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Mondmythen: Nicht alles ist Aberglaube | BR24

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Bildrechte: BR/Johanna Schlüter

Vollmond am dunklen Nachthimmel

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    Mondmythen: Nicht alles ist Aberglaube

    Der Mond sieht wie ein Knödel aus, dichtete Kobold Pumuckl und der Aberglaube sagt dem Erdtrabanten einige fast magische Fähigkeiten nach. Zwei neue Studien weisen nun mögliche Einflusse auf den Schlaf und die weibliche Menstruation nach.

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    Von
    • Dominik Einzel
    "Da bin ich nun allein zu Haus, der Mond sieht wie ein Knödel aus. Und wär' er nicht am Himmel droben, ich stubbste ihn er läg am Boden." Pumuckl

    Dem Mond wird im Volksmund vieles nachgesagt. Er kann angeblich die Wundheilung verbessern, bringt mehr Kinder auf die Welt oder fördert den Haarwuchs. Bewiesen ist nichts davon. Eine aktuelle Studie, die nun im Fachblatt "Science Advances" erschienen ist, zeigt, dass der Mond sehr wohl Einfluss auf unseren Schlaf und die weibliche Menstruation haben kann.

    Kürzerer Schlaf bei Vollmond

    Für die erste Studie statteten Forscher um den Biologen Leandro Casiraghi von der Universität von Washington 98 Probanden mit Schlafsensoren am Handgelenk aus. Dabei handelte es sich um indigene Einwohner dreier argentinischer Dörfer mit je gar keinem, wenig oder durchgängigem Zugang zu Elektrizität. Deren Schlafdaten wurden mit denen von 464 US-Studenten aus Seattle ergänzt.

    In allen Gruppen gingen die Menschen in den drei bis fünf Tagen vor Vollmond später ins Bett und schliefen kürzer. Der beobachtete Effekt war an Orten mit regelmäßiger Elektrizität weniger stark ausgeprägt. Menschen ohne Strom schliefen in dunklen Nächten 25 Minuten länger als in Vollmondnächten, bei Menschen mit eingeschränktem Zugang zu Licht waren es 19 Minuten und bei jenen mit vollem Zugang 11 Minuten.

    Mondsynchrone Menstruation oft bei jungen Frauen

    Ob auch der weibliche Zyklus vom Mond beeinflusst werden kann, untersuchte die zweite Studie. In der internationalen Untersuchung wurden die Menstruationszyklen von 22 Frauen über einen Zeitraum von durchschnittlich 15 Jahren ausgewertet. Diese Daten glich das Forscherteam dann mit dem entsprechenden Mondzyklus ab.

    Dabei folgten nicht alle Frauen den Mondzyklen - und wenn doch, dann nur für bestimmte Zeiträume: Im Durchschnitt trat bei Frauen unter 35 Jahren die Menstruation in knapp einem Viertel der erfassten Zeit synchron mit dem Voll- oder Neumond auf, bei Frauen über 35 Jahren nur in knapp einem Zehntel der Zeit. Die Synchronität nimmt mit zunehmendem Alter ab und scheint auch davon abhängig zu sein, wie viel Kunstlicht die Frauen nachts ausgesetzt sind.

    Die Studien bestätigen Vermutungen, klären aber die Ursachen nicht

    Christian Cajochen, Leiter der Abteilung Chronobiologie an den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel, ordnet ein, dass beide Untersuchungen qualitativ hochwertig sind und mit überzeugenden Daten arbeiten. 2013 hatte er selbst eine viel beachtete Arbeit veröffentlicht, der zufolge die Schlafqualität vom Mondzyklus beeinflusst wird. Um herauszufinden, welche Faktoren konkret wirkten, ist aber seiner Ansicht nach weitere Forschung nötig. Vor allem müssten Probanden über einen längeren Zeitraum in einer abgeschlossenen Laborumgebung studiert werden.

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