BR24 Logo
BR24 Logo
Wissen

Münchner Unis schlampen bei Veröffentlichung klinischer Studien | BR24

© BR

Bei 93 Prozent aller medizinischen Studien an deutschen Unis werden die Ergebnisse nicht vorschriftsgemäß veröffentlicht. Das geht aus einer neuen Untersuchung hervor, die NDR, WDR und SZ vorliegt.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Münchner Unis schlampen bei Veröffentlichung klinischer Studien

Ohne klinische Studien können Medikamente nicht zugelassen werden, ihre Daten müssen bekannt sein. Eine Untersuchung zeigt nun, dass Bayerns Exzellenz-Unis, die TU München und die LMU, es mit der Veröffentlichung der Studien nicht so genau nehmen.

Per Mail sharen

Seit 2014 ist es verpflichtend: Die Ergebnisse sämtlicher klinischer Studien müssen in ein europäisches Register eingetragen werden, in das sogenannte “EudraCT“ (European Union Drug Regulating Authorities Clinical Trials). Eine Untersuchung der britischen Organisation Transparimed und der deutschen Buko-Pharmakampagne hat nun aber ergeben: Bayerns Exzellenz-Unis TU München und Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) nehmen es mit der Veröffentlichung im europäischen Register nicht sehr genau.

Veröffentlichung in "EudraCT" ist die Ausnahme

Tatsächlich belegen die Zahlen des Berichts, dass die Veröffentlichung eher eine Ausnahme ist: Die LMU hat insgesamt 76 Studien im Register angemeldet, davon sind 31 inzwischen abgeschlossen, und das seit über einem Jahr – die Ergebnisse müssten also längst gemeldet sein. Tatsächlich wurden aber erst zwei Studien und ihre Ergebnisse eingetragen, 29 fehlen also.

Die TU hat 65 Studien angemeldet, 28 davon sind inzwischen beendet, aber nur bei einer Untersuchung wurden die Ergebnisse gemeldet, fehlen also noch 27 Studien. Die LMU kommt damit auf einen Rücklauf von sieben Prozent, die TU von vier Prozent.

Kritik an mangelnder Veröffentlichung

Der Chef des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Jürgen Windeler, kritisierte im NDR, es würden nicht nur der Fachwelt Erkenntnisse vorenthalten, sondern auch den Patienten. Das habe "unmittelbar eine praktische Relevanz".

Manchmal komme in Studien zum Beispiel heraus, dass ein Medikament nicht so gut wirke wie man zuvor gedacht habe, oder es habe mehr Nebenwirkungen als man angenommen habe. "Alle diese Informationen sind für die Fachwelt von großer Bedeutung," so Windeler.

TU und LMU wollen Veröffentlichungspraxis verbessern

Gegenüber dem Bayerischen Rundfunk weist die LMU die Vorwürfe zurück, dass Studienergebnisse zurückgehalten würden. In der Stellungnahme der Hochschule heißt es:

"In erster Linie werden Daten in internationalen wissenschaftlichen Fachzeitschriften und auf Kongressen vorgestellt und diskutiert. Zudem gibt es andere, bereits etablierte Plattformen, wie clinicaltrials.gov und PubMed (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed), auf die weltweit jeder zugreifen kann. Wenn Protokolle und Ergebnisse einer bei EudraCT eingetragenen Studie nicht innerhalb eines Jahres veröffentlicht worden sind, gibt es dafür in der Regel strukturelle und systemimmanente Gründe.“ Philipp Kreßirer, Pressesprecher Klinikum LMU

Der LMU-Sprecher betont, dass die medizinische Fakultät und das Universitätsklinikum die Forscherinnen und Forscher regelmäßig darauf hinweisen würden, dass die Ergebnisse binnen von zwölf Monaten veröffentlicht werden müssen. Weiter heißt es gegenüber dem BR:

"Eine zentrale Überprüfung der Veröffentlichung von Studien ist bislang nicht etabliert, es befindet sich aber eine geeignete IT-Studienplattform konzeptionell in Vorbereitung und damit verbunden auch ein zentrales Qualitätsmanagement." Philipp Kreßirer, Pressesprecher Klinikum LMU

TUM verweist auf deutsches Register PharmNet.Bund

Die TU München verweist in ihrer Antwort an die britische Kampagne Transparimed auf das deutsche Register PharmNet.Bund. Außerdem habe das zuständige Bundesinstitut für Impfstoffe und Biomedizinische Arzneimittel, das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), bestätigt, dass es aktuell keine gesetzliche Grundlage für die verpflichten Meldung an das europäische Register gebe, die trete erst 2020/2021 in Kraft. Doch auch bei der TU arbeite man daran, die Veröffentlichungspraxis zu verbessern.