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Mit Smartwatches und Fitnessarmbändern Krankheiten verhindern? | BR24

© picture alliance / empics/ Fotograf: Nick Ansell

Auf Apps und Fitnessuhren gesammelte Gesundheitsdaten können Krankheiten wie Diabetes und Schlaganfall verhindern.

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    Mit Smartwatches und Fitnessarmbändern Krankheiten verhindern?

    Helfen Smartwatches und Fitnessarmbänder, Krankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck frühzeitig zu entdecken - bevor erste Symptome auftreten? US-Wissenschaftler meinen ja. Sie haben jetzt die Ergebnisse einer Langzeitstudie veröffentlicht.

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    Das Sammeln von Daten via App auf Smartwatches oder Fitnessarmbändern hilft offenbar der Gesundheit. Das ist zumindest das Ergebnis einer Langzeitstudie, die Wissenschaftler der Stanford University durchgeführt haben und die Anfang Mai 2019 im Fachmagazin "Nature Medicine" veröffentlicht wurde. Für ihre Untersuchungen hatte das Team um Sophia Miryam Schüssler-Fiorenza Rose die Gesundheitsdaten von insgesamt 109 Männern und Frauen mittleren Alters bis zu acht Jahre lang gesammelt. Anhand der gesammelten Daten konnten die Forscher über 67 klinisch relevante Gesundheitsrisiken entdecken - von angeborenen Herzkrankheiten bis hin zu Infektionskrankheiten, Diabetes und Krebs.

    Smartwatches und Fitness-Tracker als Helfer für Diagnosen

    In ihrer Studie hatten die Forscher zahlreiche Werte der Studienteilnehmer in regelmäßigen Abständen gemessen. Sie überprüften unter anderem die Genaktivität, Mikroorganismen im Darm, Stoffwechselvorgänge und Abwehr- sowie Entzündungsreaktionen der Teilnehmer mithilfe üblicher Untersuchungsmethoden. Außerdem bekamen die Studienteilnehmer noch Smartwatches und Fitness-Tracker, um Werte wie Blutdruck, Puls und Körpertemperatur ständig überwachen zu können.

    Die Messungen wurden alle drei Monate wiederholt, die Werte verglichen. Wichen sie von den Ausgangswerten ab, leiteten die Forscher therapeutische Maßnahmen ein.

    Was aufgrund der Daten festgestellt werden konnte

    Je nachdem, welche Gesundheitsdaten untersucht wurden, konnten die Forscher verschiedene Krankheiten und Krankheitsrisiken bei den Studienteilnehmern frühzeitig erkennen. Die durchgeführten Genanalysen zum Beispiel deuteten bei einigen Teilnehmern aufgrund einer darin festgestellten Genmutation auf ein erhöhtes Risiko hin, an bestimmten Tumoren zu erkranken. Die Messungen, die mit den Smartwatches und Fitness-Trackern durchgeführt wurden, konnten unter anderem Herzkrankheiten aufdecken, die das Schlaganfallrisiko erhöhen. Auch Diabetes konnte bei mehreren Studienteilnehmern dank der Beobachtung der Stoffwechselvorgänge frühzeitig festgestellt und behandelt werden.

    Was sich die Autoren der Studie erhoffen

    Die Autoren der Studie sind zuversichtlich, dass die stetige Überwachung zahlreicher Gesundheitsdaten durch Technologien wie Smartwatches und Fitness-Trackern künftig eine bessere Vorhersage von Krankheiten ermöglicht.

    "Wir wollen weg von der Medizin, die Menschen behandelt, wenn sie krank sind, hin zu einer Medizin, die die Menschen gesund hält." Michael Snyder, Mitautor der Studie in einem Statement auf der Homepage der Stanford University.

    Gute Vorsorgeuntersuchungen gibt es bereits

    Nisar Malek, Onkologe und Leiter des Zentrums für Personalisierte Medizin am Universitätsklinikum Tübingen, ist indes zurückhaltend. Er bezeichnet die Erkenntnisse der Studie als "keine big news". Schon jetzt würden die heute angebotenen Vorsorgeuntersuchungen zu guten Heilungschancen bei zahlreichen Krankheiten führen.

    Kritik: Methode der Studie in Realität nicht durchführbar

    Eine stete Kontrolle zahlreicher Gesundheitsdaten - wie in der Studie geschehen - sei in der Realität bei einer größeren Anzahl von Personen weder durchführbar noch für unser Gesundheitssystem finanzierbar. Lediglich einzelne Aspekte der Studie könnten herangezogen werden, um möglicherweise Vorsorgeuntersuchungen noch zu verbessern, meinte Malek in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk.