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Kleine Kunststoffpartikel sind auch in Peeling-Gels zu finden
© dpa/Alexander Stein/JOKER
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Kleine Kunststoffpartikel sind auch in Peeling-Gels zu finden

Mitten in den französischen Pyrenäen, an einer weit abgelegenen Stelle, auf 1.400 Meter Höhe, stellten die Wissenschaftler Steve und Deonie Allen vom Forschungsinstitut Ecolab in Castanet-Tolosan, einen Sammelbehälter für Mikroplastik auf. Im Zeitraum von November 2017 bis März 2018 untersuchten sie das Gebiet auf Ablagerungen von Fasern und Kunststoffteilen. Ihre Analysen ergaben, dass selbst in dieser entlegenen Bergregion täglich durchschnittlich 365 Mikropartikel pro Quadratmeter zu finden waren. Das entspricht Mikroplastik-Ablagerungen großer Städte wie Paris. Die Menge überraschte auch die Forscher.

Mikroplastik verteilt sich überall

Als Mikroplastik werden kleine Kunststoffteile bezeichnet, deren Durchmesser kleiner als 5 Millimeter ist. Sie sind in der Umwelt fast überall zu finden und entstehen, wenn sich Plastikprodukte zersetzen, wenn Wäsche gewaschen und Fasern von synthetischer Kleidung freigesetzt werden oder durch den Abrieb von Autoreifen auf der Straße. In Flüssen, Meeren, Erdboden und in Körpern von Tieren und Menschen wird Mikroplastik nachgewiesen. Welche Gefahren das für Tiere und Menschen birgt, ist noch nicht erforscht. Das sich Mikroplastik über die Atmosphäre verbreiten kann, vermuteten Forscher bereits. Die neue Studie, die im Fachmagazin "Nature Geoscience" veröffentlicht wurde, bestätigen ihre Annahmen.

Mikroplastik auch auf dem Land

Doch wie gelangten die Kunststoffteile in diese entlegene Gegend, weit entfernt von Großstädten, Industriezentren und Landwirtschaftsflächen? Mit Hilfe von Modellrechnungen kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass die Partikel wahrscheinlich aus kleineren Städten von bis zu 95 Kilometer Entfernung stammen.

"Wir haben das jetzt veröffentlicht mit dieser begrenzten Analyse weil wir wollen, dass jeder weiß, was da draußen ist und die Sache ordentlich untersucht werden kann. Wir müssen herausfinden, wie weit sich das schon entwickelt hat und wo schon wie viel ist." Deonie Allen, Forschungsinstitut Ecolab

Mikroplastik wirbelt durch die Luft wie Wüstensand

Volker Matthias vom Helmholtz-Zentrum Geesthacht für Material- und Küstenforschung gibt jedoch zu bedenken, dass der Beobachtungszeitraum der Studie zu kurz war, um entsprechende umfangreiche Aussagen zu treffen. Ebenso kritisiert Matthias, dass unterschiedliche Wetterbedingungen nicht einkalkuliert wurden. Er sieht jedoch Parallelen zum Transport von Sahara und Vulkanstaub in der Atmosphäre. Je höher Partikelteile durch Luftbewegungen gelangen, desto weitere Entfernungen können sie zurücklegen. Faserförmiges Mikroplastik sinkt langsamer als kugelförmiges Mikroplastik.

"Ich halte es nicht für überraschend, dass auch verhältnismäßig große Mikroplastikpartikel über große Distanzen transportiert werden können." Volker Matthias, Helmholtz-Zentrum Geesthacht

Wie sich Plastik verteilt

Allein in Deutschland kommen 330.000 Tonnen Mikroplastik zusammen. Zu diesem Ergebnis kam die 2018 vorgestellten Studie "Kunststoffe in der Umwelt" des Fraunhofer Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik Umsicht. Am meisten Emissionen verursacht der Abrieb von Autoreifen. Weltweit wurde im Jahr 2016 bis zu 335 Millionen Tonnen Plastik produziert, davon waren in Europa 60 Millionen Tonnen allein Verpackungsmaterial. Ein Zehntel des hergestellten Plastiks gelangt in unsere Meere. Wie es dorthin gelangt, ist bislang noch nicht im Detail geklärt. Untersuchungen in Großstädten wie Paris zeigen, dass Mikroplastik über die Atmosphäre in der Region abgelagert wird. Die Studie von Steve und Deonie Allen vom Forschungsinstitut Ecolab belegt nun sogar, dass Mikropartikel durch die Luft auch in weit abgelegene Orte transportiert werden.