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Microsoft-Teams Lizenzen für Schulen laufen aus - und nun? | BR24

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Homeschooling: Muss es bald ohne Microsoft gehen?

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    Microsoft-Teams Lizenzen für Schulen laufen aus - und nun?

    Angesichts steigender Corona-Zahlen kann es wieder dazu kommen, dass Klassen oder sogar ganze Schulen mit digitalen Plattformen von zu Hause aus unterrichtet werden. Doch ausgerechnet jetzt laufen in Bayern die Schullizenzen für Microsoft-Teams aus.

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    Mehr als 700 Schulen in Bayern nutzen eine Microsoft-Teams Lizenz, die das Kultusministerium im Mai kurzfristig bereitgestellt hatte. Mit dem Programm lassen sich Videokonferenzen mit vielen Teilnehmern organisieren, auch Dokumente können geteilt werden. Ein hilfreiches Tool, um das Homeschooling in Coronazeiten zu vereinfachen – oder überhaupt erst möglich zu machen.

    Doch nun laufen die Lizenzen für das Programm zum Jahresende aus. Ein Nachfolger ist bislang nicht in Sicht.

    Lizenzen werden vom Kultusministerium nicht verlängert

    Dass die Microsoft-Teams-Lizenzen nicht verlängert werden, hat nach Angaben des Kultusministeriums vergaberechtliche Gründe. Die Lizenzen seien von vornherein eine "zeitlich befristete Interimslösung" gewesen, schreibt das Ministerium auf BR-Anfrage.

    Aber auch der Datenschutz dürfte eine Rolle spielen. Denn der europäische Gerichtshof hatte im Juli einen Angemessenheitsbeschluss der Europäischen Kommission, den sogenannten Privacy Shield, gekippt. Das bedeutet: Nach Auffassung der Richter besteht bei amerikanischen Unternehmen kein ausreichender Schutz für die Daten von EU-Bürgern.

    Amerikanisches Unternehmen - datenschutzrechtliche Bedenken

    "Die Hauptüberlegung des Europäischen Gerichtshofs war, dass sich Sicherheitsbehörden in den Vereinigten Staaten Zugang zu den Daten von Europäern verschaffen können, die in den USA bei den Unternehmen liegen", sagt der bayerische Landesdatenschutzbeauftragte Thomas Petri. Denn alle amerikanischen Unternehmen, nicht nur Microsoft, würden zumindest einen Teil der europäischen Daten in den USA speichern.

    Auf die Schulen übertragen ist das zwar ein relativ abstraktes Risiko, aber es könnte irgendwann eben doch Relevanz haben, meint Petri: "Wir wissen, dass die nachrichtendienstliche Tätigkeit teilweise darauf gerichtet war, Wirtschaftsspionage zu betreiben. Warum sollen die Vereinigten Staaten nicht auch das Interesse haben, den Bildungsstand auszuforschen? Da werden sicher nicht Lieschen Müller und Hans Maier interessant sein. Aber wenn Lieschen Müller irgendwann mal etwas größer wird und Äußerungen tätigt, die für die Amerikaner eine sicherheitsrechtliche Relevanz haben, dann werden sie die alten Tools möglicherweise aus dem Dachboden runterholen und analysieren."

    Teams als Tool fürs Homeschooling

    Für Lehrkräfte und Schulleitungen sind diese Bedenken zwar nachvollziehbar – doch für die Bewältigung des Schulalltags in Coronazeiten bedeuten sie eine große Hürde. Angesichts steigender Infektionszahlen rechnen viele Schulen damit, dass Klassen bald wieder geteilt werden müssen.

    Pankraz Männlein, Schuldirektor der Berufsschule III in Bamberg, betont, dass das Programm Teams an seiner Schule nicht nur für die Durchführung des Homeschoolings im Frühjahr eingesetzt worden sei. Aktuell würden auch Kollegen, die zur Risikogruppe gehören, den Unterricht damit aus dem Homeoffice durchführen. Das gesamte "Office 365"-Paket werde an seiner Schule seit Jahren genutzt.

    Teil der Ausbildung an Berufsschulen

    Für Berufsschüler sei es sogar Teil der Ausbildung: "Wenn ich über Microsoft 365 spreche, dann möchte ich ja keine Werbung für die machen. Aber ich weiß, dass es draußen in den Betrieben Standard ist. Das heißt, wir würden uns ja der Realität verschließen und damit automatisch auch unsere Ausbildungsqualität in Frage stellen. Denn es kann doch nicht sein, dass ein Auszubildender nach Abschluss einer Ausbildung wie "Industriekaufmann" sich später auf dem freien Markt noch die Kompetenzen aneignen muss, um seinen Beruf richtig auszuüben."

    An funktionstüchtigen Alternativen zu Microsoft Teams mangelt es bislang. Die Internetplattform Mebis, die das bayerische Kultusministerium seit 2014 betreibt, ist zwar datenschutzkonform, hat aber bislang kein eigenes Programm für Videokonferenzen. Eine schnelle Lösung des Problems ist somit nicht in Sicht. Es werde an einer "Bereitstellung von Alternativen" gearbeitet, heißt es aus dem Ministerium.

    Konfiguration und Nutzung können entscheidend sein

    Für Pankraz Männlein ist das nicht zufriedenstellend. Lehrkräfte, Datenschützer und das Ministerium sollten sich viel stärker austauschen um festzustellen, wozu die Schulen das Tool genau einsetzen. "Eine sichere Nutzung von Teams kann möglich sein", sagt auch der Landesdatenschutzbeauftragte Petri.

    Konfiguration und Nutzung des Programms spielen dabei eine Rolle. In Baden-Württemberg wird dazu gerade ein Pilotprojekt gestartet: Es soll getestet werden, inwiefern Microsoft-Teams mit bestimmten Konfigurationen an Schulen auch ohne Datenschutzverstöße anwendbar ist.

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