinend ist es wichtiger denn je, Freizeitsportler, die der Natur immer ein Stückchen mehr zu Leibe rücken - bei Tag und bei Nacht - gezielt zu lenken. Solang sich die Heerscharen der nächtlichen Tourengeher an die Aufstiegsrouten des Deutschen Alpenvereins (DAV ) halten, stören sie die Wildtiere vermutlich nicht. Es ist wichtig, dort zu bleiben, wo ausgewiesenen Routen sind. Wald- und Schongebieten sollten tabu sein, so Manfred Scheuermann vom DAV.