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Mehr Mikroplastik durch Autoreifen und Schuhe als durch Kosmetik | BR24

© dpa-Bildfunk/Hendrik Schmidt

Altreifen: Reifenabrieb ist eine der Hauptursachen für Mikroplastik in der Umwelt

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    Mehr Mikroplastik durch Autoreifen und Schuhe als durch Kosmetik

    Plastik verschmutzt unsere Umwelt, unsere Gewässer. Vor allem Mikroplastik bereitet Sorgen. Doch woher kommt es? Laut Fraunhofer-Institut in Oberhausen liegen der Reifenabrieb, aber auch die Abfallentsorgung bei den Mikroplastik-Emissionen ganz vorn.

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    Für die Studie zum Mikro- und Makroplastik in der Umwelt hat das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits-, und Energietechnik in Osnabrück (UMSICHT) bislang 51 verschiedene Quellen für Mikroplastik ausgewertet. Insgesamt haben die Forscher errechnet, dass pro Jahr in Deutschland 330.000 Tonnen Mikroplastik zusammenkommen – pro Person sind das gut vier Kilogramm. Von den insgesamt 446.000 Tonnen Kunststoff-Emissionen pro Jahr in Deutschland macht Makroplastik wie leere Plastikflaschen oder -tüten nur ein gutes Viertel aus. 74 Prozent der Emissionen sind dagegen Mikroplastik.

    Reifenabrieb als größter Mikroplastik-Produzent

    Bei ihrer Analyse haben die Forscher festgestellt, dass der größte Anteil nicht, wie vielleicht oft angenommen, aus der Kosmetik und den Textilien stammt. Vielmehr ist der Abrieb von Reifen – inklusive Autos (998,0 Gramm pro Jahr) Lastwagen (89,0), Skateboards (17,9), Fahrrädern (15,6) und Motorrädern (8,0) – laut der UMSICHT-Studie Mikroplastikproduzent Nummer eins mit insgesamt 1.228,5 Gramm pro Jahr.

    Auch Kompost und Recycling produzieren Mikroplastik

    Auf Rang 2 findet sich die Freisetzung von Mikroplastik in der Abfallentsorgung mit 302,8 Gramm pro Jahr wieder. Darin inbegriffen ist zum Beispiel die Kompostierung (169), die Zerkleinerung von Bauschutt (27,6) oder das Kunststoffrecycling (101). Auf Platz 3 sieht die Studie den Abrieb von Bitumen in Asphalt (228,0), Rang 4 belegen die Pelletverluste (182,0).

    Mikroplastik von Sport- und Spielplätzen – Schuhsohlen auf Platz 7

    Auf Rang 5 und auch das klingt auf den ersten Blick überraschend: die Verwehungen von Sport- und Spielplätzen mit 131,8 Gramm pro Jahr, dabei sind die Kunstrasenplätze mit 96,6 Gramm pro Jahr ganz weit vorn. Platz 6 nehmen die Freisetzungen von Baustellen (117,1) ein, gefolgt vom Abrieb der Schuhsohlen mit 109,0 Gramm pro Jahr. Danach folgt der Abrieb von Kunststoffverpackungen (Platz 8), von Fahrbahnmarkierungen (Platz 9). Dann erst folgt der Faserabrieb bei Textilwäsche (Platz 10). Das häufig erwähnte Mikroplastik in Kosmetik belegt in dieser Statistik mit 19,0 Gramm pro Jahr den 17. Rang.

    Primäres und sekundäres Mikroplastik

    Die Studie unterscheidet zwischen primärem und sekundärem Mikroplastik. Sekundäres Mikroplastik entsteht laut der der Forscher durch Zersetzung und Verwitterung von Makroplastik. Etwa wenn sich Plastikflaschen und -tüten oder Schiffsnetze auflösen. Primäres Mikroplastik (Typ A und B) sind dagegen Partikel, die bereits bei der Herstellung von Produkten eingesetzt werden. Beispiele sind Reibkörper in der Kosmetik, polymere Strahlmittel, Lasersinterpulver für den 3-Druck oder Kunststoffpellets. "Die Freisetzung dieses Mikroplastiks Typ A kann intendiert, bewusst in Kauf genommen oder durch einen Unfall verursacht sein“, so die Studie.

    89 Prozent des Mikroplastiks durch Nutzung oder Verwitterung von Plastik

    Das primäre Mikroplastik Typ B entsteht dagegen erst in der Nutzungsphase. Dazu zählen der Reifenabrieb, beim Waschen freigesetzte synthetische Fasern oder die Verwitterung von Farbe. Mikroplastik Typ B ist schwer zu vermeiden. Bisher gibt es laut der Studie auch kaum Forschung zu dem Thema. Aber gerade dieser Typ B gelangt – so die Studie – in großem Umfang in die Umwelt: Es soll rund 89 Prozent des gesamten Mikroplastiks, das in die Umwelt gelangt, ausmachen. Dabei stammen 62 Prozent dieser Emissionen aus den Bereichen Verkehr, Infrastruktur und Gebäude.

    Jeder Verbraucher ist mitverantwortlich

    Die Autoren der Studie sehen die Verantwortlichkeiten für eine Reduzierung des Mikroplastiks klar verteilt: Während die Vermeidung von primärem Mikroplastik in der Verantwortung der Hersteller liegt, müssten die Verbraucher und der Staat sich um die Verminderung von sekundärem Mikroplastik, also Plastikverpackungen und -tüten etc., in der Umwelt kümmern. Dadurch könnten auch die Emissionen von sekundärem Mikroplastik vermieden werden.