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Seit der Corona-Pandemie ist das Krankenhauspersonal im Dauerstress. Doch wie kann es sein, dass die Sterbezahlen trotz Impfkampagne stiegen?

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Mehr Covid-Tote in 2021: Warum das nichts über die Impfung sagt

Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen: 2021 starben rund 80 Prozent mehr Menschen an Corona als 2020 - obwohl 2021 die Impfkampagne startete. Warum diese Sterbefallzahlen die Wirksamkeit der Impfung nicht widerlegen, klärt der #Faktenfuchs.

Dieser #Faktenfuchs ist erstmals am 14. Januar 2023 auf BR24 erschienen. Die Frage, warum 2021 mehr Menschen an Covid gestorben sind als 2020, wird im Netz weiterhin häufig gestellt. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.

Darum geht’s:

  • 2021 starben knapp 80 Prozent mehr Menschen an Corona als im Jahr zuvor. Daraus schließen einige Menschen in sozialen Netzwerken, dass die Impfungen - ab 2021 verfügbar - nichts gebracht hätten.
  • Experten halten diese Schlussfolgerung für falsch. Die Jahre 2020 und 2021 ließen sich nicht einfach so vergleichen. So seien Impfungen beispielsweise erst Mitte des Jahres 2021 breit verfügbar gewesen.
  • Dass Menschen aus zwei korrelierenden Trends einen Kausalzusammenhang ableiten, kommt häufig vor. Experten sprechen von einer "Nonsens-Korrelation".

Seit Beginn der Corona-Pandemie beschäftigen die jährlichen Corona-Todeszahlen die Menschen – und sorgen für teils hitzige Diskussionen. Dieses Mal ist das nicht anders: Mitte Dezember veröffentlichte das Statistische Bundesamt (Destatis) die Todesursachenstatistik für 2021, also die ausgewerteten Zahlen dazu, woran wie viele Menschen in 2021 gestorben sind. In der begleitenden Pressemitteilung stand der Satz: "An COVID-19 als Grundleiden verstarben 71.331 Menschen, das waren 79 Prozent mehr als im Vorjahr."

Knapp 80 Prozent mehr Covid-Tote. Und das im Jahr 2021, wo es, anders als noch 2020, bereits Corona-Impfungen gab. Unter einem Tweet, den das Statistische Bundesamt zum selben Thema veröffentlicht, häufen sich Gerüchte und Behauptungen:

"79 Prozent mehr als im Jahr ohne Impfung, mit der schlimmsten aller Varianten. Alter Schwede, die Impfung ist ja n richtiger Gamechanger." (Twitter-User)
"Die 'Impfung' scheint ja einzuschlagen wie eine Bombe. Wie viele von den 'Covid-Toten' waren 'geimpft'?"
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Auf Twitter spekulieren Nutzer über den Anstieg der Covid-19-Toten zwischen 2020 und 2021.

Doch stimmt das? Bedeutet der starke Anstieg der Corona-Toten im Jahr 2021, dass die Impfungen nichts gebracht haben? Oder, dass sie womöglich sogar zu mehr Todesfällen geführt haben? Dieser #Faktenfuchs erklärt, warum das nicht so ist – und welchen statistischen Fehlern die Menschen aufsitzen, die solche Zusammenhänge herstellen.

Wie sehen die Zahlen in Deutschland und Bayern aus?

Um einen Eindruck dafür zu bekommen, wie sich die Corona-Todeszahlen in den ersten beiden Pandemiejahren entwickelt haben, haben wir sie hier graphisch dargestellt. Auf den ersten Blick lässt sich erkennen: Im Jahr 2021 war die Anzahl der Corona-Toten tatsächlich deutlich höher als im Jahr zuvor.

Die Zahlen des Bundesamtes für Statistik werden auf Basis der amtlichen Todesursachenstatistik erfasst. Diese basiert auf den in den Todesbescheinigungen dokumentierten Grundleiden und den Begleiterkrankungen der verstorbenen Personen. Hier hat also zuvor jeweils ein Arzt entschieden, ob die Corona-Infektion auch tatsächlich das entscheidende Grundleiden war, an dem die Person verstorben ist.

Auch das RKI veröffentlicht Covid-19-Sterbefalldaten, diese werden aber anders erhoben. Da die RKI-Daten kleinteiliger verfügbar sind, greifen wir in einer Grafik in diesem Text darauf zurück. Mehr Details zu den unterschiedlichen Zählweisen können Sie in diesem #Faktenfuchs nachlesen.

Wenn man sich die Zahlen für Bayern ansieht, dann zeigt sich ein ähnlicher Trend wie auf Bundesebene. Die Zählung des Bayerischen Landesamtes für Statistik, deren Todesursachenstatistik genauso entsteht wie die des Statistischen Bundesamtes, ergibt Folgendes: 2020, also im ersten Jahr der Pandemie, sind 7.537 Menschen im Freistaat an Covid-19 verstorben. Im darauffolgenden Jahr 2021 waren es dann 12.306. Das ist ein Anstieg auf Landesebene um 63 Prozent.

(Mögliche) Gründe für den Anstieg der Covid-Todeszahlen

Doch wie kommt dieser teils drastische Anstieg der Todeszahlen von 2020 auf 2021 überhaupt zustande? Und bedeutet das tatsächlich, wie einige Nutzer im Internet vermuten, dass die Impfung nichts gebracht hat?

Nein, sagen alle Experten und Expertinnen, mit denen der #Faktenfuchs gesprochen hat. Diesen Schluss lassen die Daten nicht zu. Für den deutlichen Anstieg der Todeszahlen im Jahr 2021 gibt es verschiedene andere Erklärungsansätze:

Erstens: 2020 war kein komplettes Corona-Jahr. Das sagt Felix zur Nieden, Experte für demografische Analysen beim Statistischen Bundesamt. Erst Ende Januar 2020 wurde die erste Corona-Infektion in Deutschland bestätigt. Der erste Corona-Tote in Deutschland wurde im März 2020 dokumentiert. Das heißt: Genau in den Monaten, die in den Folgejahren mit besonders schlimmen Corona-Wellen einhergingen (Januar und Februar), gab es im Jahr 2020 in Deutschland noch gar keine - oder nur sehr wenige (siehe Punkt 2) - Corona-Tote.

Zweitens: Andrea Buschner, Expertin für Sterbezahlen beim Bayerischen Landesamt für Statistik, weist auf einen zweiten Aspekt hin: Zu Beginn der Pandemie sei die Testung sehr schwierig gewesen. "Da gab es nicht in der Breite Schnelltests, Massentests, PCR-Tests. Das heißt, man kann auch nicht ausschließen, dass im Jahr 2020 der eine oder andere COVID-19-Sterbefall dabei war, der eben nicht erfasst war." So gesehen könnten die Sterbezahlen in 2020 etwas höher gewesen sein als offiziell ausgewiesen. Der Anstieg zu 2021 wäre dann nicht ganz so drastisch.

Drittens: Wie die Grafik oben zeigt, begann die zweite Corona-Welle im Herbst 2020 und erstreckte sich bis in den Februar 2021. Und zwar "mit hohen Sterbefallzahlen im Januar, als noch kaum jemand geimpft war", wie der Demografie-Experte Felix zur Nieden vom Statistischen Bundesamt betont. Vermutlich verstarben also in den ersten Wochen des Jahres 2021 noch viele Personen, die sich bereits 2020 angesteckt hatten.

Viertens: Anders als von vielen Usern auf Twitter behauptet, war 2021 zudem keineswegs "das Jahr der Impfungen". Diese kamen zwar ab Januar 2021 in Umlauf, zunächst wurden jedoch ausschließlich Risikogruppen geimpft. Erst Ende Juli, also zur Jahresmitte, waren 50 Prozent der Deutschen nach RKI-Informationen zwei Mal geimpft. In Bayern wurde diese Zielmarke sogar erst Anfang August 2021 erreicht. "Das heißt, davor waren die Leute gar nicht ausreichend geschützt, damit die Impfungen Auswirkungen auf die Sterberate hätte haben können", sagt Katharina Schüller von der Münchner Statistik-Beratung Stat-Up.

Das bestätigt auch das Robert Koch-Institut. Anfang März 2021 hätten erst etwa 4,3 Millionen Menschen in Deutschland eine erste Impfung erhalten, also nur etwa fünf Prozent der Gesamtbevölkerung. Auf die vielen Corona-Toten im Januar und Februar 2021 konnte das also noch keinen wirklichen Einfluss haben.

Fünftens: Wollte man – wie es viele Twitter-User tun – zwei Zeiträume miteinander vergleichen, dann seien am ehesten die letzten zehn Wochen der Jahre 2020 und 2021 dafür geeignet, sagt die Statistik-Expertin Katharina Schüller. Denn in beiden Jahren schnellten gegen Ende des Jahres die Infektionen in die Höhe. Ende 2020 gab es noch keine Impfung, Ende 2021 war die Impfkampagne schon weit fortgeschritten. Und da zeige sich, so Schüller: "In den letzten zehn Kalenderwochen vom Jahr 2020 waren es knapp 34.000 Todesfälle, also vor der Impfung, und in den letzten zehn Kalenderwochen vom Jahr 2021 waren es knapp 20.000 Todesfälle. Also viel, viel weniger."

Der Unterschied wird sogar noch deutlicher, wenn man die Infektionszahlen in diesen Wochen danebenlegt. Denn obwohl es Ende 2020 noch deutlich weniger Infektionen gab, starben mehr Menschen. Ende 2021 hingegen waren deutlich mehr Menschen infiziert - und trotzdem starben weniger.

Allerdings hat auch dieser Vergleich seine Einschränkungen. Denn auch andere Faktoren könnten dazu beigetragen haben, dass sich Ende 2021 zwar deutlich mehr Menschen ansteckten, aber weniger Menschen verstarben als noch zum Jahresende 2020. So steckten sich in der vierten Welle ab dem Herbst 2021 vor allem Jüngere an, die bekanntlich auch seltener an Covid-19 sterben.

Sechstens: Felix zur Nieden führt noch weitere Gründe an, die den Vergleich von Corona-Toten in den Jahren 2020 und 2021 ohne weitere Einordnung unzulässig machen. So breitete sich etwa ab dem Juni 2021 die deutlich ansteckendere Delta-Variante in Deutschland aus. Zugleich waren die Maßnahmen später im Jahr 2021 vielerorts weniger streng als im ersten Corona-Jahr 2020. Auch das könnte ein Grund dafür sein, dass sich in 2021 wesentlich mehr Menschen ansteckten und daher über das ganze Jahr gesehen auch mehr Menschen an Covid-19 verstarben.

Der statistische Denkfehler

Dass Menschen im Internet versuchen, aus aggregierten Sterbedaten Rückschlüsse auf die Wirksamkeit der Impfungen zu ziehen, kommt immer wieder vor. Auch der #Faktenfuchs hat solche Behauptungen bereits in der Vergangenheit entkräftet. Doch welcher Denkfehler liegt solchen Behauptungen zugrunde? Und warum tappen so viele Menschen immer wieder in diese Falle?

Zusammen mit Kollegen gibt die Statistik-Expertin Katharina Schüller einmal im Monat die "Unstatistik des Monats" heraus. Darin erklären die Wissenschaftler Fehler, die in der Interpretation von Statistiken häufig gemacht werden. Ein Klassiker: die sogenannte "Spurious Correlation" oder "Nonsens-Korrelation".

Berühmtestes Beispiel für eine solche Nonsens-Korrelation ist der Zusammenhang von Storchenpopulation und Geburten in manchen Ländern Europas. Rein statistisch lässt sich nachweisen, dass dort, wo mehr Störche nisten, auch mehr Kinder geboren werden. Trotzdem geht niemand von einem direkten kausalen Zusammenhang aus.

Falsche Kausalzusammenhänge würden vor allem bei Zeitreihen häufig hergestellt, sagt Schüller: Denn die ließen sich gut visualisieren. "Und dann glaubt man, man sieht irgendwie ähnliche Kurvenverläufe." Zudem neigten wir Menschen dazu, "Muster zu sehen, die möglicherweise keine Bedeutung haben oder die einfach nur aufgrund von statistischen Artefakten zustande gekommen sind", also zum Beispiel durch die Anwendung falscher Forschungsmethoden.

Dabei gibt es in der Statistik durchaus Verfahren, mit denen sich die Aussagekraft von Korrelationen besser einordnen lässt. So kann man auf bestimmte Variablen kontrollieren, um auszuschließen, dass der Zusammenhang nur zufällig besteht oder eigentlich ein dritter Faktor dafür verantwortlich ist. Wenn Todeszahlen trotz zunehmenden Impfungen steigen, könnte so ein dritter Faktor zum Beispiel ein Anstieg der Infektionen sein.

Die Wirksamkeit der Impfungen lässt sich aus den Sterbezahlen nicht direkt ablesen

Dass die Impfungen nichts gebracht hätten oder sogar zu mehr Todesfällen geführt hätten, lässt sich also aus den Zahlen des Statistischen Bundesamtes nicht herauslesen. Was die Sache allerdings kompliziert macht: Auch das Gegenteil – dass die Impfung gewirkt hat – lässt sich aus diesen Daten nicht direkt ablesen.

Denn auch wenn die Sterbezahlen mit einer zunehmenden Anzahl von Impfungen in einem bestimmten Zeitraum abnähmen, ließe sich nur vermuten, dass dies auf die Impfungen zurückzuführen sein könnte. Ein Beweis für einen kausalen Zusammenhang sei das nicht, erklärt Andrea Buschner, Expertin für Sterbefallzahlen beim Bayerischen Landesamt für Statistik.

Man müsse sich immer anschauen, wer genau in einem Land geimpft wurde. "Es gibt Länder, denen ist es gelungen, die ganzen Hochbetagten durchzuimpfen, zu 100 Prozent. Die konnten diese Gruppen total gut schützen. Die haben vielleicht gar keine wahnsinnig hohe Impfquote, aber sie haben die Risikogruppen durchgeimpft." In diesem Fall wäre es denkbar, dass die Todesfälle aufgrund der Impfungen zurückgehen, die Zahl der Impfungen aber gar nicht so sehr steigt.

Studien belegen hohe Wirksamkeit der Impfungen

Zum Glück gibt es andere Wege, mit denen sich die Wirksamkeit von Impfungen sicher belegen lässt: sogenannte randomisierte kontrollierte Studien. Sie gelten als Goldstandard in der medizinischen Wirksamkeitsforschung.

Dabei werden die Probanden in zwei Gruppen eingeteilt, die hinsichtlich ihres Alters, Geschlechts, Vorerkrankungen und vielen anderen Faktoren miteinander vergleichbar sind. Eine Gruppe wird nun mit dem echten Wirkstoff geimpft, die andere erhält ein Placebo. Danach untersucht man, wie viele Probanden aus beiden Gruppen sich binnen eines bestimmten Zeitraums infizieren, erkranken und/oder versterben. Nur, wenn alle anderen Faktoren gleich sind, ist ein Unterschied in den Sterberaten mit großer Sicherheit auf das Medikament bzw. die Impfung zurückzuführen.

Vor der Erstzulassung der Corona-Impfstoffe mussten die Hersteller solche Studien durchführen. Das Ergebnis: Die in Deutschland verwendeten Corona-Impfstoffe Biontech, Astrazeneca und Moderna boten bei Infektionen mit der Delta-Variante einen 90-prozentigen Schutz gegen eine schwere Covid-19-Erkrankung. Allerdings nimmt die Wirksamkeit der Impfungen über die Zeit ab. Und auch neue Virus-Varianten können dazu führen, dass eine Impfung weniger wirksam wird. Mehr Details dazu, wie die Zulassungsstudien abliefen und was es bedeutet, wenn von "90 Prozent Wirksamkeit" die Rede ist, finden Sie in diesem #Faktenfuchs.

Auch Daten aus der Praxis zeigen Wirksamkeit der Impfungen

Doch nicht nur randomisierte kontrollierte Test-Studien, auch Beobachtungsdaten aus der Praxis können für Untersuchungen verwendet werden. Damit kann man zum Beispiel prüfen, ob Geimpfte seltener sterben als Ungeimpfte.

So haben etwa die Helios-Kliniken in Deutschland eine sogenannte Kohortenstudie durchgeführt. Dabei wurden die Patienten betrachtet, die von 01.09.2021 bis 31.03.2022 in ihren Kliniken stationär behandelt wurden und eine durch einen PCR-Test bestätigte Corona-Infektion hatten. Insgesamt wurden 10.902 Patienten im Alter von 18-104 Jahren in die Untersuchung eingeschlossen.

Da die Daten über das interne, pseudonymisierte Dokumentationssystem der Kliniken generiert wurden, hatten die Studienautoren viele Informationen über die Patienten zur Verfügung. So konnten sie berechnen, wie sehr etwa das Alter, Geschlecht, Begleiterkrankungen und der Impfstatus den Verlauf der Covid-19-Erkrankungen beeinflussten – also etwa, wie schwer jemand erkrankte und ob der Patient oder die Patientin am Ende verstarb.

Das Ergebnis: Innerhalb der untersuchten Gruppe ließ sich deutlich nachweisen, dass die Impfung einen positiven Einfluss auf den Krankheitsverlauf und die Sterberate hatte. So heißt es im Fazit der Autoren: "Eine fehlende Immunisierung erhöhte das Risiko für einen Intensivaufenthalt, Beatmung und Tod." Diese Korrelation ergab sich auch dann, wenn man den Einfluss von Faktoren wie Alter, Geschlecht und Vorerkrankungen berücksichtigte.

Irit Nachtigall, die die Studie mitverfasst hat, betont im Gespräch mit dem #Faktenfuchs dennoch, dass auch diese Untersuchung keinen eindeutigen kausalen Zusammenhang beweise. Das können, wie oben bereits geschrieben, nur randomisiert kontrollierte Studien.

In Österreich gibt es ein individuelles Impfregister

Statistik Austria, das Bundesamt für Statistik in Österreich, kommt in einer Sonderauswertung zu dem Ergebnis, dass Geimpfte eine geringere Sterblichkeit haben als Ungeimpfte.

In Österreich gibt es, anders als in Deutschland, ein zentrales Impfregister. Jede Covid-19-Impfung muss darin mit detaillierten Angaben zur geimpften Person erfasst werden. Die Daten werden pseudonymisiert, können aber über ein Kennzeichen mit anderen Datenquellen verknüpft werden. So ist es den österreichischen Statistikern möglich, den Impfstatus mit anderen Daten aus der Bevölkerungsstatistik zu verbinden. Sie können zum Beispiel abgleichen, ob Impfquote und Sterberate sich in einer Altersgruppe in einem gewissen Zeitrahmen ähnlich entwickelt haben.

In der Sonderauswertung haben sie das für den Zeitraum September bis Dezember 2021 getan. Wichtig dabei: Es geht um die allgemeinen Sterbezahlen – nicht um die Sterbefälle im Zusammenhang mit Covid-19. Regina Fuchs von Statistik Austria fasst das Ergebnis im Gespräch mit dem #Faktenfuchs so zusammen: "Wir haben herausgefunden, dass Personen, die zumindest einmal geimpft waren, damals eine etwa halb so hohe Sterblichkeit hatten wie Personen, die ungeimpft waren." Gegen Ende 2021 habe man zudem beobachten können, dass die Sterblichkeit unter den Ungeimpften stärker gestiegen ist als die Sterblichkeit unter den Geimpften.

Auch hieraus lasse sich ein kausaler Zusammenhang - mehr Impfungen, weniger Covid-Tote - nicht eindeutig ablesen. Schließlich gehe eine hohe Impfquote meist auch mit höherer Bildung und einem höheren Lebensstandard einher. Es wäre also denkbar, dass die Geimpften deshalb länger lebten, weil sie insgesamt einen höheren Lebensstandard hatten. "Um hier einen direkten kausalen Zusammenhang zwischen der Impfung und der Sterblichkeit herzustellen, müsste man noch viel weiter in die Tiefe gehen", erklärt die österreichische Statistikerin.

Aber zumindest eines, sagt Fuchs, könne man mit Bestimmtheit sagen: "Dass die COVID 19 Impfung zu keiner höheren Sterblichkeit geführt hat."

Fazit: Dass im Jahr 2021 deutlich mehr Menschen an Covid-19 verstorben sind als 2020, belegt Experten zufolge nicht, dass die Impfungen wirkungslos waren. Es gibt mehrere denkbare Gründe dafür, warum die Sterbezahlen 2021 angestiegen sind, obwohl im selben Jahr auch die Impfungen ausgerollt wurden:

Zum einen war 2020 kein ganzes Corona-Jahr, den ersten Corona-Toten gab es in Deutschland im März 2020. Die Monate Januar und Februar, in denen es in den Jahren danach starke Wellen gab, spielten im Jahr 2020 für das Infektionsgeschehen noch gar keine Rolle. Zugleich war 2021 nicht in Gänze "das Jahr der Impfungen", wie viele behaupten. Erst Ende Juli 2021 waren 50 Prozent der Deutschen doppelt geimpft. Und schließlich zeigt sich, dass in den letzten zehn Wochen des Jahres 2021, während einer schweren Corona-Welle, deutlich weniger Menschen an Corona starben als noch Ende 2020. Und das bei gleichzeitig deutlich höheren Infektionszahlen.

Statistik-Experten erklären, welcher Fehler zugrunde liegt: eine sogenannte Nonsens-Korrelation. Diese liegt zum Beispiel dann vor, wenn zwei Datensätze einen ähnlichen Trend aufweisen, also etwa die Zahl der Impfungen und der Corona-Todesfälle im selben Zeitraum steigt. Statistik-Laien vermuten dann häufig, dass es einen kausalen Zusammenhang zwischen beiden Entwicklungen geben muss. Um diesen belegen zu können, braucht es aber tiefergehende statistische Analysen.

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