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MSC Siegel - Wie verlässlich ist das Fisch-Siegel? | BR24

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Umweltschutzorganisationen zeigen sich enttäuscht von den Standards des MSC oder Marine Stewardship Council. Die Plünderung der Meere gehe weiter voran, sagen sie, nur jetzt mit blauem Nachhaltigkeits-Siegel.

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MSC Siegel - Wie verlässlich ist das Fisch-Siegel?

Umweltschutzorganisationen zeigen sich enttäuscht von den Standards des MSC oder Marine Stewardship Council. Die Plünderung der Meere gehe weiter voran, sagen sie, nur jetzt mit blauem Nachhaltigkeits-Siegel.

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Die allermeisten Verbraucher wünschen sich ökologisch gefangenen Fisch - das zeigen Umfragen. Viele vertrauen dabei auf das MSC-Siegel. Es verspricht nachhaltig gefangenen Fisch. Das bedeutet, dass es dem Bestand insgesamt gut gehen muss und das Ökosystem, in dem der Fisch lebt, nicht geschädigt wird.

MSC bricht diese Versprechen - sagt Frédéric Le Manach von der Umweltschutzorganisation Bloom in Paris. Er ist ein Insider: Er hat lange für den MSC als Interessensvertreter gearbeitet.

Fischfangmethoden falsch zertifiziert?

Frédéric Le Manach hat über 500 Berichte über MSC-zertifizierte Fischereien analysiert. Dabei hat er die Unternehmen in drei Kategorien eingeteilt. Große Schiffe, die aktive Fangmethoden nutzen, mittelgroße Schiffe und kleine Schiffe, die mit passiven Fangmethoden arbeiten. Zu den passiven, umweltschonenden Methoden zählt Bloom Angel, Reusen oder Fallen. Fangarten, bei denen wirklich nur der Fisch aus dem Meer genommen wird, der auf den Teller soll und bei denen die Umwelt keinen Schaden nimmt. Als aktive Fangmethoden identifiziert Bloom Schleppnetze, Stellnetze oder Ringwaden. Dabei wird oft sehr viel Beifang produziert.

Die Schiffe fangen also junge Fische und Meeressäuger oder Arten, für die sie keine Fangerlaubnis haben, und die wieder über Bord geworfen werden. Auch das Ökosystem wird erheblich geschädigt - zum Beispiel der Meeresboden durch die Schleppnetzfischerei.

Frédéric Le Manach hat herausgefunden, dass der Fang aus MSC zertifizierten Fischereien zu 83 Prozent von industriemäßigen Schiffen, die aktive Fangmethoden nutzen, kommt. Nur 7 Prozent sind Fänge aus kleinen Fischereien. Auf Fotos und Videos präsentiert der MSC jedoch zu fast 50 Prozent kleine, passive Fischereien.

"Sie müssen also lügen, damit wir glauben, sie wären nachhaltig. Und jetzt 2020 mit dem Klimawandel und Kollaps der Ökosysteme brauchen wir viel strengere Ökolabel, und die Tatsache, dass der MSC nur Gift- und Dynamit-Fischerei ausschließt, ist einfach Unsinn." Frédéric Le Manach, Wissenschaftlicher Direktor Bloom

Fischsammler: Das Gegenteil von nachhaltig?

Ein Beispiel sind sog. FADs: Fishing Aggregated Devices oder Fischsammler. Dabei setzen die Fischer ein Objekt ins Meer, um Thunfisch anzulocken. Aber auch Haie, Meeresschildkröten und Delfine kommen. Das Netz wird ausgeworfen und fängt alles, was unter dem Fischsammler war.

Das Unternehmen Echebastar aus dem Baskenland tut genau das mit MSC Siegel und tötet dabei jährlich etwa 8.000 Seidenhaie, sagen WWF und die Stiftung Meeresschutz.

Kritik zu vereinfachend?

Der MSC verteidigt die Zertifizierung von Echebastar. Die Fischerei habe ihre FAD-Nutzung inzwischen erheblich verbessert. Schildkröten verheddern sich nicht mehr in den Netzen, die Kontrolle der FADs sei besser geworden, sodass sie nicht mehr im Meer verloren gehen und dann als Müll Korallen schädigen oder Tiere gefährden. Außerdem sei auf jeder Fangfahrt ein Beobachter dabei. All das habe dazu geführt, dass der Beifang auf drei Prozent gesenkt wurde. Null Prozent Beifang wäre wünschenswert, sei aber nicht realistisch.

Es sei außerdem zu vereinfachend jede etwas größere Fischerei als "schlecht" hinzustellen, so der MSC. In diesem Punkt geben die Umweltschützer dem Fisch-Siegel Recht. Dennoch bleibt es ihre Aufgabe, darauf zu achten, dass die Zertifizierungs-Kriterien nicht zu schwach werden. Sonst sind unsere Meere eines Tages leer gefischt.

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