BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: picture alliance/dpa | Philipp von Ditfurth

Inwiefern könnten Asthmasprays ein zentraler Faktor gegen schwere Corona-Krankheitsverläufe sein? Prof. Erika von Mutius bei BAYERN 3 Update.

55
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Medikament gegen Corona: Asthmaspray könnte Lebensretter sein

Eine neue Studie zeigt, dass ein Asthmaspray das Risiko für eine schwere Corona-Erkrankung wesentlich verringern kann. Und das könnte als therapeutisch eingesetztes Medikament nicht nur für Asthmakranke, sondern für alle ein Lebensretter sein.

55
Per Mail sharen
Von
  • Leander Beil

Laut Bestimmung fallen Bronchialasthma-Erkrankte in der Corona-Impfreihenfolge in Prioritätsgruppe drei – eine Einschätzung, die bei vielen für Verwunderung sorgte. Denn der gesunde Menschenverstand würde nahelegen: Bei einem Erreger, der die unteren Atemwege angreift, wie Covid-19 es tut, sind besonders diejenigen gefährdet, die schon an einer chronischen Lungenerkrankung leiden.

Asthma-Patienten leiden selten an schweren Corona-Verläufen

Doch bereits mehrere frühe Berichte zeigten, dass in der Gruppe der Patienten, die mit schweren Covid-19-Symptomen ins Krankenhaus eingeliefert wurden, ausgerechnet diejenigen mit chronischen Atemwegserkrankungen deutlich unterrepräsentiert waren.

Basierend auf dieser Beobachtung stellte ein Team um Mona Bafadhel von der Universität Oxford die Hypothese auf, dass der weit verbreitete Einsatz von üblichen Asthmasprays wie "Budesonid", sogenannte inhalative Glukokortikoide, bei diesen Patienten dafür verantwortlich sein könnte.

© BR
Bildrechte: BR

Nicht nur für Corona-, sondern auch für Asthma-Patienten ist Atemtraining wichtig. Wir zeigen, wie das richtig geht.

Als Corona-Medikament: Asthmaspray wurde zweimal täglich angewandt

Die Forscher testeten, ob durch solche Asthmasprays eine wirksame Behandlung von Corona im Frühstadium möglich ist. 146 Erwachsene mit in der Regel milden Corona-Symptomen, die im Mittel bereits seit drei Tagen auftraten, nahmen an der Studie teil. Die Forscher teilten die Patienten per Zufall in zwei Gruppen auf: Gruppe A sollte das Asthmaspray Budesonid, ein sogenanntes topisches Steroid, zweimal täglich anwenden. Gruppe B wurde wie sonst auch üblich versorgt – ohne Einnahme des Sprays.

Wirksame Corona-Behandlung für Erwachsene im Frühstadium

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die im Durchschnitt auf sieben Tage beschränkte Einnahme von Budesonid eine wirksame Behandlung für Erwachsene darstellen könnte. Die Häufigkeit von schweren Verläufen, also dass man aufgrund von Atemproblemen auf die Intensivstation eingeliefert wird, wurde um ca. 90 Prozent gesenkt. Auch auf die Dauer des Fiebers und die Sauerstoffsättigung im Blut wirkte sich der Wirkstoff positiv aus.

Der Zeitraum, den ein Patient bis zur vollständigen Erholung benötigte, reduzierte sich im Schnitt von acht auf sieben Tage. Darüber hinaus macht die Studie auch im Hinblick auf mögliche Corona-Spätfolgen, an denen viele vermeintlich Genesene leiden, Mut: Denn die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine Therapie mit einem Steroid-Asthmaspray die Rate der Langzeitsymptome bei Covid-19 positiv beeinflussen könnte. Genaueres soll aber erst weitere Forschungsarbeit zeigen.

Asthmaspray gegen Corona: Lob, aber auch Kritik zur Studie

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach lobte die Studie und brachte den Wirkstoff als Frühbehandlungsmethode durch Hausärzte ins Gespräch. Als beachtlich und bedeutsam bezeichnete auch der Direktor der Klinik für Infektiologie und Pneumologie der Berliner Charité, Norbert Suttorp, die Studienergebnisse. In eine ähnliche Richtung gehen Äußerungen des Infektiologen Clemens Wendtner von der München Klinik Schwabing. Die Allergologin und Leiterin der Asthma- und Allergieambulanz des LMU-Klinikums, Erika von Mutius, warnte jedoch vor zu großer Euphorie. Sie sagte BAYERN 3 Update dazu:

"Die Ergebnisse sind sehr vielversprechend. Ob das in der Praxis wirklich dazu führt, dass das eine Entlastung für das Gesundheitssystem ist, wird sich erst herausstellen. Aber wenn ich Hausärztin wäre, dann würde ich das verschreiben. Das ist ein gut verträgliches Spray." Erika von Mutius, LMU München

Allein schon aufgrund der guten Verträglichkeit könnte das Spray also eine mögliche breitflächige Ergänzung im Kampf gegen das Virus sein. Kritische Stimmen mahnen jedoch die geringe Teilnehmerzahl bei der Studie und den fehlenden Einsatz eines Placebos zur Kontrolle an.

Um wirklich einschätzen zu können, ob sich der Einsatz des Asthmasprays gegen Corona als Gamechanger erweisen wird, ist es also noch zu früh. Aber ein wenig neue Hoffnung auf ein wirksames Hilfsmittel in der alles beherrschenden Pandemie zu schöpfen, das kann nicht schaden.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!