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Mit dem Welt-Lepra-Tag gegen den Lepra-Teufelskreis | BR24

© pa/dpa/Mohammad Asad

Am letzten Sonntag im Januar ist jedes Jahr Welt-Lepra-Tag. Hier warten Lepra-Patienten in Bangladesh auf Spenden.

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    Mit dem Welt-Lepra-Tag gegen den Lepra-Teufelskreis

    Lepra gibt es nicht mehr? Doch! Jährlich erkranken weltweit rund 200.000 Menschen daran und leiden nicht nur körperlich. Daran will der Welt-Lepra-Tag am 27. Januar erinnern und Fehlinformationen und Vorurteile aufdecken.

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    Rund 200.000 Menschen erkranken jedes Jahr an Lepra. 2017 wurde Lepra bei 210.671 Menschen in insgesamt 150 Ländern diagnostiziert. Auch in Deutschland wurde ein Fall registriert. Die meisten an Lepra neu erkrankten Personen wurden 2017 aus Indien (126.164), Brasilien (26.875) und Indonesien (15.910) gemeldet. Laut Robert Koch-Institut sind darunter viele Kinder: Jede zwölfte Neudiagnose betraf 2017 einen minderjährigen Patienten.

    Ansteckung durch engen Kontakt mit Leprakranken

    Lepra ist eine Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Mycobacterium leprae ausgelöst wird. Der Ansteckungsweg ist bis heute nicht genau geklärt, obwohl das Lepra-Bakterium schon 1873 von dem Norweger Gerhard Armauer Hansen entdeckt wurde. In vielen Ländern halten sich hartnäckig falsche Annahmen: Zum Beispiel, dass Lepra vererbt wird, oder dass man sich ansteckt, wenn man einen Erkrankten auf der Straße überholt. Mittlerweile geht man davon aus, dass selbst eine einfache Berührung hierfür nicht ausreicht. Höchstwahrscheinlich überträgt sich Lepra über Tröpfcheninfektion. Weil Lepra nur schwach ansteckend ist, ist ein längerer und enger Kontakt mit einem Leprakranken Voraussetzung. Meist erkranken Menschen, deren Immunsystem vorher schon geschwächt war.

    Lepra verursacht Hautflecken und Verstümmelungen

    Lepra hat eine lange Inkubationszeit, sie kann neun Monate bis zu zwanzig Jahre betragen, in Einzelfällen sogar dreißig Jahre. Die Erreger befallen das Nervensystem. Im Frühstadium bekommen Leprakranke Flecken auf der Haut, meist an Armen, Beinen oder am Kopf. An den betroffenen Körperregionen empfinden die Personen vor allem im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf keine Wärme, Kälte, Berührungen und Schmerzen mehr. Wenn sie sich dann an diesen Stellen verletzen und es nicht spüren, entzünden sich die Wunden. Oft infizieren sie sich über die Verletzungen zusätzlich mit anderen Krankheiten. Am Ende sterben diese Bereiche ab und es kommt zu den für Lepra typischen Verstümmelungen.

    Lepra ist frühzeitig ohne dauerhafte Schäden heilbar

    Um Lepra zu behandeln, gibt es seit rund 35 Jahren eine wirksame Medikamententherapie aus drei kombinierten Antibiotika. Bei einer rechtzeitigen Diagnose und Einnahme kann die Krankheit ohne dauerhafte Schäden geheilt und weitere Übertragungen verhindert werden. Allerdings leiden weltweit schätzungsweise vier Millionen Menschen an von Lepra verursachten Behinderungen, weil die Krankheit zu spät behandelt wurde.

    Leprakranke scheuen den Arzt aus Angst vor Ausgrenzung

    In den Schriften vieler Religionen, etwa im Christentum, Hinduismus oder Buddhismus, wird Lepra als Strafe für Verfehlungen im aktuellen oder früheren Leben angesehen. In vielen Ländern werden Leprakranke, aber auch geheilte Patienten, nicht nur zwischenmenschlich geächtet, sondern sogar per Gesetz stigmatisiert. Viele Erkrankte scheuen sich deshalb, einen Arzt aufzusuchen und sich behandeln zu lassen.

    "Es gibt keine Erkrankung auf der Welt, für die es so viele Gesetze gibt wie für Lepra. Doch sie richten sich gegen die Betroffenen und dienen nicht ihrem Schutz." Burkard Kömm, Geschäftsführer der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW)

    179 Gesetze richten sich weltweit gegen Leprakranke

    Laut der Internationalen Vereinigung der Lepra-Hilfswerke (ILEP), der auch die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) angehört, sind aktuell 179 Gesetze aus 38 Ländern bekannt, die von Lepra betroffene Menschen diskriminieren. Allein in Indien, dem Land, in dem es Jahr für Jahr die meisten neudiagnostizierten Lepra-Fälle gibt, existieren 119 solcher Vorschriften. "Diese Gesetze verstoßen in vielen Bereichen gegen die Menschenrechtskonvention der Vereinten Nationen", schreibt das Robert Koch-Institut. Sie versagen den Erkrankten die gesellschaftliche Teilhabe in verschiedensten Lebensbereichen und wirken sich zum Beispiel auf den Wohnort, die Beschäftigung, das Wahlrecht und sogar das Eheleben aus. Laut WHO haben im Jahr 2017 insgesamt 47 Länder Fälle von Diskriminierung gemeldet. Den Vereinten Nationen liegen aus vielen Ländern Berichte vor, dass leprakranke Kinder diskriminiert werden, insbesondere im Bildungsbereich:

    "Viele Kinder sind gezwungen, die Schule abzubrechen und werden von Gleichaltrigen und der Gesellschaft abgelehnt." Alice Cruz, UN-Menschenrechtsexpertin

    Diskriminierung begünstigt Lepra-Verbreitung

    Nicht zuletzt können Scham, Schuldgefühle und die Furcht vor Diskriminierung bei den Betroffenen Depressionen und Angstzustände hervorrufen. Der Arztbesuch fällt dann erst recht aus. Um auf diese Not und den daraus resultierenden Teufelskreis aufmerksam zu machen, wurde 1954 der Welt-Lepra-Tag eingeführt. Er findet jedes Jahr am letzten Sonntag im Januar statt. Der diesjährige Welt-Lepra-Tag steht am 27. Januar unter dem Motto: "Beendigung von Diskriminierung, Stigmatisierung und Vorurteilen." Burkard Kömm, der Geschäftsführer der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe, sagt dazu: "Wenn wir das Leid der Betroffenen endlich beenden wollen, müssen wir die soziale und strukturielle Diskriminierung beenden."

    "Bei Lepra-Kontrolle und Eliminationsbestrebungen müssen wir uns eher auf einen Ausdauerlauf einstellen - nicht auf einen Sprint." Robert Koch-Institut, Epidemiologische Bulletin Nr. 4, 24. Januar 2019