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Meister des Sehens: Wie Tiere die Welt wahrnehmen | BR24

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Raubtiere wie der Jaguar blicken nach vorne, Pferde seitwärts und nach hinten. Der Steinadler hat eine Art Fernglas im Auge und Insekten sehen unscharf mit ihren Facettenaugen. Wieso haben sich die Augen dieser Tiere so entwickelt?

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Meister des Sehens: Wie Tiere die Welt wahrnehmen

Weitblick über 500 Meter, einen 360 Grad Rundumblick, 30.000 Einzelaugen - in der Tierwelt gibt es Augen der Superlative. Sie sind ideal auf die Bedürfnisse der Tiere ausgerichtet. Welches Tier verfügt über welche visuellen Superkräfte?

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Manche Tiere haben Augen, mit denen sie ihre Beute besonders gut erspähen können, andere können mit ihren Augen einen Angreifer aus jedem Blickwinkel erkennen und wiederum andere Tiere haben einfach nur Superaugen, mit denen sie selbst aus großer Entfernung noch alles wahrnehmen können. Dabei haben Tieraugen nur einen Zweck: Mit ihnen sollen die Tiere in der Wildnis überleben.

Das Urauge im Tierreich

Am Anfang der Entwicklung bestanden Tieraugen nur aus aneinander liegenden Sinneszellen. Heute noch schwimmen manche Quallenarten mit diesen sogenannten Flachaugen durch die Meere. Und das schon seit über 500 Millionen Jahren.

Die Entwicklung unterschiedlicher Tieraugen

Die meisten Tieraugen haben sich jedoch von diesen Uraugen, die nur Hell und Dunkel unterscheiden können und so als bloße Orientierungshilfe dienen, weiterentwickelt. Es gibt daher Tieraugen, die typisch für ein Raubtier sind, andere sind typisch für sogenannte Fluchttiere. Und viele Insekten haben die für sie typischen Facettenaugen. Warum das so ist, sehen Sie hier:

Pferde

Pferde sehen ähnlich scharf und farbig wie der Mensch. Aber ihre Augen sitzen seitlich am Kopf. Sie blicken damit nicht nur gleichzeitig nach links und rechts, sondern auch viel weiter nach hinten als der Mensch, ohne den Kopf dafür drehen zu müssen. Das ist wichtig, denn es sind sogenannte "Fluchttiere". So können sie auch von hinten angreifende Feinde erkennen und reagieren. Sie haben vorne und hinten nur einen kleinen toten Winkel.

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Pferdeauge

Raubtiere

Bei Raubtieren wie Jaguar oder Leopard sind die Augen nach vorne ausgerichtet, so können sie besonders gut räumlich sehen. Als Jäger müssen sie das auch, um ihre Beute fokussieren zu können. Farben werden von allen Katzenarten nur eingeschränkt wahrgenommen, dafür haben sie eine sehr gute Nachtsicht, ebenso, wie ihre zahmen Verwandten - die Hauskatzen.

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Leopard

Hauskatzen

Die Pupillen von manchen Katzenarten können sich stark erweitern. So gelangt bei Dämmerung noch genügend Licht auf die besonders empfindliche Netzhaut. Zusätzlich befindet sich hinter der Netzhaut eine Spiegel ähnliche Schicht, das Tapetum. Es reflektiert einfallendes Licht, sodass dieses die Netzhaut ein zweites Mal passieren kann und so verstärkt wird. Das Tapetum sorgt für das schillernde Leuchten der Katzenaugen, wenn sie im Dunkeln angestrahlt werden - zum Beispiel durch einen Autoscheinwerfer. Wenn es dunkel ist, brauchen Katzen im Vergleich zum Menschen nur ein Sechstel der Lichtmenge, um sehen zu können. Mondlicht reicht, um bei der Jagd erfolgreich zu sein.

© picture alliance/imageBROKER

Katzenaugen im Dunkeln

Raubvögel

Raubvögel wie Steinadler, Falken oder Habichte haben wahre Superaugen. Da sie kaum natürliche Feinde haben, ist ihr Sehvermögen auf die Jagd ausgerichtet. Denn sie müssen ihre Sturzflüge aus mehreren hundert Metern zielgenau koordinieren - und vor allem die Beute am Boden erkennen können. Dafür haben sie eine Art eingebautes Fernglas - einen Superzoom. In einem kleinen Teil des Auges vergrößert die Netzhaut so stark, dass die Raubvögel eine Maus im Flug aus bis zu 500 Metern Entfernung scharf sehen. Manche Raubvögel können auch ultraviolettes Licht wahrnehmen – so sehen sie den Urin von Mäusen als leuchtende Spur.

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Steinadler

Insekten

Insekten haben Tausende von Einzelaugen - Libellen zum Beispiel mehr als 30.000 - wabenförmig in Halbkugelform angeordnet, jedes einzelne mit einer etwas anderen Blickrichtung. Die Einzelbilder setzen sich im Insektengehirn wie ein Mosaik zu einem Gesamtbild zusammen. Mit diesen Facettenaugen sehen Insekten nicht sehr scharf. Doch sie können ultraviolettes Licht sehen. Viele Blumen und Blüten leuchten im UV-Bereich besonders intensiv und locken so Bestäuber an.

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Die Facettenaugen einer Regenbremse

Fische

Unter Wasser in den Korallenriffen wird ebenfalls im ultravioletten Farbspektrum kommuniziert. Manche Korallen sehen aus wie Leuchtreklamen. Fischaugen können das wahrnehmen. Doch warum die Meeresbewohner sich so einfärben, ist noch nicht bekannt. Spezielle Eiweiße nehmen Licht auf und geben es in Neongrün, Giftrot und Orange wieder ab.

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Auge von einem Langstachel-Igelfisch

Kalmare

In der ewigen Nacht der Tiefsee haben Kalmare die größten Augen im Tierreich entwickelt - bis zu 30 Zentimeter im Durchmesser -, um ihre schwach leuchtende Beute aufzuspüren. Doch vor einem Räuber sind selbst sie nicht sicher: dem Pottwal. Anders als der Kalmar ist er in der Tiefsee blind. Doch der Wal stößt hochfrequente Töne aus und ortet über das Echo seine Beute genau.

© Chris Schwitz/OKAPIA

Auge eines Kopffüßer Kalmar

Vogel Strauß

Das Auge des Vogel Strauß ist größer als sein Gehirn. Bis zu fünf Zentimeter Durchmesser kann das Auge des Vogel Strauß groß werden. Damit besitzt er das größte Auge aller Landlebewesen und kann sogar drei Kilometer weit sehen.

© picture-alliance/dpa

Vogel Strauß

Chamäleons

Chamäleons sind Meister der Tarnung, indem sie sich ihrer Umgebung farblich anpassen können. Darüberhinaus haben sie aber auch ganz besondere Augen. Sie befinden sich seitlich am Kopf, sodass sie - ähnlich wie die Pferde - einen fast 360 Grad Rundumblick haben. Dabei können sie jedes Auge unabhängig voneinander bewegen, sodass sie alles im Blick haben - mit dem einen Auge halten sie zum Beispiel vorne nach Beute Ausschau, mit dem anderen Auge haben sie hinten mögliche Feinde im Blick.

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Chamäleon

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Von
  • Florian Guthknecht
  • Sylvaine von Liebe
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