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CO2-Anreicherungsringe in der Klimafolgenforschungsstation der JLU in Linden-Leihgestern
© Justus-Liebig-Universität Gießen, Eva Diehl

Autoren

Silke Schmidt-Thrö
Jan-Claudius Hanika
© Justus-Liebig-Universität Gießen, Eva Diehl

CO2-Anreicherungsringe in der Klimafolgenforschungsstation der JLU in Linden-Leihgestern

Was erwartet die Landwirte von morgen? Das sollen nicht nur Versuche im Labor, sondern auch im Freiland klären. Seit 20 Jahren untersuchen Gießener Forscher, wie ein erhöhter CO2-Gehalt in der Luft Kräuter und Gras von morgen beeinflusst, und zwar unter möglichst realistischen Bedingungen.

20 Prozent mehr Kohlendioxid als heute

Die Pflanzen wachsen im natürlichen Boden, werden gedüngt, nicht vom Wetter abgeschirmt. Auf den Versuchsflächen sind sie von Lüftungsrohren umgeben. Über die Rohre strömt von oben zusätzliches Kohlenstoffdioxid in die Luft um die Pflanzen, im Schnitt 20 Prozent mehr CO2 als heute. Zwischen den Jahren 2035 und 2050 wird dieser Wert wahrscheinlich erreicht werden. Der künstliche Klimawandel verspricht dabei auf den ersten Blick einen Vorteil, denn Pflanzen brauchen CO2 für Fotosynthese und Wachstum. Gibt es also bessere Ernten?

"Typischerweise haben wir hier einen Anstieg von 10 bis 15 Prozent messen können über die Jahre. Das ist eigentlich etwas Positives, geht allerdings einher mit einer Qualitätsverringerung bei Proteinen und Nährstoffen. (…) Wenn man das verfüttert, dann müsste die Kuh einfach davon mehr fressen, um dieselbe Menge an Milch zu produzieren." Christoph Müller, Professor für experimentelle Pflanzenökologie

Dazu kommt, dass im Futter künftig auch mehr schwer verdauliche Rohfasern sein werden. Das zeigen die Daten im Vergleich zur normalen Ernte. Anders als im Labor konnte Müller im Freiland das ganze Ökosystem beobachten, denn CO2 beeinflusst auch das Leben im Boden. Die Zusammensetzung der Mikroorganismen änderte sich langsam und so auch die der Nährstoffe für Pflanzen. Die lange Versuchsdauer lohnte sich dabei: Noch nach zehn Jahren gab es große Zuwächse bei bestimmten Pflanzen. Dass das Mähgut 2018 nun eher braun statt grün ist wegen des trockenen heißen Sommers, stört den Pflanzenökologen Müller nicht, im Gegenteil.

"Ich denke, das ist ganz entscheidend, dass man solche Extremjahre auch mit berücksichtigen kann, weil die Prognosen alle dahingehen, dass solche Extremjahre in Zukunft häufiger werden." Christoph Müller

Wie entscheidend ein Extremjahr sein kann, hat Müller schon im Jahr 2003 feststellen können. In diesem Trockenjahr brach die Pflanzenpopulation zusammen und brauchte Jahre, um sich zu erholen. Und nicht nur das.

"Das sind dann Jahre, wo wir dann hier auch gesehen haben, dass der CO2-Düngeeffekt als solcher gar nicht eingetreten war, was wir eigentlich erwartet hätten. Das werden wir dieses Jahr vermutlich genauso sehen." Christoph Müller