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Mehr Kunststoff in Kosmetik und Putzmitteln als bekannt | BR24

© Fraunhofer UMSICHT

Microbeads - kleine Mikroplastik-Partikel in Kosmetik

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    Mehr Kunststoff in Kosmetik und Putzmitteln als bekannt

    In Kosmetik- sowie Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln steckt weitaus mehr Plastik, als bisher bekannt. Flüssige, gelöste und gelartige Kunststoffe, auch Polymere genannt, gelten nicht als Mikroplastik und werden tonnenweise eingesetzt.

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    Unter dem Begriff Mikroplastik versteht man feste Kunststoffpartikel, die kleiner als fünf Millimeter sind. Das ist der kleinste gemeinsame Nenner, auf den sich alle Akteure einigen konnten. Ansonsten schwanken die Definitionen stark und erschweren die Debatte um eine Reduzierung von Mikroplastik in Kosmetik. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT, die vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) in Auftrag gegeben und im September 2018 veröffentlicht wurde. Die Studie nennt erstmals Zahlen zu gelösten Kunststoffen in Kosmetikprodukten.

    Die Ausgangslage

    922 Tonnen Mikroplastik gelangen pro Jahr in Deutschland durch Kosmetik ins Abwasser. Durch Wasch-, Putz- und Reinigungsmittel (WPR) sind es 55 Tonnen pro Jahr. Im Gegensatz dazu, sind es bei den gelösten Polymeren 23.700 Tonnen durch Kosmetik und 23.200 Tonnen durch WPR. Die meisten Polymere müssen nicht bei der europäischen Chemikalienverordnung REACH registriert werden.

    © BR

    Kunststoffe in Kosmetik und Putzmitteln

    Wie kann das sein?

    Flüssige, gelöste und gelartige Polymere gelten derzeit als wenig giftig und werden als wenig umweltgefährdend eingestuft. Sie können aber genauso problematisch sein wie Mikroplastik, weil sie eine lange Verweildauer haben, sich in Organismen anreichern und damit auch in die Nahrungskette gelangen können.

    Wo hakt's?

    Bisher gibt es laut Studien-Leiter Jürgen Bertling nur "Hinweise auf Schadwirkung". Belastbare Daten, welche Folgen die hohen Mengen an menschengemachten Kunststoffteilchen für die Umwelt haben, gibt es nicht. Nur dann würden nicht-feste Polymere aber in Gefahren-Verordnungen aufgenommen werden.

    Was empfiehlt Fraunhofer UMSICHT?

    Von Menschenhand erzeugte Kunststoffe und von Menschen in die Umwelt eingebrachte Kunststoffe sollten neu eingeteilt werden, damit sie gesetzlich besser greifbar sind und reduziert werden können. Verbraucher im Supermarkt können kaum erkennen, welche Produkte Mikroplastik enthalten und welche nicht. Welche Polymere schädlich und welche weniger schädlich sind. Unter dem Oberbegriff "Anthropogene Polymere in der Umwelt" könnten Kunststoffabfälle (Makro- und Mikroplastik), flüssige / gelöste / gelartige Polymere und verarbeitete natürliche Polymere zusammengefasst werden.

    Diese anthropogenen Polymere sollten auf europäischer Ebene durch Chemikalienverordnungen (CLP-Verordnung, REACH) und nach ihrer Abbaubarkeit reglementiert werden, da die Transportwege global sind und noch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse über das Gefahrenpotenzial von Polymeren in der Umwelt vorliegen. Könnten Polymere laut Studie "ganzheitlich und verlässlich bewertet werden", wäre es im Idealfall nach Ansicht von Jürgen Bertling möglich, eine Positivliste Polymere zu erstellen. Kritische Polymere könnten so identifiziert und durch weniger kritische Alternativen ersetzt werden.

    "In Anbetracht der hohen Eintragsmengen und der nicht abzuschätzenden Risiken für die Umwelt müssen sämtliche schwer abbaubaren, wasserlöslichen Polymere über die europäische Chemikaliengesetzgebung reguliert werden. Unser Wissen über die Wirkungen, die Polymere in der Umwelt haben, reicht nicht aus. Kunststoffemissionen sollten deshalb über die EU-Chemikaliengesetzgebung oder andere geeignete Wege reguliert werden." Jürgen Bertling, Studien-Leiter, Fraunhofer UMSICHT.
    © BR

    Wie Kunststoffe aktuell eingeteilt werden (orange) und wie sie nach Fraunhofer UMSICHT neu eingeteilt werden sollten (blau).