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Müll, nein danke: recyceln, reparieren, re-usen

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Müll, nein danke: recyceln, reparieren, re-usen

Beim Wegwerfen ist Deutschland spitze. Das Gebot der Stunde: recyceln. Noch besser ist es, Dinge zu reparieren, sie weiter- und wiederzuwenden. Technik-Historiker König sagt, die Politik könnte Anreize schaffen, um dem Müll entgegenzuwirken.

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"Am liebsten ist uns der Müll, der gar nicht anfällt", sagt Sabine Schulz-Hammerl, die zweite Werksleiterin des Abfallwirtschaftsbetriebs München. In den Wertstoffhöfen der Landeshauptstadt wird sehr darauf geachtet, dass die angelieferten Waren exakt sortiert werden. Denn viele Wertstoffe lassen sich wiederverwenden oder recyceln. Vorausgesetzt, sie wurden richtig gesammelt.

Wenn zum Beispiel große Elektrogeräte achtlos in die Tonnen geworfen werden, ist die Gefahr groß, sie zu beschädigen. Einer Studie des Verbraucherschutzministeriums zufolge könnte ein Viertel der abgegebenen Elektro-Altgeräte weiterverwendet werden; doch beim Wegwerfen oder durch die falsche Lagerung in den Containern werden sie endgültig zu Abfall.

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Wertstoffhof München Freimann: Werksleiterin Sabine Schulze-Hammerl erklärt, was mit Elektrogeräten passiert, die auf dem Wertstoffhof landen. Was lässt sich reparieren, was lässt sich recyceln?

Produktdesign erschwert häufig Recycling

Die Wiederverwendung oder auch die Reparatur scheitert häufig daran, dass bei der Produktherstellung zu wenig mitgedacht wird: Kann das Produkt am Ende der Lebensdauer einfach zerlegt und so gut recycelt werden? Ist die Reparatur ohne Spezialwerkzeug möglich? Sind Ersatzteile lieferbar? Wenn bei Elektrogeräten der Akku verschweißt und nicht herausnehmbar ist, sind meist alle - auch die per se zu "rettenden" - Rohstoffe verloren.

Wegwerfen - ein relativ neues Phänomen

Die Wegwerfmentalität ist historisch gesehen noch nicht sehr alt. Nimmt man die Müllmengen als Beleg, dann kann man die 1950er Jahre in Deutschland als Zäsur sehen. Denn seither sind die Abfallmengen geradezu explosionsartig gestiegen. In jener Nachkriegszeit nahm naturgemäß auch die Zahl der Deponien zu. Der Technik-Historiker Wolfgang König nennt die Wegwerfgesellschaft "die Steigerung der Konsumgesellschaft".

Kugelschreiber: Symbol der Wegwerfgesellschaft

Als ein besonders augenfälliges Beispiel, an der sich diese Entwicklung festmachen lässt, ist König zufolge der Kugelschreiber. Er wurde in den 1930er Jahren erfunden und war damals ein Hochpreisprodukt. US-amerikanische Flieger nutzten ihn, weil er nicht auslaufen konnte, und sie sich mit ihm in großen Höhen besser Notizen machen konnten. Inzwischen ist der Kugelschreiber längst zu einem Wegwerfprodukt mutiert, so König im BR-Interview.

"Wir bekommen Kugelschreiber, wenn wir irgendwo in eine Bank gehen, wenn wir ein Verkaufsgespräch führen oder eine Konferenz beobachten. Jeder Deutsche hat im Schnitt 17 Kugelschreiber zuhause." Wolfgang König, Technik-Historiker

Die meisten Menschen seien zu bequem, die Mine zu wechseln, und werfen ihn weg, wenn er leer ist. Insgesamt seien Bequemlichkeit, viel Zeit und die günstigen Preise vieler Produkte die Hauptursachen für unsere Wegwerfmentalität.

Drei Möglichkeiten, entgegenzuwirken

König zufolge gibt es drei Möglichkeiten, politisch gegenzusteuern: Erstens über den Preis, der bei ökologisch schädlichen Produkten entsprechend hoch sein müsse; zweitens über Verbote, von denen der Experte jedoch wenig hält; und drittens über die, wie es heißt, Bewusstseinsbildung. Reparieren zum Beispiel lohne sich kaum - weil das Verhältnis von Materialkosten und Arbeitskosten nicht mehr stimme. Während die Arbeit immer teurer geworden sei, koste das Material immer weniger. Die Politik könnte das Reparieren steuerlich begünstigen und damit wieder attraktiver machen. Eine Abkehr von unserem verschwenderischen Lebensstil sei durchaus realistisch, meint König. Aber der Weg dorthin sei weit:

"Ich halte das für eine Generationenfrage. Unsere Eltern waren zurückhaltend mit dem Wegwerfen. Wir sind schon eher die Wegwerfgeneration und viele Jugendlichen erst recht. Das heißt, es wird wahrscheinlich fünfundzwanzig, fünfzig oder sogar einhundert Jahre brauchen, ehe wir so weit sind." Wolfgang König
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Der unentwegte Konsum ist das Ergebnis eines gut 150 Jahre andauernden Prozesses. So beschreibt es Prof. Wolfgang König in seinem Buch: Geschichte der Wergwerfgesellschaft.

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