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So soll die Rakete der Münchner Isar Aerospace aussehen. Wenn alles gut geht, soll sie 2021 ins All abheben.
© Isar Aerospace
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So soll die Rakete der Münchner Isar Aerospace aussehen. Wenn alles gut geht, soll sie 2021 ins All abheben.

Raketen aus Bayern? Daniel Metzler findet das nicht übertrieben. Er ist der Chef von Isar Aerospace, einer kleinen Firma in Gilching, die erst im März 2018 gegründet wurde und Raketenantriebe entwickelt. Daniel Metzler ist sehr ehrgeizig. Schon 2021 will er die erste Rakete "Made in Munich" ins All schicken. Seine Pläne dazu hat der Firmenchef jetzt auf der Technologiekonferenz DLD Digital Life Design in München vorgestellt.

Von Space X zum Investor der Münchner Isar Aerospace

Einen Investor für sein Projekt hat Daniel Metzler schon. Es ist Bülent Altan. Der Raumfahrtingenieur und Informatiker, der an der Technischen Universität München und an der Stanford Universität in Kalifornien studiert hat, ist überzeugt, dass sich das Geschäft mit der Raumfahrt für ihn als Investor lohnt. Bereits 2004 ging er nach seinem Studium zum neu gegründeten Unternehmen Space X. Damals war das ein gewagter Schritt. Nicht viele glaubten an die Revolution der Weltraumflüge. Raumfahrt sei das Geschäft des Militärs, der Regierung, von großen Unternehmen, aber nichts für Kleininvestoren, meinte ein Professor zu Bülent Atlan damals.

Raumfahrt ist billiger geworden

Doch der Milliardär Elon Musk hat bewiesen, dass Raumfahrt auch von privaten Unternehmen geleistet werden kann. Wenngleich er es noch nicht - wie angekündigt - geschafft hat, auf den Mars zu fliegen, seine Falcon-Trägerraketen von Space X starten mittlerweile nicht mehr nur im Auftrag der US-Raumfahrtbehörde NASA, sondern auch für viele private Unternehmen. Raumfahrt ist in den vergangenen Jahren viel billiger geworden, sagt Bülent Altan. Kostete es früher 30.000 Dollar, um ein Kilogramm Nutzlast auf eine erdnahe Umlaufbahn zu bringen, so gibt es heute den Transport schon für 3.000 Dollar pro Kilo.

"Wir können sowohl Kleinsatelliten starten. Aber können auch komplette Konstellationen aussetzen, 50 bis 150 kg, davon fünf bis sechs auf einem Trägerstart mitnehmen", meint Daniel Metzler, Chef der Isar Aerospace zum Transportvolumen einer Trägerrakete.

Mit Flügen ins All lässt sich in Zukunft wahrscheinlich viel Geld verdienen. Google und Facebook wollen künftig Internet aus der Luft anbieten. Aber auch andere Daten sollen in Zukunft vermehrt aus dem All gesendet werden. Daten für Wettervorhersagen, Erdbeobachtungen oder die Überwachung von Schiffsrouten zum Beispiel. Satelliten und andere Konstellationen müssen dafür in den Weltraum geschickt werden. Und dann sind da noch die vielen Menschen, die gerne mal ins All möchten. Vielleicht winkt ja mit diesen Touristenflügen der große Gewinn.

Weiteres Münchner Unternehmen profitiert von boomender Raumfahrt

Auch Sven Meyer-Brunswick von der Firma Mynaric sieht in der Datenübertragung via Satellit ein riesiges Potenzial. Die Firma, die ihren Sitz ebenfalls in Gilching hat, gehört zu den Marktführern bei drahtlosen Übertragungen mit Licht. Weil Satelliten untereinander mit Licht kommunizieren, liefert sie die Technik für den wachsenden Markt. Eine Datenmenge von zehn Gigabit pro Sekunde können die Bauteile der Münchner Firma über 4.000 Kilometer verschicken. Das könnte laut Sven Meyer-Brunswick auch Internetgrößen wie Google und Facebook interessieren.

Aber nicht nur für die US-Großkonzerne ist die Satelliten-Technik von Vorteil. Auch für Flächenländer wie Bayern, wo es noch immer Funklöcher gibt, sei die Satelliten-Technik geeignet, sagt Meyer-Brunswick auf der Digitalkonferenz DLD in München.

Raketenstart für 2021 geplant

Wenn alles gut geht, sollen also die ersten Satelliten mit einer Münchner Rakete ab 2021 ins All gejagt werden. Die Ingenieure der Isar Aerospace sind optimistisch, den Termin einzuhalten. Teile für den Antrieb stehen kurz vor den ersten Tests. Gestartet wird die Rakete allerdings nicht aus München. Wegen der dichten Besiedlung ist dies aus Sicherheitsgründen in Deutschland nicht möglich. Helfen könnten dabei die Skandinavier. In Norwegen und Schweden gibt es Pläne für Abschussrampen.